Mehr als jeder dritte Erwachsene war schon Opfer von Mobbing
Inhalt des Artikels:
- Junge Erwachsene und Frauen am meisten von Mobbing betroffen
- Täter waren häufig selbst Opfer von Mobbing
- Mobbing verursacht Wirtschaftsschaden von über vier Milliarden Euro im Jahr
- Mobbing ist kein eigener Straftatbestand
Sowohl Mobbing als auch Cybermobbing bei Erwachsenen haben zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Vereins Bündnis gegen Cybermobbing. In Deutschland sei mehr als jeder Dritte zwischen 18 und 65 Jahren schon einmal Opfer von Mobbing gewesen. Das entspricht 19 Millionen Menschen. Cybermobbing haben den Angaben zufolge bereits etwas mehr als sieben Millionen Erwachsene erlebt.
Seit der letzten Befragung des Vereins vor vier Jahren ist der Anteil der Betroffenen beim Mobbing um rund 13 Prozent gestiegen, beim Cybermobbing sogar um fast 22 Prozent.
Was ist Mobbing?
Die Studienautoren definieren Mobbing als gezielte und systematische Angriffe wie Anfeindungen, Schikanierungen oder Diskriminierungen auf eine Person, die wiederholt auftreten und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Was ist Cybermobbing?
Als Cybermobbing werden in der Studie verschiedene Formen der Rufschädigung, Beleidigung, Belästigung, Bedrängung, Bloßstellung oder Nötigung von Personen definiert, die im Internet zum Beispiel über Mails, Chatrooms, Videos, soziale Netzwerke, Instant Messaging oder auch mittels Mobiltelefonen erfolgen und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Junge Erwachsene und Frauen am meisten von Mobbing betroffen
Wie aus der Studie hervorgeht, sind junge Erwachsene in der Schule, Ausbildung oder Lehre am häufigsten von Mobbing und Cybermobbing betroffen. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen hat fast jeder Zweite schon mal Mobbing erlebt, jeder Vierte Cybermobbing.
Das liegt dem Vorstandsvorsitzende des Bündnis gegen Cybermobbing, Uwe Leest, zufolge daran, dass für diese Gruppe Mobbing und Cybermobbing in ihrer Schulzeit keine Konsequenzen hatten. Deshalb übernähmen sie dieses "negative Verhalten" mit ins Arbeitsleben.
Frauen sind insgesamt besonders oft von Mobbing betroffen, Männer etwas mehr von Cybermobbing.
Täter waren häufig selbst Opfer von Mobbing
Der Großteil der Täter – rund 80 Prozent – hat vorher selbst Mobbing oder Cybermobbing erlebt. Den Angaben zufolge treten beide Formen des Mobbings häufig zusammen auf. Fast die Hälfte der Mobbing-Fälle dauert länger als ein Jahr. Cybermobbing zieht sich in der Regel nicht über einen so langen Zeitraum. Häufig sind es ein paar Wochen oder Monate.
Viele Erwachsene erleben Mobbing am Arbeitsplatz (43 Prozent). Das geschieht meist aus Neid oder weil die Betroffenen eine auffällige Erscheinung haben. Fast jeder dritte Täter hat in der Studie angegeben, "aus Ärger mit der Person" gehandelt zu haben oder weil "andere das auch machen". Vorgesetzte sind den Angaben zufolge in über der Hälfte der Mobbingfälle am Arbeitsplatz als Täter oder Mittäter beteiligt.
Aber in der Studie heißt es auch: "Kaum ein Lebensbereich bleibt von Mobbing und Cybermobbing verschont". Im privaten Umfeld komme es dazu oft innerhalb des Freundeskreises.
Mobbing-Opfer haben oft mit psychischen Problemen zu kämpfen
Opfer von Mobbing und Cybermobbing leiden meist unter psychischen Problemen wie Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen. Mit diesen Folgen hat fast jeder zweite Betroffene zu kämpfen. Auch das Selbstwertgefühl verschlechtert sich. Manche entwickeln darüber hinaus Zwangsstörungen oder greifen zu Alkohol und anderen Drogen.
Fast jeder Vierte, der Cybermobbing erlebt, stuft sich als suizidgefährdet ein. Das entspricht fast vier Millionen Menschen in Deutschland.
Mobbing kann aber auch körperliche Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Schmerzen oder erhöhten Blutdruck auslösen. Bei Opfern von Cybermobbing treten solche Symptome etwas häufiger auf.
Mobbing verursacht Wirtschaftsschaden von über vier Milliarden Euro im Jahr
Menschen, die von Mobbing oder Cybermobbing betroffen sind, melden sich öfter krank. Dadurch entstehen den Unternehmen in Deutschland Kosten von mehr als vier Milliarden Euro im Jahr.
Das Bündnis gegen Mobbing kritisiert, dass trotzdem viele Arbeitgeber noch nicht erkannt haben, wie dringend das Problem ist und zu wenig Präventionsmaßnahmen angeboten werden.
"Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem"
Nach Aussage von Uwe Leest gibt es in Deutschland bezogen auf Mobbing kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsproblem. Er fordert, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Schulungen, Seminaren und Informationsveranstaltungen für Mobbing und Cybermobbing sensibilisieren und aufklären.
Außerdem müsse im Arbeitsumfeld ein gewaltfreier und respektvoller Umgang der Mitarbeiter gefördert werden. Denn: "Das Betriebsklima ist ein wesentlicher Faktor, um Mobbingfällen vorzubeugen", so Leest. Darüber hinaus brauche es bundesweit Mobbingberatungsstellen, sowie anonyme Telefonangebote, die Betroffene nutzen können.
Mobbing ist kein eigener Straftatbestand
"Neben Unternehmen und der Gesellschaft, muss auch die Politik ihrer Verantwortung stärker nachkommen", findet Uwe Leest. Seit Jahren fordere das Bündnis gegen Cybermobbing ein (Cyber-)Mobbinggesetz.
Ein solches Gesetz gibt es in Deutschland bisher nicht. Mobbing ist auch kein eigener Straftatbestand. Allerdings können Opfer von Mobbing oder Cybermobbing rechtlich gegen die Täter vorgehen und Anzeige erstatten, wenn Straftaten wie zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung oder Körperverletzung vorliegen.
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