• Lisa Eckhart ist mit ihrem neuen Programm "Ich war mal wer" zurück auf der Bühne.
  • Sie zeigt darin einen zynischen Blick auf die Welt, den sie als "heiteren Pessimismus" bezeichnet.
  • Die Arbeit am Programm war von Selbstzweifeln begleitet.

MDR: Lisa Eckhart, Ihr neues Programm "Ich war mal wer" hat im ausverkauften Haus Auensee in Leipzig Premiere gefeiert. Überrascht Sie, dass die Leute Ihnen hier zu Füßen liegen?

Lisa Eckhart: Das überrascht mich sehr, dass mir diese Liebe entgegenbrennt. Damit habe ich nie gerechnet, dass es in diesem Ausmaß passiert. Aber ich bin ja nicht nur die peitschende Herrin. Es gibt Momente im Programm, wo ich sie doch an den Köpfen streichle. Mir ist es immer ein Anliegen, dass ich schlechtverheilte Wunden versorge und noch ganz ungekannte aufreiße. Und ich glaube, das schätzen sie.

Im Publikum sitzen ja nicht die ganz jungen Leute. Ist das so, dass sie den Sinn von Satire nicht verstehen und die Älteren schon?

Es ist, was das Alter betrifft, doch sehr divers, auch was die politischen Ausrichtungen betrifft. Das ehrt mich so an meinem Publikum, dass da wirklich Menschen sitzen, die einander wegen unterschiedlicher Anschauungen im echten Leben gerne eins überziehen würden. Und vielleicht gibt ihnen das irgendwas, dass sie merken, sie können da in einem Saal sehr gut koexistieren. Und es wird ja niemand ausgespart. Das ist mir ein großes Bedürfnis, dass sich wirklich jeder kurz mal gezüchtigt und gestreichelt fühlt.

Lisa Eckhart als Kaiserin "Stasi die Erste" von Österreich und Ostdeutschland.Bildrechte: IMAGO/Funke Foto Services

Sie werfen in Ihrem Programm einen zynischen Blick auf die Welt. Ist das für Sie als Mutter eine Art, mit der Angst um die Zukunft Ihres Kindes umzugehen? Oder wollen Sie damit zeigen, dass Sie trotzdem an die Menschen glauben, an ihre Fähigkeit, aufzustehen und weiterzumachen?

Ich glaube an den Menschen im Einzelnen. Ich habe aber keine Hoffnung, was die Menschheit als Ganzes betrifft. Sobald sich Menschen zusammenrotten, passiert immer etwas und es verblasst dieser Glanz absoluter Humanität, den ich in jedermanns Augen sehe. Ich habe auch keine Hoffnung, aber was ich pflege, ist ein sehr heiterer Pessimismus.

Ich habe auch keine Hoffnung, aber was ich pflege, ist ein sehr heiterer Pessimismus.

Lisa Eckhart

Hoffnung gebiert die Angst, dass es nicht gut ausgehen könnte. Aber mit Hoffnungslosigkeit kann man richtig Spaß haben. Und dann beginnt eigentlich erst der Witz. Tatsächlich glaube ich nicht, dass irgendwas gut ausgehen wird, weder für uns als Menschheit noch für den Einzelnen. Jeder wird sterben und wir werden zugrunde gehen. Dem ist einfach so, aber das macht doch den Reiz des Ganzen aus.

Wie erarbeiten Sie sich Ihr Programm? Wachen Sie nachts auf und notieren sich den Gag gleich, damit er nicht wegkommt?

Nein, ich glaube, dass die Umwelt einsickert – und dann kann ich sie am Schreibtisch abrufen. Ich bin niemand, die mit dem Notizbuch Beobachtungen macht. Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, bin ich erschreckend stumpf. Aber ja, natürlich, es dauert.

Es sind oft sehr düstere Momente, wo man denkt, dass das alles wertloser Müll ist. Und es ist gar nicht gesagt, dass einen das im Laufe der Spielzeit nicht auch befällt. Aber so ist es eben. Ich glaube, in dem Moment absoluter Seligkeit und Zufriedenheit falle ich einfach tot um.

Lisa Eckhart ist bekannt für ihren zynischen Blick auf die Welt.Bildrechte: IMAGO / Funke Foto Services

Das Interview führte René Römisch für den MDR SACHSEN. Es wurde gekürzt und für bessere Lesbarkeit redaktionell bearbeitet.
Redaktionelle Bearbeitung: az,vp

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