• Bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden werden ausgemusterter Flugzeuge umgebaut, um als Frachtflugzeug noch jahrzehntelang weiterzufliegen.
  • Umgebaute Frachter sind stark gefragt, doch den Elbe Flugzeugwerken fehlen wegen Lieferengpässen gebrauchte Flugzeuge.
  • Die Elbe Flugzeugwerke begrüßen die staatliche Rettung des Dresdner Flughafens, da er für den Standort unverzichtbar ist.

Der Projektleiter von Elbe Flugzeugwerke in Dresden, Andreas Mayer, steht im Bauch eines Fliegers. Seine Leute haben schon 250 Sitze aus dem Inneren eines Airbus ausgebaut. Außerdem würden noch die Küche und Toiletten ausgebaut: "Es kommt alles raus. Das komplette Rohrsystem, die komplette Elektronik und die Kraftstoffleitungen. Wir ziehen den Flieger komplett blank bis auf die Außenhaut, wenn man so will."

Das Ziel: Aus der ausgemusterten Passagiermaschine soll ein Frachtflugzeug werden. Denn was für Menschen ausgedient hat, taugt noch für Päckchen und Pakete. Mitarbeiter schneiden eine breite Tür in den Rumpf, verschließen die Seitenfenster und wechseln die Bordelektronik. Das dauert maximal 180 Tage. Dann ist der Frachter fertig.

So eine Umrüstung limitiere das Leben eines Flugzeuges nicht, sagt Mayer. "Es kann durchaus nochmal 30 Jahre fliegen. Wir haben A310 und A300 umgerüstet, die heute noch fliegen – 20 Jahre später."

Hohe Nachfrage

Die zu Frachtern umgebauten Passagierflieger kosten nicht mal ein Fünftel so viel wie neue Frachtmaschinen. Nachfrage ist da. Die Elbe Flugzeugwerke rüsten weltweit an sieben Standorten um. Die Zentrale ist aber Dresden.

Geschäftsführer Jordi Boto sagt, derzeit sorge ihn vor allem eins: der Nachschub. "Um gebrauchte Flugzeuge umzubauen, brauchen wir gebrauchte Flugzeuge. Das Problem ist: Weder Airbus noch Boeing sind in der Lage genug Flugzeuge auf dem Markt zu liefern."

Da andere Flugzeughersteller keine neuen Flugzeuge liefern könnten, kämen deshalb viele Kunden zu Elbe Flugzeugwerke, sagt Boto. Kunden müssten ältere Flugzeuge länger im Passagierbetrieb halten, als ihnen lieb sei.

Finanzhilfen für den Dresdener Flughafen

Neben dem Umbau übernehmen die Elbe Flugzeugwerke auch Wartungsarbeiten für Airbus. Dafür existenziell: der Dresdner Flughafen direkt nebenan. Wegen seiner Millionenverluste stand seine Existenz schon infrage. Nun hat die Landesregierung entschieden, bis 2030 weitere Finanzhilfen zu geben.

Boto begrüßt die Entscheidung des Freistaats, diese "wichtige Infrastruktur" in öffentlicher Hand zu halten. "Langfristig hätten wir uns damit auseinandersetzen müssen, den Standort Dresden komplett zu verlassen."

Fußböden des Airbus kommen aus Dresden

In dem Flugzeugwerk arbeiten rund 2.000 Leute. Sie stellen auch Leichtbauteile für Airbus her – etwa die Fußböden für sämtliche Maschinen des Unternehmens. Sprich: Wo immer man einen Airbus besteigt, betritt man sächsischen Boden.

Ein entkernter Airbus.Bildrechte: Ralf Geißler

Projektleiter Andreas Mayer steht auf so einem Boden – in einem fast umgerüsteten A 330. Wo früher ein Gang war, sind Rollen eingelassen – für ein Fördersystem, das eine Art elektrisches Fließband sei. "Über diese Rollen kann ich hier Fracht nach oben fahren. Dann gibt es seitlich kleine Control-Panels, das ist wie ein kleiner Joystick. Über den Joystick kann ich diese Rollen bedienen", erklärt Mayer.

In wenigen Tagen ist der Frachter abholbereit. Und im Hangar wird Platz für den Umbau eines A380. Ein Riesenflieger mit mehr als 500 Sitzen. Eine dicke Hummel, sagt ein Arbeiter. Ein fliegendes Wunder, entgegnet Andreas Meyer. Ein bisschen flugzeugverrückt – darin sind sie sich einig – sind hier alle.

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