DOK Leipzig 2025: Goldene Taube für Film aus Kroatien und ein "Super-Festival"
- Nach dem Ende des DOK Leipzig liegen die Besucherzahlen mit insgesamt 53.000 Gästen nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres.
- Mit der Goldenen Taube im internationalen Wettbewerb für den langen Dokumentarfilm wurde die kroatische Produktion "Peacemaker" geehrt. Außerdem räumten drei Filme aus Kanada ab.
- Beim Publikum kamen die Animation und der Deutsche Wettbewerb gut an. 250 Produktionen aus 55 Ländern waren vom 27. Oktober bis 2. November zu sehen.
Das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm ist am Sonntagabend zu Ende gegangen. Nach Angaben des Festivals haben 53.000 Besucherinnen und Besucher die 68. Ausgabe des Dok Leipzig besucht.
Das letzte Dok-Festival unter der Leitung von Christoph Terhechte lockte wieder zehntausende Interessierte an.Bildrechte: Dok Leipzig 2025/Sophie MahlerDOK Leipzig 2025: "Eine Super-Ausgabe"
"Das war eine Super-Ausgabe", zog Intendant Christoph Terhechte im Gespräch mit MDR KULTUR eine erste Bilanz. Die Kinos seien voll gewesen wie selten zuvor. Zudem habe er mit vielen glücklichen Gästen gesprochen, ob Jury-Mitglied, Filmemacher oder Fachbesucher.
Die Resonanz zeige, so Terhechte, wie groß der Bedarf nach künstlerischer Auseinandersetzung mit weltpolitischen Fragen und Lebensrealitäten sei. "Wir haben dieses Jahr auffällig viele Filmgespräche erlebt, in denen das Publikum nicht nur Fragen gestellt, sondern auch lange und lebhaft über die Filme diskutiert hat", ergänzte der Festivalchef.
Goldene Taube für "Peacemaker" aus Kroatien
Mit der Verleihung von sieben Goldenen und zwei Silbernen Tauben ging das Festival am Samstagabend ins Finale. Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis im internationalen Wettbewerb um den besten langen Dokumentarfilm bekam die kroatische Produktion "Peacemaker". Als sehr aktuell und politisch, aber auch historisch spannend würdigte Terhechte den Preisträgerfilm über die Anfänge des serbisch-kroatischen Krieges Anfang der 90er-Jahre.
Filmemacher Ivan Ramljak (r.) bedankt sich für die Goldene Taube, den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis für "Peacemaker" stiftete der MDR.Bildrechte: Sophie Mahler"Peacemaker" sei ein eindringlicher Film, der zeige, wie Kriege entstünden und welches Heldentum es brauche, um zu widerstehen, lobte der Festival-Direktor die Arbeit von Ivan Ramljak. Der Filmemacher erinnere damit auch an den damaligen Polizeichef der Region Slawonien, der zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln gesucht habe und von den eigenen Leuten ermordet worden sei, "weil sie lieber Krieg als Frieden wollten", so Terhechte. "Dieser Film setzt ein Zeichen!"
Mit dem Beginn des serbisch-kroatischen Konflikts Anfang der 1990er beschäftigt sich der Dokumentarfilm "Peacemaker", der 2025 die Goldene Taube zugesprochen bekam.Bildrechte: Filmstill "Peacemaker", DOK Leipzig"Ein spezifisches Ereignis in einer ganz bestimmten Region wird hier zu einem Film von universeller Bedeutung", begründete die Jury ihre Entscheidung. Das Preisgeld für die Auszeichnung stiftete der Mitteldeutsche Rundfunk.
Kanada räumt in Leipzig ab, lange Animation findet Publikum
Die mit 3.000 Euro dotierte Goldene Taube für den kurzen Dokumentarfilm bekam "After the Silence" aus Kanada. Filmemacherin Matilde-Luna Perotti setzt sich darin mit ihrer persönlichen Erfahrung von sexuellem Missbrauch in der Familie auseinander und zeigt ihren Versuch der Aufarbeitung.
