• Die Weltgesundheitsorganisation erstellt jede Saison einen aktuellen Impfstoff für die Grippe. Spontane Anpassungen sind technisch bisher nicht möglich.
  • Neben den medizinischen Möglichkeiten würde die Produktion nicht ausreichen.
  • Fortschritte könnten neue mRNA-Impfstoffe nach Vorbild der Covid-Impfung bringen. Diese werden erforscht und könnten auch spontan an Mutationen angepasst werden.

Derzeit steigt die Zahl der neuen Grippe-Erkrankungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mittlerweile kommen in Sachsen-Anhalt auch mehr Erkrankte deswegen ins Krankenhaus, vor allem Ältere. Bei den Über-80-Jährigen sind dem Landesamts für Verbraucherschutz zufolge verstärkt schwerere Verläufe der Atemwegserkrankungen zu verzeichnen. Risikogruppen wird darum geraten, sich gegen Influenza zu impfen.

Alle, die sich diese Saison schon eine Grippeimpfung abgeholt haben, haben den gleichen Cocktail injiziert bekommen. Susanne Glasmacher, Biologin und Sprecherin vom Robert Koch Institut (RKI), erklärt, welcher das ist: "Es sind drei Gruppen von Influenzaviren im Impfstoff, der Typ A mit eben den beiden Subtypen H1N1 und H3N2 und der Typ B."

Kurzfristige Anpassung der Impfstoffe nicht möglich

Für jede dieser drei Gruppen empfehle die Weltgesundheitsorganisation Anfang des Jahres den Virusstamm, von dem sie erwarte, dass er sich dann durchsetze. Es sei jedoch nicht möglich, einfach einen Stamm mehr in den Impfstoff zu integrieren oder kurzfristig etwas zu ändern. Das würde die Abläufe und auch die Zulassung gefährden, erklärt Glasmacher.

Daten aus aller Welt: WHO entwickelt neue Impfstoffe

Am RKI ist das Nationale Referenzzentrum für Influenza angesiedelt. Dorthin liefern Praxen und Kliniken aus ganz Deutschland regelmäßig Abstriche und Daten über Patienten mit Atemwegserkrankungen.

Ziel sei es, einen Überblick zu bekommen, welche Viren in Deutschland grassierten, erklärt Susanne Glasmacher: "Über die Reihenfolge der Erbgutbausteine informieren wir kontinuierlich die Weltgesundheitsorganisation, das machen alle großen Länder so. Und aus den vielen Informationen, welche Influenzaviren zirkulieren und in welche Richtung sie sich während einer Grippewelle verändern, destilliert dann die Weltgesundheitsorganisation – meist im Januar oder Februar – die Zusammensetzung für den kommenden Impfstoff."

Es könne auch passieren, dass sich im Frühling und im Sommer die Viren anders entwickelten als erwartet. Eine optimale Passgenauigkeit des Impfstoffes gebe es selten, so Glasmacher.

Anpassung in der laufenden Saison technisch schwierig

Eine Anpassung in der laufenden Saison werde es nicht mehr geben, sagt auch Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharmaunternehmen: "Denn man bräuchte, um überhaupt diesen neuen Stamm zu berücksichtigen, einige Monate der Anpassung und dann der Neuproduktion. Und selbst wenn es schneller ginge – die Produktionsanlagen sind ja begrenzt. Jetzt wird schon wieder Impfstoff für die Südhalbkugel produziert auf diesen Anlagen. Sie sind gar nicht frei, um jetzt noch einen Impfstoff für die Nordhalbkugel zu machen."

Vorbild Corona-Impfung: mRNA-Impfstoffe schaffen neue Möglichkeiten

Auf absehbare Zeit, so Hömke, werde es aber zusätzliche Angebote für neue Impfstoffe geben: "Außerdem arbeiten Unternehmen daran, künftig auch Grippe-Impfstoffe anzubieten, die mit Messenger-RNA arbeiten, so wie die Covid-Impfstoffe, die in Deutschland eingesetzt wurden. Das wäre dann noch mal eine andere Produktionsmethode. Und die hätte den Vorteil, dass da eine Anpassung wirklich ganz schnell geht, in wenigen Tagen."

Die bisherigen Impfstoffe würden sehr wahrscheinlich trotzdem nicht verschwinden, so Hömke. Für die Zulassung neuer Impfstoffe ist auf EU-Ebene die European Medicines Agency (EMA) zuständig. Das Paul-Ehrlich-Institut kümmert sich auf deutscher Seite dann um Einfuhr und Verteilung von Impf-Chargen. Von beiden lag bis Redaktionsschluss keine Antwort auf eine MDR-Anfrage vor. Ob und wann mRNA-Impfstoffe bei der Grippe zum Einsatz kommen, bleibt offen.

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