Wie eine Wohngemeinschaft bei Riesa seit 25 Jahren gemeinsam lebt und alt wird
- In Jahnishausen lebt seit mehreren Jahren eine generationsübergreifende Gemeinschaft aus rund 40 Menschen.
- Die Gemeinschaft organisiert ihren Alltag gemeinsam; die Mieten sind vergleichsweise niedrig.
- Die vor 25 Jahren gegründete Gemeinschaft stieß zunächst auf Skepsis im Dorf, ist heute aber fest in Jahnishausen verankert.
Es ist ein kalter Wintertag im Januar in Jahnishausen, einem Ortsteil im Süden von Riesa. In einem von mehreren sanierten Gebäuden, darunter ein Schloss, die sich um eine vielseitige große Grünfläche formieren, begrüßt uns Kathrin Schanze mit einem einladenden Lächeln. Die Anfang 60-jährige vitale Frau lebt hier seit gut sechs Jahren. Geboren in Leipzig, hat sie die meiste Zeit in ihrem Leben in Gemeinschaften gewohnt.
Das Besondere hier sei die Altersspanne der rund 40 Mitbewohnerinnen und Bewohnern – von 3 bis 90 Jahren. Alle beteiligten sich an gemeinschaftlichen Projekten rund um die Bewirtschaftung, Instandsetzung und kulturelle Angebote, sagt Schanze: "Hier sind wir wie Puzzleteile. Jemand hat ein gutes Händchen einen Raum zu gestalten, jemand schneidert die Kostüme, ich mag es mit Leuten zu reden und zu bedienen. So kann jeder seine Talente einbringen und es wird ein schönes, gesundes und befriedigendes Ganzes."
Streitigkeiten um Geld
Aktuell leiste sich die Gemeinschaft zwei Angestellte, die auch auf dem Gut leben. Eine Gärtnerin für das Gartenstück, das die Menschen unter anderem mit selbst angebautem Gemüse versorgt und einem Handwerker, der Reparaturen und Sanierungsaufgaben erledigen kann. Jeden Mittag kocht ein kleines Team für alle und es wird gemeinsam gegessen.
Streit gebe es gelegentlich auch, zum Beispiel über Geld. Vor allem, wenn es um große Investitionen geht. Kredite werden in der Gemeinschaft über die Mieteinnahmen getilgt. Schanze erklärt, wie solche Probleme hier gemeinsam gelöst werden. Sie schildert, dass dieses Thema auch in der Supervision aufgegriffen worden sei. Dabei habe zunächst das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund gestanden, etwa durch Gespräche darüber, wie die Einzelnen mit Geld umgehen. "Das war spannend. Je mehr Vertrauen wir zueinander aufbauen, umso mehr sind wir auch in der Lage, uns gegenseitig Sicherheit zu geben."
Die Miete ist niedrig. Schanze zahlt für ihr helles gemütliches 20 Quadratmeter Zimmer knapp 400 Euro warm. Allerdings muss sich jeder Neuankömmling zunächst mit 7.500 Euro in die Gemeinschaft einkaufen. Das gehe auch in Raten betont Schanze.
Anfängliche Skepsis
Vor mittlerweile 25 Jahren waren es 7 Frauen aus Westdeutschland, die das Gut damals für 200.000 DM ersteigert haben. Die Menschen im angrenzenden Dorf Jahnishausen hielten die neuen Nachbarn damals für eine Sekte und drohten damit zu randalieren.
Nach und nach fielen die Mauern, freut sich Kathrin Schanze. "Es zeigt spätestens nach zwanzig Jahren, wie sehr Dorf und Gemeinschaft zusammenwachsen. Nachdem es zu Anfang Skepsis gab, hat sich das dann alles in schöne Bahnen bewegt. Es ist auch schon einiges daraus entstanden, sei es diese geselligen Plätze hier oder das Dorffest." Das habe nun schon einige Male auf dem Gelände der Gemeinschaft stattgefunden.
Ort für junge Menschen und Kinder
Von den ursprünglichen Gründerinnen leben mittlerweile nur noch zwei in der Gemeinschaft, die sie damals "Lebenstraum" tauften. Teil des Traumes war es schon immer, dass immer wieder junge Menschen und Kinder dazu kommen.
Heute sind Rebecca und Franz aus Dresden da. Die knapp 30-Jährigen streichen einen der Gemeinschaftsräume und befinden sich aktuell in der offiziellen Kennenlernphase. "Wir lernen die Leute und den Ort kennen, auch im Winter. Das wird immer nahegelegt, dass man auch mal kommt, wenn es grau und trist ist. Seit September sind wir hier regelmäßig immer mal da."
In der nächsten Phase, der Annäherungsphase, müssten sie ein Jahr bestehen, bevor die Gemeinschaft sich für oder gegen das neue Pärchen entscheidet. Kathrin Schanze kann man leicht anmerken, dass sie die jungen Interessenten sehr sympathisch findet.
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