• Mit Biodiesel betriebene Kraftwerke sind theoretisch als Übergangslösung geeignet – darüber hinaus jedoch nicht, sagen Experten.
  • Besonders die Produktion des Biodiesels ist ein Nachteil gegenüber LNG und Photovoltaikstrom.
  • Das Konzept Biodieselkraftwerk ist nicht abwegig, die Umsetzung ist derzeit jedoch nicht rentabel.

Kraftwerke mit Dieselgeneratoren gibt es in Deutschland schon, allerdings nur vereinzelt: Sie machen unter einem Prozent der Kraftwerke aus und kommen im Krisenfall zum Einsatz – zum Beispiel, um die Telekommunikationsnetze abzusichern. Um damit sogenannte Dunkelflauten zu überbrücken, müsste man Anlagen zubauen.

Biodiesel theoretisch als Übergangslösung geeignet – in der Praxis jedoch ungeeignet

Theoretisch könnte das auch eine Übergangslösung sein, sagt Thomas von Unwerth, Professor an der TU Chemnitz mit Forschungsgebiet alternative Kraftstoffe: "Wir schaffen es damit, dass wir die CO2-Bilanz zumindest verbessern. Immer, wenn Sie biologisch erzeugte Kraftstoffe verwenden, in denen vorher Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen haben und dieses dann letztendlich wieder freigesetzt wird, kann man argumentieren, dass man hiermit auf lange Sicht einen CO2-Kreislauf schließen könnte."

Berechtigter Vorschlag also, sagt der Wissenschaftler – er kennt allerdings auch Gegenargumente: "Wir müssen natürlich neben der technischen Machbarkeit auch die Wirtschaftlichkeit, die gesellschaftliche Akzeptanz, die Umweltverträglichkeit und viele weitere Parameter in die Bewertung mit einfließen lassen. Und dann stellt sich oftmals heraus, dass in so einem Gesamtkontext eben die Lösung, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, dann eben doch nur zweite oder dritte Wahl ist."

Biodiesel muss produziert werden: LNG und Photovoltaik günstigere Alternativen

Vor allem, weil diese Lösung so teuer wäre. Während Erdgas als fertiger Brennstoff kommt, muss man bei Biodiesel erst aus der Pflanze den Kraftstoff machen, den man dann verbrennen kann. Dieser Umweg kostet, sagt von Unwerth.

Und zwar nicht nur Geld, sondern auch Fläche, fügt David Pfeiffer von der Deutschen Umwelthilfe hinzu: "Wenn ich ganz viele Rapspflanzen anbauen muss, beispielsweise um Biodiesel zu erzeugen, dann bekomme ich nur sehr wenig Energie pro Fläche aus diesen Rapspflanzen raus. Wenn ich auf der gleichen Fläche Flächenphotovoltaik machen würde, könnte ich um die 100-mal mehr Strom erzeugen."

Konzept nicht abwegig, realistisch gesehen aber zu teuer

Und selbst der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie kommt in einer Mail an MDR AKTUELL zur Einschätzung, dass man zwar technisch gesehen Strom und Wärme aus Biodiesel gewinnen könne – allerdings sei der Einsatz von Biodiesel in einem Blockheizkraftwerk teurer als der von Biogas, und Strom aus Biogas wäre teurer als Strom aus Erdgas: "Daher gehen wir zunächst nicht davon aus, dass es zu einem breiten Einsatz von Biodiesel zur Stromerzeugung in Dunkelflauten kommen wird."

Fazit: Abwegig ist der Gedanke zwar nicht, mit Biodieselkraftwerken Dunkelflauten zu überbrücken. Aber für die Umsetzung derzeit zu teuer.

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