"After the Silence": Die kanadische Produktion dreht sich um sexuellen Missbrauch in der Familie, dafür gab es die Goldene Taube in der Kategorie kurzer Dokumentarfilm.Bildrechte: Filmstill "After the Silence", DOK LeipzigIn der Kategorie Animationsfilm wurden zwei weitere kanadische Produktionen mit Goldenen Tauben geehrt: "Endless Cookie" erhielt die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung, die Brüder Seth und Peter Scriver erzählen darin humorvoll von ihrem Leben im kanadischen Toronto beziehungsweise in einer indigenen Cree-Gemeinde.
Der lange Animationsfilm "Endless Cookie" wurde auf dem Leipziger Festival mit der Goldenen Taube ausgezeichnet.Bildrechte: DOK Leipzig 2025Der lange Animationsfilm sei nach drei Jahren "endlich im Bewusstsein des Publikums angekommen", zog der scheidende Intendant im MDR-Gespräch weiter Bilanz. Darüber sei er besonders glücklich. "Endless Cookie" sieht er als besonders kreatives Beispiel für das Genre: "ein wildes und überraschendes Werk". Die Animation gehöre inzwischen wieder als fester Bestandteil zum Festival.
In "Paradaïz" blickt Matea Radic auf ihre Kindheit während des Bosnienkriegs zurück, sie konnte sich über 1.500 Euro Preisgeld in der Kategorie kurze Animation freuen.
Film über Russland gewinnt beliebten Deutschen Wettbewerb
Sehr beliebt sei 2025 außerdem der Deutsche Wettbewerb gewesen, bilanzierte Terhechte weiter. Das Rennen um die Goldene Taube machte hier "Active Vocabulary" von Yulia Lokshina über eine junge Lehrerin in Russland und Indoktrination in der Schule.
Im Deutschen Wettbewerb wurde "Active Vocabulary" von Yulia Lokshina über eine junge Lehrerin in Russland mit der Goldenen Taube ausgezeichnet.Bildrechte: Filmstill "Active Vocabulary", DOK LeipzigDie Jury lobte die "große Präzision und Souveränität", mit der Lokshina "den Kampf um die Wahrheit in eine eindringliche filmische Sprache" übersetze. So entstehe "ein Raum, der uns auffordert, der Angst vor Überwachung entschieden entgegenzutreten". Mit dem Preis sind 10.000 Euro verbunden.
250 Produktionen, MDR-Filmpreis für Familiengeschichte aus Belarus
Seit Montag wurden in Leipzig mehr als 250 Produktionen und Extended-Reality-Arbeiten aus 55 Ländern präsentiert, darunter 30 Weltpremieren. In vier Wettbewerben konkurrierten insgesamt 78 Filme. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof waren jeden Abend Filme kostenfrei zu sehen.
Vergeben wurden im Lauf des Festivals 32 Preise, dotiert mit insgesamt 85.000 Euro. Viele Auszeichnungen wurden gestiftet. Der mit 3.000 Euro dotierte MDR-Preis für den Besten osteuropäischen Film ging an "Welded Together". Regisseurin Anastasiya Miroshnichenko begleitet darin eine junge Schweißerin aus Belarus, die nach dem Aufwachsen im Heim wieder zu ihrer alkoholkranken Mutter zieht, um ihre kleine Halbschwester zu schützen.
"Welded Together" erzählt eine Familiengeschichte aus Belarus, dafür gab es den MDR-Preis für den Besten osteuropäischen Film 2025. Bildrechte: Filmstill "Welded Together", DOK LeipzigMit großer Empathie und leiser Erzählweise entfalte der Film eine universelle Geschichte von Stärke, Fürsorge und Verantwortung, hieß es in der Begründung.
Abschied und Neubeginn bei DOK Leipzig
Mit der 68. Festival-Ausgabe geht auch die Intendanz von Christoph Terhechte ins Finale. Er hatte die Leitung 2020 übernommen, aus gesundheitlichen Gründen tritt er davon vorzeitig zurück. Terhechte brachte das Festival durch die Corona-Zeit und erinnert sich im MDR-Gespräch an den "schwierigen Start": "Wir mussten DOK Leipzig als hybrides Festival neu erfinden. Dabei haben wir sehr viel gelernt."
Anschließend konnte er neue Publikumserfolge verbuchen. Mit 55.000 Besucherinnen und Besuchern 2024 überholte DOK Leipzig den letzten Rekord aus Vor-Corona-Zeiten. Er verlasse das Festival zu einem Zeitpunkt, da es sehr gefragt sei bei den Leipzigerinnen und Leipzigern, aber auch bei den vielen Gästen von außerhalb, so der scheidende Intendant.
Zum 1. Januar 2026 übernimmt Aleksandra (Ola) Staszel als neue Intendantin von DOK Leipzig sowie Geschäftsführerin der dazugehörigen GmbH. Staszel leitet zurzeit das Neiße Filmfestival und gilt insbesondere als Kennerin des osteuropäischen Films. Terhechte erklärte, geplant sei eine ausführliche Übergabe an die Nachfolgerin. Er freue sich mitzuhelfen, dass das Festival weiterhin blühe.
DOK Leipzig 2025: Alle Preisträger auf einen Blick
| Goldene Taube Langfilm | "Peacemaker" | Regie: Ivan Ramljak | Kroatien 2025 | 10.000 € Preisgeld |
|---|---|---|
| Goldene Taube Kurzfilm | "After the Silence" | Regie: Matilde-Luna Perotti | Kanada 2024 | 6.000 € Preisgeld |
| Silberne Taube Langfilm | "Elephants & Squirrels" | Regie: Gregor Brändli | Schweiz 2025 | 3.000 € Preisgeld |
| Silberne Taube Kurzfilm | "String Pieces" | Regie: Vatae Kimlee | Südkorea 2024 | 1.500 € Preisgeld |
| Goldene Taube Langfilm | "Endless Cookie" | Regie: Seth Scriver, Peter Scriver | Kanada 2025 | 3.000 € Preisgeld |
|---|---|---|
| Goldene Taube Kurzfilm | "Paradaïz" | Regie: Matea Radic | Kanada 2025 | 1.500 € Preisgeld |
| Goldene Taube Langfilm | "Active Vocabulary" | Regie: Yulia Lokshina | Deutschland 2025 | 10.000 € Preisgeld |
|---|---|---|
| Goldene Taube Kurzfilm | "Boma a Bopa" | Regie: Jana Rothe | Deutschland 2025 | 1.500 € Preisgeld |
| Publikumswettbewerb | "Cutting Through Rocks" | Regie: Sara Khaki, Mohammadreza Eyni | USA, Iran, Deutschland, Niederlande, Katar, Chile, Kanada 2025 |
|---|---|---|
| MDR-Filmpreis | "Welded Together" | Regie: Anastasiya Miroshnichenko | Frankreich, Niederlande, Belgien 2025 | Preisgeld: 3.000 € |
| ver.di-Preis & Defa-Förderpreis | "The Woman Who Poked the Leopard" | Regie: Patience Nitumwesiga | Uganda, Südafrika, Deutschland, USA 2025 | Preisgeld: 2.000 € (ver.di), 4.000 € (Defa) |
| Preis der Interreligiösen Jury | "The Thing to Be Done" | Regie: Srđan Kovačević | Kroatien, Serbien, Slowenien 2025 | Preisgeld: 2.000 € |
| Young Eyes Film Award | "Fantastique" | Regie: Marjolijn Prins | Belgien, Frankreich, Niederlande 2025 | Preisgeld: 2.000 € |
| Preis der Internationalen Filmkritik | "The Red Moon Eclipse" | Regie: Caroline Guimbal | Belgien 2025 | |
| mephisto 97.6 Preis | "Once in a Body" | Regie: María Cristina Pérez | Kolumbien, USA 2025 |
| Gedanken-Aufschluss Dokumentarfilm | "Sedimente" | Regie: Laura Coppens | Schweiz, Deutschland 2025 |
| Gedanken-Aufschluss Animationsfilm | "Clot" | Regie: Levi Stoops | Belgien 2025 |
| film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum | "Intersection – Alles ist politisch" | Regie: Karoline Rößler | Deutschland 2025 |
| Filmpreis Leipziger Ring | "A Simple Soldier" | Regie: Artem Ryzhykov, Juan Camilo Cruz | Ukraine, USA, Großbritannien 2025 | Preisgeld: 2.500 € |
| DOK Industry - Preise | Die Preise ging bereits im Verlauf der Festivalwoche an zwölf Filme. |
Quelle: MDR KULTUR, DOK Leipzig
Redaktionelle Bearbeitung: op, ks
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