Alkoholverzicht am Jahresanfang: Spürt die Gastronomie den "Dry January"?
- Viele Gastronomen haben mittlerweile alkoholfreie Alternativen im Angebot.
- Da viele nach den Feiertagen tendenziell seltener ausgehen, rechnet die Gastronomie bis ins Frühjahr ohnehin mit geringeren Umsätzen.
- Alkoholfreie Drinks werden insgesamt beliebter, sind laut einem Barkeeper in der Zubereitung aber anspruchsvoller als alkoholische Cocktails.
Es ist Mittagszeit im Café Grundmann in der Leipziger Südvorstadt. Unter der Woche sitzen da vor allem Arbeitskollegen beim gemeinsamen Essen. Alkohol steht zu dieser Zeit eher selten auf dem Tisch. Oder hat das vielleicht auch mit dem "Dry January" zu tun?
"Nee, davon haben wir noch nichts gehört. Wir trinken gerne viel Tee, aber auch mal ein Gläschen. Das geben wir zu. Ja, ich würde es auch mal ausprobieren", sagen zwei der Gäste. Ein anderer erzählt: "Ich trinke gar keinen Alkohol, von daher ist für mich immer Dry January."
Für die Gäste, die zeitweise oder ständig auf Alkohol verzichten, hat Cafébesitzer Ecki Grundmann auch Alternativen auf seiner Karte: "Zum Sekt zum Beispiel haben wir alkoholfreie Seccos auf Fruchtbasis, die auch total gut schmecken und auch spritzig sind. Das ist eine feine Alternative."
Januar meistens umsatzschwächer – außer in Wintersportgebieten
Ob der "Dry January" die Menschen vom Gastrobesuch abhält, weiß er nicht. Denn unabhängig davon sei dieser Monat sowieso schon immer ein schwieriger. "Abseits von Dry January ist der Umsatz im Januar meistens eher mäßig. Weil nach den Weihnachtsausgaben für die Familien, nach den aufopferungsvollen Geschenkeritualen ist man traditionell eher geneigt, im Januar nicht wegzugehen."
Das bestätigt auch Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in Sachsen. Generell würden in den ersten Monaten des Jahres weniger Gäste kommen.
Gleichzeitig verweist Klein auch auf regionale Unterschiede: "Ausgenommen sind natürlich das Erzgebirge und alle Regionen, wo Schnee liegt und jetzt die Hauptsaison ist. Aber Januar bis März/April ist eine schwächere Saison und da ist natürlich ein kleiner Umsatzeinbruch zu verzeichnen. Aber das ist nicht so dramatisch, dass uns das jetzt treffen würde."
Barkeeper: Warum alkoholfreie Drinks schwieriger zuzubereiten sind
Manche Bars stellen sich auch gezielt auf den "Dry January" ein – und darauf, dass allgemein der Alkoholkonsum zurückgeht. Etwa in der Pinta Cocktailbar in Dresden. Jeder sechste Drink, den Barkeeper Joey Gleitsmann mixt, ist mittlerweile alkoholfrei.
Es sei aber komplizierter, einen guten alkoholfreien Drink zu machen, weil man auf ganz andere Dinge achten müsse. "Wir müssen das rausholen, was im Alkohol eigentlich schon längst vorhanden ist. Sprich: Wir brauchen Mundgefühl, etwas, das unsere Zunge triggert. Das kriegen wir mit Schärfe hin, das kriegen wir mit Öl hin, das kriegen wir mit Fetten hin."
Und dann müssen diese Drinks noch günstiger sein, sagt der Cocktailmixer. Denn ohne Alkohol wollen die Kunden auch weniger bezahlen.
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