Blutvergiftung: Eine unterschätzte Gefahr
Sepsis nimmt weltweit wieder zu
Die Zahlen haben es in sich: Für das Jahr 2021 gehen Forschende weltweit von 166 Millionen Sepsis-Erkrankungen aus. Etwa 21 Millionen Menschen sind an und mit Sepsis verstorben. Das heißt: Rund jeder dritte Todesfall hängt mit der "Blutvergiftung" zusammen. Unter Federführung der University of Washington haben Wissenschaftler für ihre Studie die weltweiten Zahlen von 1990 bis 2021 ausgewertet. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht.
Die Daten aus nationalen Todesfall-Statistiken und Krankenhaus-Aufenthalten zeigen eine negative Entwicklung: Bis 2019 sind die Sepsis-Diagnosen und Todesfälle weltweit deutlich gesunken, im Rahmen der Corona-Pandemie nahmen sie rasant zu: Die Sterberate stieg von 182 Todesfällen pro 100.000 Menschen im Jahr 2019 auf 270 Todesfälle pro 100.000 Menschen im Jahr 2021.
Deutschland: Kontinuierlicher Anstieg seit 1990
Deutschland, so zeigen es die Daten, verbucht hingegen seit 1990 einen kontinuierlichen Anstieg der Sepsis-Zahlen. Auch hierzulande machten sie im Corona-Jahr 2021 einen Sprung nach oben: von 140.000 Todesfällen auf 211.000. Im Vergleich zu anderen Industrieländern wie etwa Australien oder die Schweiz weist Deutschland deutliche höhere Infektions- und Sterberaten auf. Ein Grund für die Zunahme an Sepsis-Fällen hierzulande ist die Alterung der Gesellschaft. Alterungsprozesse stehen im Zusammenhang mit zunehmenden Krankheits- und Infektionsrisiken.
Trügerisches Krankheitsbild erschwert die Diagnose
Da sich Sepsis in einer Vielzahl an Symptomen äußern kann – von Fieber über geringere Harnausscheidung bis hin zu Atemnot und Bewusstseinsstörungen – gilt die korrekte Diagnose als schwierig. Forscher des Universitätsklinikums Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien in Jena arbeiten an einem Schnelltest, um die richtigen Krankheitserreger aufzuspüren und so mit dem passenden Antibiotikum behandeln zu können. Oft werden im klinischen Alltag Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum eingesetzt, was wiederum Resistenzen und Infektionsgefahren erhöhen kann.
Jenaer Forscher entwickeln Sepsis-Schnelltest
Der Test der Jenaer Forscher basiert auf der Interaktion zwischen Licht und Materie: Mit einem Laser beschießen die Forscher Blut- oder Urinproben der Patienten und können anhand der Reaktion die charakteristischen Muster unterschiedlicher Erreger erkennen – wie bei einem Fingerabdruck. Der Test soll innerhalb weniger Stunden Ergebnisse liefern. Allerdings hat er noch nicht die Reife erreicht, dass er im klinischen Alltag eingesetzt werden kann. Ein neues Forschungszentrum in Jena soll den Prozess vorantreiben.
Mit dem laserbasierten Schnelltest können Bakterien und Resistenzen innerhalb von wenigen Stunden diagnostiziert werden — mit einem Chip, der ein Labor ersetzt. In Zukunft sollen wenige Tropfen einer Patientenprobe genügen, damit Ärztinnen und Ärzte Krankheitserreger einfach ablesen können.Bildrechte: Sven Döring/ Leibniz-IPHTImpfungen schützen vor Sepsis
Laut den Forschern der globalen Sepsis-Analyse gelten Impfungen gegen Atemwegserkrankungen wie RS-Viren, Influenza und Covid-19 als ein wirksames Mittel, um auch der Sepsis vorzubeugen. So könnte eine allgemeine Impf-Empfehlung gegen diese Krankheiten ab 50 Jahren das Sepsis-Risiko deutlich verringern.
Links/Studien
Die Studie "Global, regional, and national sepsis incidence and mortality, 1990–2021: a systematic analysis" erschien im Oktober 2025 im Fachmagazin The Lancet und kann hier nachgelesen werden.
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