• Die Bundeswehr ist erstmals seit vielen Jahren wieder deutlich gewachsen. Die Truppe will mit einem Fragebogen Motivation und Eignung weiterer junger Menschen ermitteln.
  • Deutschland reagiert mit dem Wehrdienstgesetz auf die veränderte Sicherheitslage seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine.
  • Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist bereits deutlich gestiegen.

Die Bundeswehr ist erstmals seit 12 Jahren wieder deutlich gewachsen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius stieg die Truppenstärke der Bundeswehr auf 184.200 zum Stichtag 31.12.2025 – ein Anstieg um rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten. Der SPD-Politiker sagte am Dienstag, das sei das "beste Einstellungsergebnis seit Aussetzung der Wehrpflicht. Außerdem ist die aktive Truppe so groß wie seit 12 Jahren nicht mehr."

Die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden stieg im vergangenen Jahr nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf 12.200 – nach 10.300 Männern und Frauen im Jahr 2024. Dies ist ein Plus von mehr als 18 Prozent. Selbstgestecktes Ziel waren allerdings 15.000 freiwillig Wehrdienstleistende. Die Zahl soll in diesem Jahr auf 20.000 junge Männer und Frauen steigen. 

Brief enthält QR-Code zu Online-Fragebogen

Die Bundeswehr hatte in der vergangenen Woche die ersten Fragebögen für den neuen Wehrdienst verschickt. Wie eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, sollten die Briefe mit den entsprechenden Dokumenten noch am Donnerstag versendet werden. Hintergrund ist das neue Wehrdienstgesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist. So soll die aktive Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 wachsen. Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben.

Die Briefe enthalten demnach einen QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt, sowie eine Broschüre und rechtliche Hinweise. Das Schreiben geht der Reihe nach an alle jungen Menschen, die in diesem Jahr volljährig werden. Die Bundeswehr will mit dem Fragebogen nach eigenen Angaben "Motivation und Eignung der Angeschriebenen für den Dienst in den Streitkräften" ermitteln. Der Fragebogen muss von Männern binnen eines Monats beantwortet werden, Frauen können dies freiwillig tun.

Konkret wird in dem Fragebogen neben allgemeinen Angaben zu Person, Familienstand, Schul- oder Berufsausbildung auch eine Selbsteinschätzung der körperlichen Fitness abgefragt. Außerdem wird gefragt, ob grundsätzlich Interesse besteht, auf freiwilliger Basis Soldatin oder Soldat zu werden. Wer Interesse bekundet hat, wird zu einem Beratungsgespräch eingeladen. Unabhängig davon werden dem Gesetz zufolge früher oder später alle angeschriebenen Männer zur Musterung bestellt.

"700.000 Frauen und Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 erhalten in diesen Tagen einen Fragebogen", hatten Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalinspekteur Carsten Breuer zum Jahresbeginn in einem Tagesbefehl an die Truppe erklärt. In den nächsten Monaten sollen demnach die ersten Freiwilligen ihren Dienst antreten.

Deutschland reagiert auf Bedrohung durch Russland

Mit dem Gesetz für den neuen Wehrdienst reagiert Deutschland auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. Dabei setzt die Bundesregierung zunächst auf Freiwilligkeit und Attraktivität mit einem monatlichen Bruttogehalt von mindestens 2.600 Euro. Das beschlossene Gesetz sieht keine Rückkehr zu der seit 2011 ausgesetzten allgemeinen Wehrpflicht vor – es öffnet aber die Tür zu einer sogenannten Bedarfswehrpflicht für den Fall, dass angestrebte Personalstärken über das Freiwilligen-Modell nicht erreicht werden. Einen Automatismus gibt es gleichwohl nicht, nötig wäre dafür ein neues Gesetzgebungsverfahren im Bundestag.

Zahl der Kriegsdienstverweigerer deutlich gestiegen

Zugleich ist die Zahl der Menschen, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen, bereits deutlich gestiegen. Beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), das über die Anträge entscheidet, gingen im vergangenen Jahr 3.867 Anträge ein – das waren 72 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie eine Sprecherin der Behörde der "Augsburger Allgemeinen" sagte.

Die Abbruchquote liegt weiter bei knapp 25 Prozent. Eine Sprecherin der Bundeswehr erklärte: "Hier werden wir weiterhin große Anstrengungen darauf richten, die einmal gewonnenen Soldatinnen und Soldaten von einem Verbleib in der Bundeswehr zu überzeugen". Maßnahmen dazu seien ein «transparenteres Erwartungsmanagement» bereits vor Dienstantritt, der Ausbau an heimatnahen Angeboten, attraktive Infrastruktur und sinnstiftende Ausbildung. Zudem sollen Unzufriedenen alternative Dienstoptionen aufgezeigt werden.

dpa/AFP(mze/kar)

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