• Die USA sind für Thüringen mit Exporten im Wert von 2,2 Milliarden Euro ein wichtiger Handelspartner.
  • Unternehmen klagen über wachsende Unsicherheit und verschieben Investitionen wegen der unberechenbaren US-Zollpolitik.
  • Wirtschaftsvertreter hoffen auf neue Märkte und eine geschlossene europäische Antwort auf den wirtschaftlichen Druck aus Washington.

Thüringen besonders abhängig von Exporten in die USA

Die angekündigten Strafzölle der USA im Grönland-Konflikt dürften Thüringen besonders hart treffen. Denn die Vereinigten Staaten sind mit 2,2 Milliarden Euro Warenexportlieferungen das wichtigste Exportland für den Freistaat.

Die Wirtschaftspolitik Donald Trumps hinterlässt bereits ihre Spuren, erklärt Mark Bremer, Teamleiter international bei der Industrie- und Handelskammer Erfurt: "Wir haben vergangenes Jahr im Sommer eine Umfrage gemacht zu den US-Zollandrohungen und da haben uns 74 Prozent mit US-Geschäften mitgeteilt, dass das negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte haben wird."

Zölle und Unsicherheit machen Unternehmen zu schaffen

Dabei seien sowohl die Zölle als auch die Unberechenbarkeit der Politik ein entscheidender Risikofaktor. "Das wirkt sich aus bis hin zu der Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen, wo eben Handelsaktivitäten mit den USA reduziert, Investitionen verschoben oder gar zurückgefahren werden."

Das betrifft in Thüringen vor allem Unternehmen im Maschinenbau, Elektrotechnik, Medizintechnik und Automotiv. Doch auch für Sachsen und Sachsen-Anhalt gehören die USA zu den wichtigsten Handelspartnern.

Hoffnung auf neue Märkte und geschlossene EU-Linie

Insgesamt beläuft sich das Handelsvolumen zwischen Deutschland und den USA auf 253 Milliarden Euro. Bremer hofft, dass Deutschland angesichts der US-Wirtschaftspolitik neue Märkte erschließt – so wie es mit dem Mercosur-Handelsabkommen gelungen ist. Auch Hans-Jürgen Völz vom Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft sieht in dieser Idee die größten Chancen: "Das erhöht eigentlich ihre Widerstandsfähigkeit. Denn je mehr Absatzmärkte man hat, desto weniger abhängig ist man von beispielsweise erratischen Entscheidungen, wie sie der US-Präsident gerade in der Zollpolitik trifft."

Weitere Freihandelsverträge auch in dem asiatischen Raum stünden bereits auf der Agenda und sollten schnellstmöglich zum Abschluss gebracht werden. Auch Bremer von der IHK Erfurt setzt auf neue Märkte, die Thüringer Unternehmen erkunden wollen. "Es sind für dieses Jahr sowohl eine Delegationsreise nach Brasilien und nach Indien geplant. So denken wir, dass das auch Chancenmärkte sein können."

Doch ehe diese Märkte erschlossen sind, hofft Bremer im akuten Konflikt mit den USA vor allem auf eins: "Es ist wichtig, dass Brüssel einem wirtschaftlichen Zwang gegen einzelne Mitgliedstaaten nur mit klarer gemeinschaftlicher Haltung begegnet." Das EU-Parlament will das im Sommer ausgehandelte EU-Handelsabkommen mit den USA verschieben. Damit würden amerikanische Produkte nun doch nicht ab 1. Februar zollfrei auf den europäischen Binnenmarkt kommen.

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