Studie zu DDR‑Zwangsadoptionen zeigt unverhältnismäßig harte Eingriffe der Jugendhilfe
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Heimerziehungsforschung zeigt, dass viele Adoptionen in der DDR mit "übertriebener und unverhältnismäßiger Härte" erfolgten. Von rund 95.000 Adoptionen zwischen 1945 und 1990 seien etwa elf Prozent auf besonders harte Eingriffe der Jugendhilfe zurückzuführen. Rund 10.450 Fälle entstanden demnach aus "alltäglichen Krisen".
Ein politisch geplantes oder systematisch gesteuertes Vorgehen konnte die Forschung jedoch nicht belegen. Weder eine gezielte Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit noch eine systematische Wegnahme von Kindern politisch verfolgter Eltern ließ sich nachweisen. Auch bei der Auswahl von Adoptivfamilien spielte politische Loyalität laut Studie meist keine Rolle.
Eingriffe waren Teil des "Systemunrechts"
Gleichzeitig betonen die Forscher, dass die Eingriffe dennoch Teil des "Systemunrechts der SED-Diktatur" waren. Die Jugendhilfe habe häufig ideologisch gehandelt und Eltern aufgrund von Vorurteilen als "asozial" eingestuft. Kindesentzug diente demnach auch der Durchsetzung sozialistischer Moralvorstellungen und der Disziplinierung von Eltern.
Der Begriff "Zwangsadoption" entstand in den 1960er Jahren im Kalten Krieg und wurde später zu einem Sammelbegriff für verschiedene Formen staatlicher Eingriffe. Für Betroffene ist es den Studienautoren zufolge bis heute wichtig, um über erlebtes Leid sprechen zu können. Die vollständige Studie, an der mehrere Universitäten beteiligt sind, soll im Sommer veröffentlicht werden.
dpa/KNA/epd (jst)
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