Der ukrainische Präsident Selenskyj hat vor einer weiteren großen Offensive Russlands im Donbass gewarnt. Nach neuen massiven Angriffen fordert er neue Sanktionen. In Saporischschja kam ein Mensch ums Leben - auch andere Regionen meldeten Angriffe.

Nach ukrainischen Angaben plant Russland eine weitere große Offensive im ostukrainischen Industriegebiet Donbass. Der Raum um Pokrowsk sei weiterhin am stärksten gefährdet. "Die Konzentration (an Truppen) dort liegt bei bis zu 100.000, das ist das, was wir heute Morgen haben", sagte Ukraines Präsident Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine zufolge bei einem Gespräch mit Medienvertretern. Die russischen Truppen bereiteten in jedem Fall einen Vorstoß vor. Aber die Ukraine sei darauf vorbereitet, sagte Selenskyj. Er schätzte die Lage als unter Kontrolle ein.

Pokrowsk gilt als wichtiger logistischer Knotenpunkt. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 zählt die Region rund um die Stadt zu den am heftigsten umkämpften Gebieten in der Ukraine.

Massive Angriffe - ein Toter in Saporischschja

Auch in der Nacht griff Russland die Ukraine wieder mit Drohnen und Raketen an: Im Gebiet Saporischschja kam nach Behördenangaben ein Mensch ums Leben und 22 weitere wurden verletzt. Unter den Verletzten seien auch drei Kinder, teilte der Chef der regionalen Militärverwaltung Iwan Fedorow bei Telegram mit. 14 mehrgeschossige Wohnhäuser und mehr als 40 Privathäuser seien während der nächtlichen Attacke beschädigt worden.

Über Nacht waren Luftabwehrkräfte und Rettungsdienste auch in anderen Regionen im Einsatz, schrieb Selenskyj auf X: "Die Regionen Wolhynien, Dnipro, Donezk, Schytomyr, Saporischschja, Iwano-Frankiwsk, Kiew, Riwne, Sumy, Charkiw, Chmelnyzkyj, Tscherkassy, ​​Czernowitz und Tschernihiw waren alle vom Angriff betroffen." Zahlreiche Brände seien ausgebrochen.

Im Gebiet Dnipropetrowsk berichteten die Behörden auch von zahlreichen Schäden an der Infrastruktur. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt.

Die ukrainische Flugabwehr meldete am Morgen, dass Russland insgesamt mit 537 Drohnen, 37 Marschflugkörpern und neun ballistischen Raketen angegriffen habe. Die meisten Flugziele seien unschädlich gemacht worden. Es habe aber auch Einschläge und Abstürze von Trümmern abgeschossener Waffen gegeben, hieß es.

Selenskyj rief Europa, die USA und "die ganze Welt" auf, entschlossener gegen Russland vorzugehen. "Dieser Krieg endet nicht durch politische Erklärungen - gebraucht werden echte Schritte", sagte er in einer bei Facebook und X veröffentlichten Mitteilung. Konkret forderte der ukrainische Präsident harte Maßnahmen gegen alle, die die russische Armee finanzierten. Gegen Russland selbst brauche es weitere Sanktionen im Banken- und Energiesektor.

Kiew: Moskau nutzte Zeit für Vorbereitung neuer Angriffe

Selenskyj beklagte, dass Russland durch die jüngsten Attacken mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern gezeigt habe, dass es auf Worte allein nicht viel gebe. Es sei völlig klar, dass Moskau die zuletzt vom Westen gegebene Zeit für die Vorbereitung eines Treffens auf Ebene der Präsidenten der Ukraine und Russlands genutzt habe, um neue massive Angriffe zu organisieren, so Selenskyj weiter. Ein von US-Präsident Donald Trump gefordertes Treffen von Selenskyj und Kremlchef Wladimir Putin ist bisher nicht in Sicht.

Heute wollen die Außenminister der EU-Staaten bei einem Treffen in Kopenhagen über den weiteren Umgang mit dem Krieg in der Ukraine beraten. Dabei steht dabei die Frage im Raum, mit welchen zusätzlichen Sanktionen der Druck auf Moskau verstärkt werden könnte.

Niels Bula, ARD Kiew, tagesschau, 30.08.2025 11:50 Uhr

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