Abnehmspritze, Bewegung, Zuckersteuer: Forschende empfehlen groß angelegte Initiative gegen Adipositas-Epidemie
Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig – und jedes sechste Kind. Man kann also mit Fug und Recht von einer Adipositas-Epidemie sprechen, so wie es Fachleute auch tun. Trotz gutem Wissensstand zu Ursachen, Behandlung und Prävention tut sich hierzulande wenig, die Volkskrankheit in den Griff zu bekommen. Das erklären Forschende in einem Maßnahmenpapier der Wissenschaftsakademie Leopoldina, darin heißt es: "Obwohl bereits zahlreiche Präventionsbemühungen existieren, geht die Erkrankungshäufigkeit nicht zurück. Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien ist daher fraglich."
Die mit 16 hochkarätigen Fachleuten besetzte Arbeitsgruppe drängt jetzt auf eine umfangreiche Gesundheitsinitiative. Darin enthalten sein müssten auch großflächige und dauerhafte Maßnahmen zur Vorbeugung. "Dazu gehört zum Beispiel die Einführung verbindlicher Standards für eine gesunde Gemeinschaftsverpflegung und Bewegungsangebote in Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen oder auch Hochschulen", erklärt Iris Pigeot, Direktorin am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). "Dass wir auch eine stärkere Besteuerung bekommen von stark zucker- und fetthaltigen Lebensmitteln und Getränken. Ich würde aber auch gleichzeitig dafür plädieren, dass gesunde Lebensmittel billiger werden müssten. Es ist manchmal absurd zu sehen, wie teuer Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sind."
Adipositas: Kombination aus Prävention und Behandlung – auch mit Abnehmspritze
Ergebnisse aus dem Ausland, wie die Zuckersteuer in Großbritannien, zeigten, dass die Maßnahmen wirken. Nötig sei auch ein Werbeverbot für Süßwaren im Kinderfernsehen, erklärt Pigeot. Prävention müsse es aber auch im Bereich Stadtplanung geben, Wohngegenden dürften nicht bewegungsfeindlich gestaltet sein. Besonders für weniger Wohlhabende sei das ein Problem, dass günstige Wohnumgebungen häufig nicht attraktiv für Bewegung seien.
Es ist manchmal absurd zu sehen, wie teuer Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sind.
Wichtig sei es zudem, neue Medikamente wie Abnehmspritzen aus der Lifestyle-Ecke herauszuholen und für Patientinnen und Patienten über die Krankenkassen zugänglich zu machen. Abnehmmedikamente müssen trotz Zulassung bisher von Betroffenen selbst bezahlt werden. Die Forschenden empfehlen hier kombinierte Therapien, etwa mit Anpassung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.
Mit Adipositas geht eine geringere Lebenserwartung einher, etwa durch ein höheres Herzinfarkt-Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Hinzu kommen psychische Erkrankungen und soziale Ausgrenzung. Die jährlichen Folgekosten werden auf bundesweit 113 Milliarden Euro geschätzt, das entspricht zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
flo
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