Wie die Evangelische Kirche Mitteldeutschland gegen die AfD Stellung bezieht
- Die Kirche in Sachsen-Anhalt befürchtet Kürzungen durch die AfD nach der Landtagswahl.
- Die fremdenfeindliche Politik der AfD passt für den Landesbischof Friedrich Kramer nicht zum Christentum.
- Vor der Wahl im September will die Evangelische Kirche Mitteldeutschland mit einer Kampagne gegen die Politik der Partei aktiv werden.
Friedrich Kramer, der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), bekräftigt die klare Position gegen die AfD und hat eine Fortführung der Kampagne "Herz statt Hetze" im Wahlkampf angekündigt.
Friedrich Kramer leitet als Landesbischof die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin SchuttIn der Politik der AfD und christlichen Werten sieht Kramer keinen gemeinsamen Nenner: "Eine Partei, die generell Fremde unter Verdacht stellt und den Fremden nicht freundlich, sondern fremdenfeindlich begegnet, die kann sich nicht auf Jesus Christus berufen."
Kirche grenzt sich von AfD ab
Auch deshalb dürfen AfD-Mitglieder in der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands keine Ämter mehr übernehmen, weder im Gemeinderat noch in Synoden. Von Kirchenkritik könne bei der AfD keine Rede mehr sein, stellt Kramer fest, der zugleich Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Er spricht sogar von Feindschaft, die den Kirchen entgegenschlage.
Die politischen Positionen der AfD sind auch unter Kirchenmitgliedern umstritten.Bildrechte: IMAGO/Müller-StauffenbergFriedrich Kramer ist in der DDR aufgewachsen. Kirchenfeindlichkeit ist für ihn also keine neue Erfahrung, denn auch die SED versuchte seinerzeit kritische Kirchenmitglieder einzuschüchtern oder zu verfolgen. Schon damals lautete der Vorwurf, die Kirchen würden sich zu stark in die Politik einmischen. Dieser Vorwurf kommt nun auch von der AfD.
AfD will Kirche Gelder kürzen
Die AfD hat bereits mehrfach den Vorschlag gemacht, die sogenannten Staatsleistungen für die Kirchen zu streichen. Sollte die Partei die Regierung stellen, wird sie dieses Vorhaben sehr wahrscheinlich durchsetzen. Damit würde die evangelische Kirche rund ein Viertel ihrer Gelder verlieren.
Wer will, dass die Kirche im Dorf bleibt, der kann eine Partei nicht wählen.
Das würde die Arbeit der Kirchen erheblich einschränken, warnt Bischof Kramer. Es hieße, das für "den größten Kulturträger, der in jedem Dorf eine Kirche hat", kein Geld mehr da wäre, dass Kirchen wieder aussähen wie 1989. Für Friedrich Kramer ist klar: "Wer will, dass die Kirche im Dorf bleibt, der kann eine Partei nicht wählen."
Fremdenfeindlichkeit passt nicht in die Bibel
Dass dennoch viele Gemeindemitglieder die AfD wählen, ist für Bischof Kramer kein Problem. Man wolle die Menschen nicht bevormunden, und wenn für viele Menschen das Thema Migration so zentral sei, so bleibe dennoch gültig, was in der Bibel steht. Nationalismus spiele im Neuen Testament keine Rolle, so Bischof Kramer. "Ich bin fremd gewesen, ihr habt mich aufgenommen", wenn Jesus das sage, sei das eine mitmenschliche Aussage mit politischen Konsequenzen."
"Herz statt Hetze" – unter diesem Slogan will die evangelische Kirche eigene Akzente im Wahlkampf setzen, auch in Kooperation mit der katholischen Kirche und der Diakonie Mitteldeutschland. Bereits zur Landtagswahl 2024 in Thüringen hatte sich die Kirche mit der Kampagne dafür eingesetzt, die öffentliche Debatte für eine weltoffene Gesellschaft zu stärken.
Kampagne zur Landtagswahl geplant
Die Diakonie beispielsweise plant eine Broschüre zum Wahlprogramm der AfD und inwiefern dies dem christlichen Menschenbild widerspreche. Dazu soll es außerdem Gesprächsformate geben, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie, um "mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen", beispielsweise zum Sachsen-Anhalt-Tag im Juni, wie es von der Diakonie heißt.
Ich gehe davon aus, dass sie keine Regierungsbeteiligung haben wird, weil ich an den Sachsen-Anhalter glaube.
Derzeit liegt die AfD nach aktuellen Umfragen klar vorn, aber für eine Regierungsmehrheit reicht es bislang nicht. Dennoch kann man in den öffentlichen Debatten den Eindruck gewinnen, dass eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt unvermeidlich sei.
Bischof Kramer hält das für eher unwahrscheinlich. Er setze darauf, dass die Parteien sich politisch so auseinandersetzten, dass deutlich werde, wofür die AfD stehe und was den Leuten drohe. "Ich gehe davon aus, dass sie keine Regierungsbeteiligung haben wird, weil ich an den Sachsen-Anhalter glaube. Das ist kein Dummer."
In jedem Fall wird der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt nicht von christlicher Nächstenliebe geprägt sein. Herz statt Hetze soll das Gegenargument der evangelischen Kirche sein.
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