Wie sicher sind unsere Clubs und Bars vor Bränden?
- Vorgaben zu Baumaterialien und Rettungswegen sollen verhindern, dass sich Brände in Clubs und Bars schnell ausbreiten.
- In Thüringen werden kleinere Lokale nicht routinemäßig kontrolliert – Brandschutzprüfungen greifen erst ab bestimmten Größenordnungen.
- Vor allem an Silvester können Dekorationen und Tischfeuerwerk in Partylokalen zur Gefahr werden, warnen Feuerwehr und Gastwirte.
Rettungswege und Baumaterialien als zentrale Sicherheitsfaktoren
Schon in Kindergarten und Schule üben Kinder die Flucht aus einem Gebäude im Brandfall. Fluchtwege sind das A und O, bestätigt auch Jochen Zehfuß, Professor für Baustoffe und Brandschutz an der Uni Braunschweig. Aber auch die verbauten Materialien machen einen großen Unterschied, um den Ausbruch eines Feuers zu hemmen.
Eine Deckenverkleidung, wie in der Bar in der Schweiz, die in Sekunden in Flammen stand, sei in Deutschland nicht erlaubt, erklärt Zehfuß. "Die Gefahr, dass sich ein möglicher Entstehungsbrand, den man nie vollständig verhindern kann, schnell ausbreitet, ist eher gering und dann gibt es natürlich auch noch Vorschriften, was die Anzahl und die Breite der Rettungswege angeht."
Dass diese Rettungswege niemals zugestellt oder zugesperrt sein dürfen und gut ausgeschildert sein müssen, sei hoffentlich allen klar, betont Michael Schwabe, Abteilungsleiter von der Erfurter Feuerwehr.
Kontrollen nur in Lokalen ab bestimmter Größe
In Thüringen würden Brandschutzvorschriften in kleineren Lokalitäten aber nicht überprüft, erklärt er. "Der Bürger ruft immer nach mehr Deregulierung und dann auf der anderen Seite Forderungen aufzumachen, jede kleine Gaststätte zu kontrollieren, widerspricht dem natürlich. Deswegen gibt es eben die Festlegung, dass gewisse Größenordnungen begangen werden müssen, aber halt nicht jede kleine Gaststätte." Konkret gilt das für Lokale ab 200 Quadratmetern oder ab einer Kapazität für 100 Gäste.
Partydekoration als Brandrisiko
Michael Schmidt, Präsident des Gaststättenverbandes in Sachsen-Anhalt, sieht – besonders an Silvester – Risiken in den Lokalen gegeben. "Ich sehe da Dekoration und mögliche Accessoires rumliegen, die teilweise nicht den Vorschriften entsprechen und damit natürlich in einer gewissen Hinsicht auch Brandbeschleuniger sind."
In der Bar in Graz sollen es Tischfontänen gewesen sein, die das Feuer entfacht haben. Müssen sich Gastwirte also bei der Silvesterparty zwischen Luftschlangen und Dekoration oder Wunderkerzen und Tischfeuerwerk entscheiden? Feuerwehrmann Schwabe aus Erfurtt antwortet darauf mit einem klaren: "Äh, ja!"
Auch zukünftig sollen sich Geburtstagskinder oder Jubilare über funkensprühende Fontänen in der Torte auch in einer Gaststätte oder Bar freuen können. Die Assoziationen mit der Tragödie werden aber wohl noch eine Weile nachhallen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke