Batnight – die große Nacht der Fledermäuse
Am 30. und 31. August ist wieder internationale Batnight. Seit 1997 lädt die europaweite Veranstaltung in über 30 Ländern dazu ein, Fledermäuse hautnah zu erleben. In Deutschland laden Naturschutzprganisationen wie der Nabu, der Bund oder der LBV zu zahlreichen Exkursionen, Familienaktionen und Nachtwanderungen, bei denen man zum Beispiel mit Bat-Detektoren die unsichtbaren Ultraschallrufe hörbar machen kann. Ziel ist es, die Faszination dieser Tiere zu vermitteln und auf ihre Gefährdung hinzuweisen.
Fledermäuse sind die einzigen fliegenden Säugetiere – und mit fast 1.500 Arten eine erstaunlich vielfältige Gruppe. Sie fressen Insekten, Früchte oder Nektar, manche auch Fische oder kleine Wirbeltiere. Doch egal, wo sie leben: Fledermäuse können bemerkenswerte Formen von Sozialverhalten zeigen.
Große Spießblattnase: Neue Einblicke durch Berliner Studie
Besonders eindrucksvoll belegt das eine neue Studie einer Berliner Forschungsgruppe, die das Verhalten der Großen Spießblattnase (Vampyrum spectrum) in Costa Rica dokumentiert hat. Diese große fleischfressende Fledermaus mit bis zu einem Meter Flügelspannweite jagt Mäuse oder Vögel – und zeigt dabei große innerfamiliäre Fürsorge. Marisa Tietge, die Hauptautorin, betont: "Große Spießblattnasen zeigen ein Maß an kooperativem Verhalten und biparentaler Fürsorge, das bei Fledermäusen nur selten dokumentiert ist – ein faszinierendes Feld für künftige Forschung."
Die Tiere teilen erlegte Beute, zum Beispiel Mäuse, bereitwillig mit Nachwuchs oder Partnerin. Sie begrüßen einander mit flügelumhüllenden Gesten – fast wie eine Umarmung. Und sie rücken nachts eng zusammen, wenn sie schlafen. "Das bezauberndste Verhalten war, wenn sie beim Einschlafen einen engen Kuschelkreis bildeten", erinnert sich Tietge. "Jede Fledermaus legte einen Flügel um den nächsten Nachbarn, und alle Schnauzen berührten sich."

A: Illustration des Begrüßungsverhaltens
B: Illustration des Beutebeschaffungsverhaltens
Bildgestaltung: Paulo C. DitzelBildrechte: Marisa Tietge et al., 2025, PLOS One
Auch die Berliner Forscherin selbst wurde in Costa Rica in gewisser Weise Teil der Fledermausfamilie. Zumindest schienen die Tiere sie nach und nach mehr zu akzeptieren. "Ich war erstaunt, als ich feststellte, dass die Fledermäuse mich nach mehreren aufeinanderfolgenden Wochen, in denen ich den Schlafplatz besuchte, zu erkennen schienen", sagt Tietge. "Zunächst wurde ich mit bedrohlichen Rufen begrüßt, und die Fledermäuse verließen ihren Schlafplatz, um sich in den Ecken zu verstecken. Doch mit der Zeit beschränkte sich ihre Reaktion auf ein paar neugierige Blicke, ohne Rufe, und sie blieben in einer entspannten Schlafplatzformation. Und selbst nach meiner neunmonatigen Abwesenheit schienen sie mich sofort zu erkennen, als ich in der folgenden Saison zurückkehrte."
Fledermäuse: 25 heimische Arten in Deutschland
So eindrucksvoll die Beobachtungen in Costa Rica sind – bei der Batnight am 30. und 31. August steht in Deutschland natürlich die heimische Fauna im Mittelpunkt. Die Unterschiede sind deutlich: In Mitteleuropa jagen Fledermäuse keine Vögel oder Nagetiere, sondern ausschließlich Insekten. Typische Beutetiere sind Nachtfalter, Käfer und Mücken, aber auch Schnaken oder Schwebfliegen. Jede Art hat dabei ihre eigenen Techniken: Abendsegler fliegen hoch über Wipfeln, Wasserfledermäuse dicht über Teichen, Zwergfledermäuse zwischen Häusern.
In Deutschland gibt es Arten, die in Baumhöhlen leben, andere bevorzugen Dachböden, Kirchtürme oder Keller. Manche Arten legen weite Wanderungen zurück – etwa der Große Abendsegler, der saisonal von Nord- nach Südeuropa zieht. Andere sind standorttreu und überwintern in Stollen oder Kellern. Allen gemeinsam ist, dass sie auf Quartiere angewiesen sind, die in unserer Landschaft oft knapp werden.
Auf den Internetseiten des Nabu finden Sie, welche Veranstaltungen es an diesem Wochenende anlässlich der Batnight in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt. Veranstaltungen des Bund gibt es u.a. in Halle und Erfurt.
Links / Studien
Studie zur Großen Spießblattnase: M. Tietge et al. (2025): "Cooperative behaviors and social interactions in the carnivorous bat Vampyrum spectrum", PLOS One
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke