Inhalt des Artikels:

  • Wie kann man sie am besten sehen?
  • Wie entstehen Polarlichter?
  • Warum gibt’s das nicht nur über Skandinavien?  
  • Können Polarlichter gefährlich werden?
  • Was für Polarlichter gibt es?

In der Nacht auf Dienstag waren teilweise extrem helle Polarlichter über Deutschland zu sehen. Gerade über Leipzig, Halle und Erfurt leuchtete der Himmel eindrucksvoll, wie die Bilder unserer MDR-Leser und Leserinnen zeigen.

Dirk Schlesier, Chef des Planetariums in Halle, war ebenfalls überrascht und gleichzeitig begeistert von den Polarlichtern. "Die Sonnenaktivität ist derzeit außergewöhnlich hoch. Es kann durchaus in nächster Zeit weitere Polarlichter geben." Je aktiver unsere Sonne ist, desto höher ist grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit für Polarlichter. Ungefähr alle 11 Jahre zeigt sich ein solches Aktivitätsmaximum. Das geschah 2024, da war die Sonne so aktiv wie seit 20 Jahren nicht mehr. Seither nimmt die Aktivität ab, ist aber noch hoch genug für Polarlichter, wie wir sie immer wieder beobachten können. Voraussichtlich 2030 wird die Sonnenaktivität das nächste Minimum erreichen.

Wie kann man sie am besten sehen?

Damit ist eine wichtige Vorbedingung für Polarlichter erfüllt. Damit wir sie aber tatsächlich in unseren Breiten beobachten können, müssen noch einige weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Ein wichtiger Wert ist der Kp-Index. Er gibt Auskunft darüber, wie stark das Magnetfeld der Erde aktuell von Partikeln der Sonne beeinflusst wird. Der Kp-Wert ist ein wichtiger Indikator. Damit wir in Mitteldeutschland etwas sehen, sollte er mindestens über sechs liegen. In höheren Breiten, also nahe der Pole, sind Polarlichter auch bei niedrigen Kp-Werten sichtbar. In der Nacht zum Dienstag wurden Kp-Werte von bis zu 8,7 erreicht. Dass sich das gleich heute Nacht wiederholt, ist laut den Vorhersagemodellen allerdings bislang unwahrscheinlich.

Noch mehr Tipps für Polarlicht-Jäger haben wir hier zusammengefasst:

Wer die Lichter beobachten will, kann sich auf diversen Websites und Apps über die aktuelle Vorhersage informieren.

Für Unerfahrene kann die Jagd nach den Polarlichtern schnell mal frustrierend werden, denn: Eine hundertprozentige Sicherheit, den Himmel leuchten zu sehen, gibt es nicht. Wer Glück hat, kann auch in Deutschland Polarlichter sehen, allerdings geht das nicht durch Wolken hindurch. Der Himmel muss sternenklar sein und bestenfalls befindet man sich an einem Ort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung, in großen Städten dürften die Lichter aufgrund des hellen Umgebungslichtes nur selten sichtbar sein.

Wenn die Vorhersagemodelle Polarlichter ankündigen und das Wetter stimmt, ist die Chance gegeben. Häufig ändern sich die Vorhersagemodelle kurzfristig, es gilt also, sie immer wieder zu checken. Dr. Jens Berdermann, Weltraumwetterexperte am DLR (Neustrelitz), erklärt, dass wir trotz der permanenten Beobachtung bei Sonnenstürmen, die Polarlichter verursachen, nur eine kurze Vorwarnzeit haben. In 1,5 Millionen Kilometer Entfernung registriert der Sonnenbeobachtungs-Satellit Discover die Aktivitäten. "An dem Punkt wissen wir genau: Okay, der Sonnensturm wird die Erde treffen. Und wir wissen auch schon ungefähr, wie stark das sein wird. Wir haben dann aber nur noch eine Vorhersagezeit von einer halben bis Dreiviertelstunde."

Mehr zu Berdermanns Arbeit gibt’s in der MDR WISSEN Doku: Polarlichter - Schön und gefährlich.

Der Blick sollte auf der Jagd nach Polarlichtern übrigens immer gen Norden gehen. Ein Extra-Tipp: verwenden Sie eine (Handy)Kamera. Mitunter sind die Lichter so besser zu erkennen. Der Grund: Smartphones arbeiten mit speziellen Nachtmodi und längerer Belichtungszeit. Dabei sammeln die Sensoren mehr Bildinformationen als das Auge in Echtzeit verarbeiten kann.

Wer dazu noch ein Stativ hat, kann mit einer Langzeitbelichtung (circa 30 Sekunden) die schönsten Ergebnisse bekommen. Dass Polarlichter über Deutschland so deutlich sichtbar sind, wie in der vergangenen Nacht, ist insgesamt eher eine Seltenheit.

Wie entstehen Polarlichter?

Das Foto zeigt die Sonne im sogenannten H-Alpha-Licht, also in einem Wellenlängenbereich, der dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Dabei kommen die Sonnenflecken und Sonnenausbrüche besonders gut zum Vorschein. Aufgenommen wurde das Foto am Planetarium Halle (Saale) am 6. August 2024.Bildrechte: Planetarium der Stadt Halle (Saale) / Michael Reuter

Polarlichter entstehen in einer Phase hoher Sonnenaktivität. Man kann sich das vorstellen wie einen Topf mit brodelnder Flüssigkeit. Wird die Flüssigkeit immer stärker erhitzt, beginnt sie irgendwann, aus dem Topf herauszuspritzen. Es entsteht eine Sonneneruption. Dabei werden elektrisch geladene Teilchen Richtung Erde geschleudert. Sie treten in die Erdatmosphäre ein, treffen auf Gasteilchen in der Atmosphäre – und bringen diese zum Leuchten.

Das Erdmagnetfeld lenkt die Teilchen von der Sonne allerdings häufig um, sodass sie oft nicht bis in die Atmosphäre eindringen können. Nahe der beiden Pole, also Süd- und Nordpol, ist das Magnetfeld gebogen und lenkt die Sonnenwindteilchen direkt nach unten. Deshalb sind Polarlichter dort deutlich häufiger. Eine ausführliche Erklärung dieses Vorgangs gibt es hier.

Warum gibt’s das nicht nur über Skandinavien?  

Auf der Nordhalbkugel zieht sich das Polarlichtoval über Alaska, Kanada, Grönland, Island, Norwegen, Finnland und Sibirien. Das südliche Polarlichtoval liegt dagegen fast ausschließlich über dem antarktischen Kontinent.

Bis in unsere Breiten kommen die Teilchen von der Sonne deutlich seltener. Am besten klappt es, wenn besonders viele Teilchen die Erde erreichen, also bei einem starken Sonnenwind. Außerdem kann die Polung des Sonnenwindes, die sich immer wieder verändert, einen Unterschied machen. Sind die Sonnenwinde gerade gegensätzlich zum Erdmagnetfeld gepolt, verschmelzen sie besonders gut. Wie zwei Magnete, die sich ebenfalls bei unterschiedlicher Polung anziehen. In diesem Fall gelangen Polarlichter besser in unsere Breiten. Das scheinbar magische Leuchten am Himmel ist also das Produkt einer sehr komplexen Großwetterlage zwischen Erde und Sonne.

Können Polarlichter gefährlich werden?

Die Frage stellt sich vielleicht nicht direkt. Wenn wir Polarlichter sehen, ist das häufig wunderschön und faszinierend. An anderer Stelle sorgen die mit dem Leuchten verbundenen Sonnenstürme aber durchaus für Sorge. Denn ein Sonnensturm kann GPS und Funk stören.

"Satelliten können betroffen sein, Stromnetze können betroffen sein. Und Services, von denen wir jeden Tag abhängen, also: Navigation, Kommunikation. Die sind für viele Berufszweige essenziell. Es gibt auch indirekte Auswirkungen: Software, Börsenhandel, Medizinprodukte, Wirtschaft." Das sagt Jens Berdermann vom DLR.

Was passiert, wenn ein Sonnensturm auf eine Welt voller Technik trifft, war 1989 in der kanadischen Provinz Québec zu erleben, wo mehrere Transformatoren ihren Dienst quittierten und schließlich über Stunden in der Region Montréal der Strom ausfiel. Und 2022 sind vierzig Internetsatelliten des Netzwerks Starlink verglüht, die kurz nach dem Start in einen Sonnensturm geraten waren und an Höhe verloren hatten.

Was für Polarlichter gibt es?

Polarlichter können grün, rot oder sogar blau leuchten. Das Geheimnis hinter den unterschiedlichen Farben liegt in der Zusammensetzung der Atmosphäre begründet. Je nachdem, in welcher Höhe das Leuchten stattfindet, unterscheidet sie sich. In etwa 100 Kilometern über dem Erdboden leuchten Polarlichter grün, in 200 Kilometern Höhe dagegen rot. Ist Stickstoff in der Atmosphäre vorhanden, können die Polarlichter auch blau leuchten.

Außerdem gibt es ganz unterschiedliche Formen: Häufig sieht man Polarlichter in unseren Breiten als ruhige, leuchtende Bögen oder als Vorhänge: Schleier, die vom Horizont bis in den Himmel hinaufreichen, sich aber in der Regel nicht bewegen.

Seltener und spektakulärer sind dagegen Polarlicht-Bänder. Diese verändern sich etwas schneller und ziehen ihre Schleifen quasi über den Himmel. Eine weitere Spezialform ist die Corona. Hier stehen die hellen Strahlen des Betrachters quasi über dem Betrachter und laufen am Himmel strahlenförmig auseinander.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke