Blutvergiftung – Großprojekt soll Sepsis-Versorgung verbessern
Sepsis zählt zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Bei der umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichneten Erkrankung gerät die körpereigene Abwehrreaktion auf eine Infektion mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten außer Kontrolle. Statt den Infektionsherd nur lokal zu bekämpfen, werden auch Gewebe und Organe geschädigt, was zu Organversagen führen kann. Nach Angaben des Aktionsbündnisses Patientensicherheit erkranken jährlich in Deutschland rund 230.000 Menschen an einer Sepsis, von denen 85.000 sterben. Der Bundesverband der Medizintechnik-Branche (BVMed) ging Anfang 2024 sogar von jährlich 140.000 Sepsis-Todesfällen allein in deutschen Krankenhäusern aus.
optiSEP soll Sepsis-Versorgung verbessern
Ein von der Universitätsmedizin Leipzig (UML) geführtes Großprojekt soll nun die Sepsis-Versorgung in Deutschland verbessern und bestehende Defizite bei Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge beheben. An dem Verbundprojekt "optiSEP – Transsektorale Optimierung der Versorgungsprozesse bei Sepsis auf Basis interoperabler Routinedaten" sind außer der UML auch die Universitätsmedizin Magdeburg, die Universitätsmedizin Göttingen sowie die Unikliniken Essen und Aachen beteiligt. Ziel von optiSEP ist es nach Angaben der UML, "die Versorgung von Sepsispatienten sektorenübergreifend zu verbessern und kritische Schwachstellen entlang der Behandlungskette – von Rettungsdienst und Notaufnahme über Intensivstation bis zur Rehabilitation – konsequent zu beheben".
Digital verknüpft und datengestützt entschieden
Kern des vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) des deutschen Gesundheitswesens mit 7,5 Millionen Euro geförderten Projekts ist nach UML-Angaben "die digital verknüpfte, interoperable Nutzung von Routinedaten aus allen Phasen der Patientenbehandlung". Sie soll die Grundlage für künftige "datengestützte Entscheidungshilfen" liefern, mit deren Hilfe gefährliche Sepsis-Verläufe früher erkannt und "klinische Entscheidungen" schneller unterstützt werden können. Zudem sollen "standardisierte Behandlungspfade" die Anwendung "evidenzbasierter Sepsis-Leitlinien" sicherstellen. Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis sollen durch ein "patientenzentriertes Nachsorgekonzept" reduziert werden.
Next-Generation Sequencing
Eine zentrale Rolle im Verbundprojekt optiSEP spielt der UML zufolge die molekulare Erregerdiagnostik mittels Next-Generation Sequencing (NGS), eine verbesserte Technologie zur DNA-Sequenzierung. Während klassische Diagnoseverfahren Erreger nicht immer oder zumindest nur verzögert nachweisen können, identifiziert NGS Krankheitserreger direkt über ihr genetisches Material. Dadurch ließen sich auch schwer kultivierbare Erreger besser erfassen. "Antiinfektive Therapien" – Infektionsbekämpfung insbesondere bei zeitkritischen Verläufen – könnten damit früher und gezielter angepasst werden, teilte die Universitätsmedizin Leipzig mit.
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idw (dn)
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