Nach Hilfen des Landes: Wie geht es mit Domo weiter?
- Ein belgischer Investor hatte das Domo-Werk in Leuna geführt. Nach dem Insolvenzverfahren bestand an einer Weiterführung kein Interesse mehr. Die Beschäftigten fühlen sich im Stich gelassen.
- Fürs Erste ist das Land eingesprungen, um einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten.
- Domo gilt in der Produktion von Polyamid-6 als wichtiger Player in der Region. Es soll schon Gespräche mit neuen Interessenten geben.
Alexander Busch erlebt nun schon das zweite Mal eine Insolvenz. Er war noch Lehrling, als sein Ausbildungsbetrieb pleiteging. Damals hat Domo in Leuna ihn aufgenommen. Busch wurde Chemikant, Schichtleiter und ist heute Betriebsratschef.
Fehler im Management: Domo-Beschäftigte fühlen sich fallengelassen
Dass Domo nun auch pleite ist, hat ihn wenig überrascht. Das Problem sei nicht nur die Wirtschaftskrise gewesen: "Aus meiner Sicht sind die größten Fehler in der Vergangenheit auch durch das Management gemacht worden. Nicht durch das, was wir hier vor Ort haben. Sondern wenn man ein großer Weltkonzern sein will und es nicht ist. Naja, dann werden eben Entscheidungen an ganz anderen Tischen getroffen. Die führen am Ende dazu, dass man da steht, wo man heute steht."
Das Leunaer Werk gehört belgischen Investoren. An einer Weiterführung, auch nach dem Insolvenzverfahren, haben sie offenbar kein Interesse. Die Beschäftigten fühlen sich fallengelassen wie heiße Kartoffeln. Die große Chemieanlage konnten sie nicht einfach stoppen. Bei Frost, heißt es, sei das gefährlich.
Notbetrieb: Land ist eingesprungen, neuer Investor wird gesucht
Und so ist nun das Land eingesprungen, hält seit vergangener Woche einen Notbetrieb aufrecht. Erleichtert ist darüber Christof Günther vom Chemieparkbetreiber Infraleuna: "Im Rahmen dieser Ersatzvornahme trägt jetzt das Land auch die Kosten des Betriebs. Denn es ist ansonsten niemand da, der die Kosten tragen kann. Der Weiterbetrieb gibt natürlich jetzt auch ein wenig Zeit, nach einem neuen Investor zu suchen. Und das wäre natürlich die Lösung, die wir uns alle wünschen, dass der vorläufige Weiterbetrieb in einem dauerhaften Betrieb mündet, getragen von einem neuen Investor."
Domo als wichtiger Player: Mehrere Investoren haben Interesse
In Leuna gehört Domo zu den Großen. Die Firma kauft in der Chemieregion Propylen, Benzol und Ammoniak, stellt daraus Polyamid-6 her, einen Kunststoff, aus dem man Textilien aber auch Bauteile für Maschinen machen kann. Stirbt Domo endgültig, entsteht im Chemieverbund eine Lücke. Auch andere Firmen, mit denen Domo zusammenarbeitet, dürften dann Schwierigkeiten bekommen.
Doch ist eine Rettung in der Wirtschaftskrise realistisch? "Insolvenzverwalter sind immer Optimisten!", schreibt der mit dem Verfahren beauftragte Lucas Flöther: "Wir kämpfen natürlich für eine Lösung, aber für eine Einschätzung ist es zu früh. Fakt ist aber, dass wir Interessebekundungen von mehreren potenziellen Investoren haben, mit denen wir derzeit Gespräche führen."
Notbetrieb läuft nur noch bis Ostern
Für die Investorensuche ist es gut, dass die Anlage noch läuft. Betriebsrat Busch sagt, sie sei hocheffizient: "Das ist nachlesbar in öffentlichen Analysen. Das ist nichts, was wir uns ausdenken. Wir haben in den vergangenen Jahren immer auch in die Zukunft investiert, ob in Anlagen oder Personal. Auch jüngere Kollegen, die vielleicht noch mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten, sagen zu mir: 'Alex, ich will hierbleiben. Ich will hier weiterarbeiten. Mach was!'"
Doch retten kann der Betriebsrat das Werk ebenso wenig wie die Politik. Am Ende muss ein Investor kommen. Viel Zeit bleibt nicht. Denn das Land wird den Notbetrieb nicht ewig weiter finanzieren. Das Insolvenzgeld als Gehaltsersatz endet nach drei Monaten. Bis Ostern muss eine Lösung stehen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke