Patienten beklagen lange Wartezeiten auf Facharzt-Termine
- 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nur schwer einen Termin beim Facharzt bekommen haben.
- Der Umfrage zufolge wünschen sich Patienten flexiblere Öffnungszeiten der Arztpraxen.
- Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert zudem, dass Praxen auf verschiedenen Wegen erreichbar sein müssen.
Einer von vier gesetzlich Versichertet wartet in Deutschland länger als 30 Tage auf einen Facharzttermin, jeder Zehnte sogar über drei Monate. Aus einer Umfrage des Krankenkassen-Spitzenverbands geht hervor, dass 30 Prozent die Befragten die Wartezeit als zu lang empfinden. Für die repräsentative Erhebung wurden bundesweit 3.520 GKV-Versicherte von 18 bis 80 Jahren befragt.
Patienten haben Schwierigkeiten, Termine zu bekommen
Nur jeder Zweite kann laut der Umfrage innerhalb von zehn Tagen die angefragte Fachärztin oder den Facharzt sprechen. 30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es zuletzt schwierig war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent.
In Hausarztpraxen warten hingegen 25 Prozent nur länger als drei Tage – ein Viertel suchen ihre Hausarztpraxis ohne Termin direkt auf. Die Wartezeiten bei Hausarztpraxen sind für 51 Prozent "genau meinen Wünschen entsprechend". 35 Prozent finden sie als "noch akzeptabel". 14 Prozent sind unzufrieden. Bei Fachärzten hingegen sind für 30 Prozent der Versicherten die Wartezeiten "zu lang" oder "viel zu lang".
Mehr Flexibilität auch bei Öffnungszeiten gefordert
Die Krankenkassen fordern ein Eingreifen der Politik. Wie Verbandsvize Stefanie Stoff-Ahnis deutlich machte, sehen die Kassen "dringenden Handlungsbedarf" bei den Facharzt-Terminen. Patienten wünschten sich eine mit der modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbare Versorgung. Stoff-Ahnis forderte auch flexible Öffnungszeiten in den Praxen.
"Wer echte Gleichbehandlung will, sollte zudem dafür sorgen, dass bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden darf, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist", sagte Stoff-Ahnis. Dies ist heute in vielen Praxen der Fall – Privatversicherte erhalten oft schneller Termine. Die Koalition plant derzeit eine gezieltere Terminvergabe über die Hausarztpraxen.
Brysch: Praxen müssen erreichbar sein
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass Vertragspraxen wöchentlich 25 Stunden erreichbar sein müssten – über Online-Portale, aber auch per E-Mail, Fax und Telefon. Rund 20 Prozent der über 65-Jährigen hätten keinen digitalen Zugang, sagte Vorstand Eugen Brysch. Auch diese Patienten müssten die Praxen erreichen können. Brysch kritisierte die für den Bereich verantwortlichen Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie versagten bei der Kontrolle. Die Bundesländer müssten diesen Prozess mitsteuern.
Tatsächlich vereinbart der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten Arzttermine laut der Umfrage immer noch persönlich oder telefonisch. Bei Hausärzten sind das 59 Prozent, bei Fachärzten 65 Prozent.
dpa/AFP (kar)
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