• Uber ist in Chemnitz mit starken Rabtten in den Markt eingestiegen.
  • Die Taxigenossenschaft Chemnitz beklagt einen "unfairen Wettbwerb".
  • Stadt will nicht regulierend mit Mindestentgelten eingreifen.

Wenn Schlagerwelt-Moderator Gerald Lerch im Ausland unterwegs ist, nutzt er Uber schon lange. Mit seiner Sehbehinderung sei er auf Fahrdienstleiter angewiesen. Deswegen habe er sich gefreut, als Uber im Oktober vergangenen Jahres auch in Chemnitz eingeführt wurde. "Auf einer fünf Kilometer langen Fahrt spare ich etwa fünf Euro gegenüber dem nomalen Taxipreis", so Lerch.

Die Fahrzeuge seien meist Elektrofahrzeuge, die Fahrer nett. Aber sie verfahren sich manchmal noch, weil sie sich in Chemnitz nicht gut auskennen, so seine Erfahrung. Dafür gebe es aber einen Festpreis bereits vor Antritt der Fahrt.

Ein Uber wird per App bestellt. Der Fahrpreis steht vor Beginn der Fahrt fest.Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Promo-Aktionen zum Start

Uber bestätigt MDR SACHSEN die Tiefpreise und nennt sie Promo-Aktionen. Die seien üblich in Städten, in denen neu gestartet wird. So werde Nutzern die Möglichkeit gegeben, den neuen Dienst auszuprobieren, sagt Pressesprecher Klaus Gorny. Die Fahrer seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt und erhielten trotz der Promo-Aktionen ihr volles Entgelt: "Wir sind deutschlandweit in rund 70 Städten aktiv. Wenn wir in einer Stadt neu anfangen, werden die Promo-Rabatte querfinanziert."

Wann die Uber-Preise auch in Chemnitz auf ein normaleres Niveau ansteigen, vermag Klaus Gorny nicht vorauszusagen. Die Preise seien dynamisch und würden durch Angebot und Nachfrage geregelt.

Taxigenossenschaft-Chef Wolfgang Oertel bestätigt eine zeitweise geringere Nachfrage in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Taxigenossenschaft: "Kein fairer Wettbewerb"

Und genau damit hat Wolfgang Oertel, Vorstand der Taxigenossenschaft Chemnitz, ein Problem. Das sei kein fairer Wettbewerb, moniert er und erklärt: "Das Taxigewerbe unterliegt der Tarifpflicht und bekommt von der Kommune Tarife vorgegeben." Die Mietwagenunternehmen, die für Uber arbeiten, müssten sich nicht an solche Tarife halten, daher sei die Preisspanne sehr groß.

Klar seien Kunden neugierig und würden das neue Angebot ausprobieren. Das bekommt die Genossenschaft zu spüren: Sie bemerkt eigenen Angaben zufolge zu gewissen Zeiten eine geringere Nachfrage.

Mindestentgelte auch für Mietwagenunternehmen

Daher fordert Wolfgang Oertel Mindestentgelte auch für Mietwagenunternehmen. Ein entsprechender Vorstoß der SPD- und Linken-Fraktion wurde im Stadtrat im Dezember 2025 allerdings mehrheitlich abgelehnt. Selbst SPD-Oberbürgermeister Sven Schulze lehnte in seiner Rede im Stadtrat den "Eingriff der Politik in die freie Wirtschaft" zum derzeitigen Zeitpunkt ab.

Fakt sei aus Sicht von Schulze, dass Chemnitz seit Jahren ein Taxiproblem habe. Davon könnte die Veranstaltungs- und Gastronomiebranche ein Lied singen. Es sei zu gewissen Zeiten "schlicht und einfach nicht möglich" gewesen, ein Taxi zu bekommen.

Gibt es genügend Taxis in Chemnitz? Zu manchen Zeiten sei es schlicht und einfach unmöglich gewesen, ein Taxi zu bekommen, sagte Oberbürgermeister Sven Schulze. (Symbolbild)Bildrechte: picture alliance / Caro | Dahl

Und dann habe Uber gerade im Kulturhauptstadtjahr einen Markt für Chemnitz erkannt. Der Oberbürgermeister mahnte im Stadtrat an, "nicht wieder zur Provinz zurückzukehren'".

Linken-Stadtrat sieht Verantwortung bei der Stadt

Linken-Stadtrat Dietmar Berger war enttäuscht über die Entscheidung. Die Stadt hätte Mindestpreise festlegen können, an die sich Uber zu halten hätte. Andere Städte wie Heidelberg zum Beispiel hätten so entschieden, so Berger. Gegenargument sei auch, dass es kein Personal gebe, solche Preise zu kontrollieren. So bleibe der Markt unfair.

Uber mit Anlaufschwierigkeiten in Chemnitz

Auch Fahrgast Gerald Lerch wünscht sich eine gesunde Konkurrenz der Unternehmen. Im Ausland könnte man sich auf Uber verlassen. In Chemnitz habe er schon erlebt, dass Uber dann doch nicht komme. Seiner Wahrnehmung nach liegt das wohl daran, dass sich die Fahrer mit den Straßen noch nicht so auskennen. "Es passiert tatsächlich, dass es noch etwas unzuverlässig ist, das müsste unbedingt noch korrigiert werden."

MDR (nok)

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