"Deutschland als Puff Europas": Wie zielführend ein Prostitutionsverbot wirklich wäre
- Ob Sexarbeiterinnen wirklich freiwillig arbeiten, ist oft schwer zu sagen. Oft spielen auch äußere Zwänge wie Geldprobleme eine Rolle.
- Statistiken zur Freiwilligkeit von Sexarbeit sind oft schwer zu finden. Auswertungen deuten auf nur geringe Zahlen von Zwangsprostitution hin.
- Betroffene warnen davor, dass ein Sexkauf-Verbot nach dem "nordischen Modell" keine Probleme lösen würde – eher im Gegenteil.
Hört man sich in der Leipziger Südvorstadt um, ist die Meinung zu einem Prostitutionsverbot, wie es Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken fordern, eher verhalten.
Der Tenor: Jeder solle über seinen Körper frei verfügen dürfen und wenn alles geordnet und abgesichert sei und es in gut organisierten Laufhäusern geschehe, sei gegen Prostitution wenig einzuwenden. Solange es eine freiwillige Entscheidung sei, sei ein Verbot nicht sinnvoll und im Fall eines Verbots würde die Prostitution trotzdem weiter bestehen.
Äußere Zwänge: Prostitution für Betroffene oft alternativlos
Doch wie freiwillig ist Sexarbeit überhaupt? Adele Mieschner von "Sisters Leipzig", einem Verein, der Prostituierten beim Ausstieg aus der Branche hilft, sagt: "Tatsächlich ist es so, dass viele Frauen, mit denen ich zu tun hatte, gesagt haben, dass sie es während der Prostitution freiwillig getan haben." Wenn sie ausgestiegen seien, hätten sie dann gesagt, doch nicht freiwillig dort gewesen zu sein. "Es geht ganz oft darum, dass das für die Person alternativlos ist. Sie muss irgendwie Geld verdienen und deshalb ist das eine Art von Zwang."
"Sisters" fordert deshalb das sogenannte nordische Modell oder Sexkaufverbot. Dabei bleibt der Verkauf legal – bestraft werden die Käufer. Es sollte auf jeden Fall über Geldstrafen hinaus gehen: "Es sollte wie zum Beispiel in Frankreich Kurse geben, in denen man sich mit seiner Tat auseinandersetzen kann bis hin zu Gefängnisstrafe."
Zahlen zur Freiwilligkeit schwer zu finden – wenig Hinweise auf Zwang
Laut Statistischem Bundesamt sind in Deutschland rund 32.000 Sexarbeitende offiziell registriert. Die Steuergewerkschaft schätzt aber bis zu 250.000 – eine hohe Dunkelziffer also. Zahlen zur Freiwilligkeit sind schwer zu finden.
Der Verein Doña Carmen, der die Rechte von Prostituierten schützt, verweist bei MDR AKTUELL auf eine Auswertung von deutschen Gesundheits- und Ordnungsbehörden. Demnach gab es zwischen 2017 und 2023 in 0,06 bis 0,07 Prozent der Anmeldeverfahren Hinweise auf Menschenhandel oder Zwangsprostitution – sehr wenig, sagt der Verein.
Berufsverband: Sexkauf-Verbot löst keine Probleme
Lydia ist Sexarbeiterin in Leipzig und Mitglied im Berufsverband Sexarbeit. Ein Verbot hält sie für den falschen Weg: "Das sogenannte nordische Modell stellt ganz klar einfach ein Entlohnungsverbot dar. Und das verschärft nur die Probleme, die es angeblich lösen will. Es gibt zahlreiche Studien und Berichte aus Ländern, in denen dieses Sexkauf-Verbot gilt und es zeigt ganz klar, dass die Nachfrage nicht weniger wird. Wir haben das auch in der Corona-Pandemie ganz deutlich gemerkt, dass die Probleme sehr viel stärker werden."
Das nordische Modell verschärft nur die Probleme, die es angeblich lösen will.
Menschenhandel und Ausbeutung will Lydia trotzdem nicht kleinreden. Statt eines Verbots fordert sie mehr Beratungsstellen – für Aufklärung über Rechte und schnelle Hilfe im Notfall.
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