Pflege im Heim wird erneut teurer
- Pflegebedürftige in Deutschland müssen einen höheren Eigenanteil zahlen.
- Das liegt an steigenden Kosten für Mitarbeiter, Unterkunft und Verpflegung.
- Gesundheitsministerin Nina Warken will die Beiträge durch eine Reform stabilisieren.
Die Pflege im Heim wird immer teurer. Wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen ergab, müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr durchschnittlich 3.245 Euro im Monat selbst zahlen. Das sind 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres.
Bundesweit gibt es dabei große Unterschiede. Am meisten zahlen Pflegebedürftige in Bremen mit mehr als 3.600 Euro im ersten Jahr. Am niedrigsten ist der Eigenanteil in Sachsen-Anhalt mit etwas mehr als 2.700 Euro.
Kosten für Pflegekräfte, Unterkunft und Verpflegung gestiegen
Die Pflegeversicherung übernimmt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.
Hauptkostentreiber sind den Angaben zufolge Personalausgaben für die Pflegekräfte. Der rechnerische Ausgangswert nur für die reine Pflege ist im bundesweiten Schnitt auf 1.982 Euro im Monat gestiegen – 222 Euro mehr als im Vorjahr. Teurer geworden sind aber auch Unterkunft und Verpflegung. Fällig werden nun im Schnitt 1.046 Euro im Monat – 56 Euro mehr als 2025.
Die Zahlen des Ersatzkassenverbandes basieren auf Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Ländern. Ihm gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit an.
Entlastungszuschläge sollen Kosten senken
Um die Belastung durch die gestiegenen Kosten für die Betroffenen abzumildern, bekommen Pflegebedürftige seit 2022 neben den Leistungen der Pflegekassen auch Entlastungszuschläge, die sich nach der Aufenthaltsdauer im Heim richten.
Damit wird der Eigenanteil für die reine Pflege im ersten Jahr in der Einrichtung um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.
Auch mit dem höchsten Zuschlag ab dem vierten Jahr erhöhte sich die Gesamtbelastung für Heimbewohnerinnen und Heimbewohner aber nun weiter auf durchschnittlich 2.056 Euro. Das waren 128 Euro mehr als Anfang 2025. Bei den Pflegekassen führen die Zuschläge zu wachsenden Milliardenkosten.
Ersatzkassenverband fordert "solidarische Lösung"
Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, mahnte eine nachhaltige Finanzierung der Pflege an, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlaste. Sie müssten für Investitions- und Ausbildungskosten aufkommen, die aber Sache des Staates seien. Die Länder müssten dies endlich übernehmen.
Dass das Pflegepersonal gut bezahlt werde, sei richtig, so Elsner. Es könne aber nicht sein, dass Lohnsteigerungen zum großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Es brauche eine "solidarische Lösung".
Gesundheitsministerin Warken plant Pflegereform
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken plant in den nächsten Monaten eine grundlegende Reform, die die Beiträge stabilisieren soll. In diesem Jahr schießt der Bund nochmals 3,2 Milliarden Euro als Darlehen für die Pflegeversicherung zu.
Über verschiedene Vorschläge und Forderungen wird schon länger diskutiert – von mehr Steuergeld über Limits für die Eigenanteile bis zu einem Umbau zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten trägt. Im Blick stehen aber auch Vorbeugung und Vorsorge, um eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
Merz mit bisherigen Lösungsansätzen unzufrieden
Eine zur Vorbereitung eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte im Dezember ein Ergebnispapier präsentiert, das Optionen für Maßnahmen bei Einnahmen und Ausgaben mit den finanziellen Auswirkungen aufführt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) ließ direkt durchblicken, dass er mit dem ersten Ergebnis noch unzufrieden ist.
Die Vorschläge beziehen sich neben den rund 710.000 Pflegebedürftigen in Heimen auch auf rund 4,8 Millionen Menschen, die zu Hause gepflegt werden.
dpa, MDR (akq)
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