Attraktivität im Job zahlt sich aus – unabhängig von der Berufswahl
"Unser Ergebnis widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Attraktivität in einem für das jeweilige Geschlecht untypischen Beruf zum Nachteil werden kann", so Reinhard Schunck, Soziologieprofessor an der Universität Wuppertal und Studienautor.
Dahinter steckt die Vermutung, dass attraktive Personen als geschlechtstypisch wahrgenommen und ihnen damit entsprechende Merkmale zugeschrieben werden, die möglicherweise nicht zu gelernten Rollenmustern in der Arbeitswelt passen – folglich wird ihnen nicht zugetraut, einen für sie eher untypischen Beruf auszuüben.
Schunck und sein Team fanden allerdings heraus: "Attraktive Frauen in männerdominierten Berufen oder attraktive Männer in frauendominierten Berufen verdienen nicht weniger – im Gegenteil: Die positive Wirkung von Attraktivität bleibt stabil."
Studie untersucht Einfluss von Attraktivität auf das Einkommen
Die Daten für die Untersuchung stammen aus dem sogenannten German Family Panel (PAIRFAM), einer repräsentativen Langzeitstudie, die das Leben von über 12.000 Menschen in Deutschland über mehrere Jahre begleitet. Darunter befinden sich auch Angaben zum jeweiligen Einkommen und ausgeübten Beruf der Studienteilnehmenden sowie umfangreiche soziodemografische Informationen wie Alter, Geschlecht und Bildungsstand.
Verknüpft wurden die Daten aus dem Panel mit offiziellen Berufs-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit, wie stark ein Beruf jeweils von Männern oder Frauen dominiert ist. Außerdem bewerten die Interviewerinnen und Interviewer innerhalb der Untersuchung das Aussehen der Teilnehmenden auf einer Skala von "sehr attraktiv" bis "weniger attraktiv".
Besondere methodische Herangehensweise sichert Ergebnisse
Um aber sicherzustellen, dass das Ergebnis nicht von der Entscheidung für ein bestimmtes Analyse-Modell abhängt, entschieden sich die Forschenden für eine besondere methodische Herangehensweise und führten eine sogenannte Multiverse-Analyse durch.
Dabei berechneten sie insgesamt 6.912 unterschiedliche Modelle, um den Zusammenhang von Attraktivität und Lohn zu bestimmen. "Damit wollten wir zeigen, wie stabil der sogenannte Schönheits-Effekt tatsächlich ist", erklärt Co-Autorin Johanna Gereke von der Universität Mannheim und Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. Das, wie die Forschenden sagen, "äußerst robuste" Ergebnis der Untersuchung lautet: "Attraktive Menschen verdienen etwas mehr, egal in welchem Beruf sie tätig sind."
Attraktivität ist eine messbare ökonomische Größe
Die Studie liefert damit weitere Belege dafür, dass körperliche Attraktivität auf dem deutschen Arbeitsmarkt tatsächlich eine messbare ökonomische Dimension ist – und soziale Unterschiede auch auf dem Aussehen basieren.
Schönheit mag vielleicht oberflächlich erscheinen, doch sie könne reale Konsequenzen haben, erklärt Soziologe Schunck: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass gesellschaftliche Vorstellungen von Attraktivität dauerhafte Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt erzeugen können – selbst in einem stark regulierten Arbeitsmarkt wie dem deutschen, der weniger Ermessensspielraum für Arbeitgebende bei der Lohnfestlegung im Vergleich zu anderen Ländern bereithält."
Damit stellen die Ergebnisse die bisherigen Annahmen über die Rolle der körperlichen Attraktivität in geschlechtsuntypischen Berufen in Frage. "Sie unterstreichen die Notwendigkeit, das Zusammenspiel von körperlichem Erscheinungsbild, Geschlechtsnormen und Arbeitsmarktergebnissen weiter zu erforschen", betont Studienautorin Emily Hellriegel von der Universität Wuppertal.
Links/Studien
Schunck, R., Gereke, J., Hellriegel, E.: Gendered beauty inequalities? A multiverse analysis of physical attractiveness, occupational gender-typicality and earnings in the German labour market. European Sociological Review, 2025.
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