So werden Bekennerbotschaften auf ihre Echtheit überprüft
Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz hält ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg einen linksextremistischen Anschlag durch die sogenannte "Vulkangruppe" für sehr wahrscheinlich. Dass es sich um ein falsches Bekennerschreiben und stattdessen um eine russische Geheimoperation handele, sei für die Sicherheitsbehörden nicht glaubwürdig. Sie hielten die Bekennerbotschaft für authentisch.
ARD-Terrorexperte Michael GötschenbergBildrechte: Michael Götschenberg"Erfahrungsgemäß lässt sich die linke Szene keine Taten unterschieben", sagte Götschenberg MDR AKTUELL. Wäre die Bekennerbotschaft nicht echt, hätte sich Widerspruch aus der linken Szene geregt. Das sei alles nicht passiert. "Insofern kann man meines Erachtens auch sicher davon ausgehen, dass die Vulkangruppe diesen Anschlag verübt hat."
Rund 45.000 Haushalte waren vom Stromausfall nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz betroffen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Christophe GateauGroßer Aufwand bei Authentifizierung
Grundsätzlich werde ein großer Aufwand betrieben, um die Echtheit einer Botschaft zu prüfen, so Götschenberg. Sie werde unter anderem mit früheren Bekennerbotschaften abgeglichen und auf vergleichbare Formulierungen geprüft. Auch der Inhalt einer Botschaft werde von Sicherheitsbehörden daraufhin begutachtet, ob er linksextremistischer Ideologie entspreche.
Die Vorgehensweise der Täter spielt ebenfalls eine Rolle, erklärte Götschenberg weiter. "Man schaut sich an: Wie ist die Tat begangen worden, passt das zu den Tatbegehungen in der Vergangenheit." Das scheine im aktuellen Berliner Fall so zu sein – bis hin zu dem Punkt, dass "die Bekennung auch Täterwissen enthielt".
Weitere Schreiben aufgetaucht
Nach dem Anschlag auf das Stromnetz in Berlin tauchte ein zweites Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter auf. Vonseiten der Ermittler gab es zunächst keine Bestätigung dazu. In der Nacht zu Mittwoch wurde nun ein drittes Schreiben im Internet veröffentlicht, in dem behauptet wird, es stamme von der ursprünglichen "Vulkangruppe" von 2011.
45.000 Haushalte ohne Strom
In der Folge des mutmaßlich linksextremistisch motivierten Brandanschlags waren von Samstagmorgen bis Mittwoch im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Aus ihrer Sicht besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.
MDR/dpa (lik)
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