Ukrainischer Politiker Parubij erschossen
In der westukrainischen Stadt Lwiw ist der ukrainische Politiker Andrij Parubij mit mehreren Schüssen getötet worden. Die Fahndung nach dem Täter läuft. Präsident Selenskyj spricht von einem "schrecklichen Mord".
Der frühere ukrainische Parlamentschef Andrij Parubij ist nach Angaben ukrainischer Behörden im Westen des Landes in der Stadt Lwiw (Lemberg) getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach auf der Plattform X von einem "schrecklichen Mord" an dem 54-jährigen Abgeordneten, der in der Vergangenheit auch Vorsitzender des Parlaments in Kiew war.
Die Ermittlungen zu dem Verbrechen und die Suche nach dem Täter liefen, teilte Selenskyj mit. Er sei von Innenminister Ihor Klymenko über die Tat informiert worden. Selenskyj sprach den Angehörigen des Politikers sein Beileid aus.
Offenbar mehrere Schüsse abgefeuert
Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass eine "bekannte Persönlichkeit des öffentlichen und politischen Lebens" in einem Kugelhagel gestorben sei. Selenskyj präzisierte, dass es sich um Andrij Parubij handele.
Medien berichteten, der aus der Region Lwiw stammende Abgeordnete sei mit mehreren Schüssen getötet worden. Demnach soll ein Kurier eines Lieferdienstes auf einem Fahrrad die Schüsse abgefeuert haben. Eine offizielle Bestätigung für diesen Tathergang gibt es bisher nicht.
Parubij Anführer bei prowestlichen Protesten
Parubij war von April 2016 bis August 2019 Präsident des ukrainischen Parlaments. Er gehörte zu den Anführern der prowestlichen Proteste 2013/14 bei denen eine engere Bindung an die EU gefordert wurde.
Während der Proteste in Kiew trat er auch als Kommandeur eines Zeltlagers und als Anführer der Organisation "Selbstverteidigung Maidan" in Erscheinung. Auch an der orangefarbenen Revolution im Jahr 2004 nahm Parubij teil.
Kremlnaher Experte mit schweren Vorwürfen
Der kremlnahe russische Politologe Sergej Markow brachte Parubij mit den Geschehnissen in Odessa am 2. Mai 2014 in Verbindung, als mehrere prorussische Aktivisten beim Brand des Gewerkschaftshauses starben. In dem Zusammenhang bezeichnet Markow Parudij als "Organisator des Massenmords" in Odessa.
Auf Telegram schrieb Markow, Parubij trage die Verantwortung für den Tod vieler Menschen, nachdem die ukrainische Führung 2014 im Zuge des Sturzes des moskaufreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch gegen die russischsprachige Bevölkerung vorgegangen sei.
In Odessa waren 2014 bei Straßenschlachten zwischen ukrainischen Nationalisten und moskautreuen Demonstranten in und um das Gewerkschaftsgebäude in der Hafenstadt mehrere Dutzend Menschen, hauptsächlich Regierungsgegner, getötet worden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte die ukrainischen Behörden wegen der blutigen Ausschreitungen und der Brandkatastrophe in Odessa verurteilt.
Nicht das erste Attentat in Lwiw
Im vergangenen Jahr starb auch die ultranationalistische Politikerin Iryna Farion bei einem Attentat in Lwiw. Farion, die wegen ihrer russenfeindlichen Äußerungen auch mit der ukrainischen Justiz Ärger hatte, war im Juli vorigen Jahres vor ihrem Wohnhaus durch einen Kopfschuss verletzt worden.
Die 60-Jährige, die zeitweilig auch Parlamentsabgeordnete der rechtsnationalistischen Partei Swoboda in der Obersten Rada in Kiew gewesen war, starb wenig später laut Behörden im Krankenhaus. Die Behörden gingen damals auch einer möglichen russischen Spur nach.
Niels Bula, ARD Kiew, tagesschau, 30.08.2025 15:07 UhrHaftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke