Experten sehen wachsenden Druck auf Versicherer
- Seit den deutlichen Beitragserhöhungen im vergangenen Jahr ist immer mehr Versicherten bewusst, dass sie ihre Krankenkasse auch wechseln können.
- Versicherungen versuchen, sowohl über günstigere Preise als auch über bessere Leistungen, neue Kunden zu gewinnen.
- Die Wechselbereitschaft der Versicherten sinkt, obwohl Preis- und Leistungsvergleiche durch Online-Portale immer einfacher werden.
Im Durchschnitt ist der Zusatzbeitrag in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte gestiegen. Die tatsächlichen Beiträge unterscheiden sich je nach Kasse aber zum Teil erheblich. Vergleichsportale werben damit, dass man bei einem Wechsel bis zu 800 Euro im Jahr sparen kann. Es ist also viel Bewegung im Markt.
Möglichkeit zum Wechseln wird populärer
Das spürt man auch beim Geld-Ratgeber Finanztip. Laut Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen gebe es seit den deutlichen Beitragserhöhungen im vergangenen Jahr ein größeres Bewusstsein dafür, dass man die Krankenkasse wechseln kann. "Wir haben ja zum Beispiel bei der BKK firmus die Geschichte, dass die vor zehn Jahren bei 100.000 Versicherten waren. Oder noch nicht mal vor zehn Jahren. Und jetzt sind sie ungefähr bei einer Million."
Das Beispiel zeige, dass viele Menschen durchaus von der Möglichkeit, den Versicherer zu wechseln, Gebrauch machen. Die Abrufzahlen der Ratgeber zu diesem Thema hätten sich ebenfalls massiv erhöht, sagt Tenhagen.
Kassen konkurrieren über Preise und Leistungen
Und auch bei den Versicherungen sei inzwischen einiges in Bewegung: "Auf der einen Seite gibt es welche, die deutlich preiswerter sind, weil sie effizienter organisiert sind. Und weil sie auch keine Geschäftsstellen haben, sondern ganz viel online machen. Auf der anderen Seite wird auch über Leistung gearbeitet."
Zum Beispiel wüssten alle Krankenkassen, dass Versicherte gerne Zahnreinigungen bezahlt hätten oder wenigstens einen Zuschuss erhalten wollten. "Und alle Kassen, die da im Wettbewerb sind, sagen entweder: Es gibt 40, 50 oder 100 Euro Zuschuss." Oder es werde gleich ganz übernommen, so Tenhagen. Auch beim Thema Impfen gebe es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Kassen.
Wie viele Menschen das aber konkret zu einem Wechsel des Anbieters bewegt hat, kann er nicht sagen. Zahlen gibt es auch vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nicht. Auf MDR-Anfrage heißt es: Weil es hier um den Wettbewerb der Mitglieder untereinander geht, äußere man sich nicht.
Wechselbereitschaft sinkt, obwohl Portale Preisvergleiche erleichtern
Wie es um die Wechselstimmung unter den Versicherten bestellt ist, weiß Simon Manner, der bei der Unternehmensberatung Horváth für den GKV-Wechselmonitor verantwortlich ist: "Wir haben 2022, 2024 und 2025 jeweils einen Wechselmonitor durchgeführt. 2022 haben wir die Leute gefragt, ob sie grundsätzlich mit dem Gedanken spielen, ihre Krankenkasse zu wechseln. Da waren fast 60 Prozent dabei, die gesagt haben, dass sie sich einen Wechsel in diesem Jahr vorstellen können. 2024 war es dann rückläufig auf 43 Prozent. Und 2025 waren es sogar nur noch 37 Prozent."
Sprich: Mit Blick auf die steigenden Kosten in diesem Jahr hat noch ein gutes Drittel der rund 1400 Befragten über einen Wechsel nachgedacht. Nur knapp zehn Prozent hätten es 2025 auch tatsächlich getan. Der Hauptgrund dafür ist denkbar simpel: Im Alltag der Menschen hätten schlicht andere Dinge Priorität, erklärt Manner.
Obwohl die Wechselbereitschaft laut Wechselmonitor in den vergangenen Jahren gesunken ist, sieht Manner die Branche aber erst am Anfang einer Entwicklung. Denn durch Portale und Serviceanbieter werde es den Versicherten immer leichter gemacht, günstigere Angebote zu finden.
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