Anhaltend eisig im Nordosten und vergleichsweise mild im Südwesten: Im Zuge des Klimawandels gebe es auch solche Dauer-Wetterlagen häufiger, sagt DWD-Meteorologe Andreas Walter der Deutschen Presseagentur. Bekannt sei das Phänomen unter anderem von den sogenannten Omega-Lagen im Sommer.

Diese langanhaltenden Phasen sind von einem starken Hochdruckgebiet über Mitteleuropa geprägt, das von zwei Tiefdruckgebieten flankiert wird. Folge ist anhaltend sonniges, trockenes und warmes Wetter, oft verbunden mit Hitzewellen und Dürren. Das Wetter steht quasi auf der Stelle – eben auf genau der Stelle, die den ganzen Regen oder die ganze Hitze dann auf einmal abbekommt.

Rückkopplungsmechanismen verstärken Extreme

"Und wenn man das weiterdenkt, wenn Regen und auch Hitzeereignisse länger über einer Region verharren, dann wird auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese Ereignisse immer extremer werden – durch Rückkopplungsmechanismen." So erklärte das Kai Kornhuber, der an der Columbia Climate School in New York und am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IISA) in Laxenburg bei Wien forscht, in einem früheren Gespräch über den Trend zu mehr Extremwettern bei MDR WISSEN.

Mit Blick auf das aktuelle Geschehen in Deutschland sei so eine Zweiteilung der Wetterlage nicht ungewöhnlich, erklärt Walter wiederum. "Das kommt häufiger vor." Fast 20 Grad Unterschied seien allerdings viel – und auch die lange Dauer sei besonders. Eine direkt verfügbare Statistik zur Häufigkeit solcher Wetterlagen gebe es aktuell nicht. In den vergangenen Tagen hatte das stationäre Hochdruckgebiet "Daniel" für Dauerfrost im Nordosten gesorgt. Der Südwesten wurde von atlantischen Tiefdruck-Ausläufern geprägt, die milde und feuchte Luft aus Südwesten heranführten, wie Walter erklärte.

Der Zusammenhang zwischen der Änderung der Wetterlagen und dem Klimawandel wird bereits seit längerer Zeit erforscht. Denn "Zukünftige Veränderungen sowohl bezüglich der Häufigkeit als auch bezüglich der Stärke von Extremen meteorologischer Parameter besitzen gegenüber denjenigen des mittleren Klimazustands ein bedeutend höheres Schadenspotenzial für Ökosysteme, Infrastruktur etc damit lassen sich die Entwicklungen", wie eine Untersuchung des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bereits 2015 den damaligen Forschungsstand zitierte. Die Forschenden forderten neue Strategien für die Beschreibung von Extremen.

Großwetterlage Brücke Mitteleuropa

Großwetterlagen sind erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts Thema in der Meteorolgie. "Da die Großwetterlagen und deren Abfolgen charakteristisch für eine bestimmte Region sind, stellen sich über lange klimatologische Zeiträume gewisse Häufigkeitsverteilungen ein", heißt es in einer Untersuchung des DWD aus dem November 2024. "Änderungen in den Häufigkeiten der Großwetterlagen können somit auch auf Klimaveränderungen hinweisen", so die Untersuchung weiter. Das DWD-Team entwickelte dafür ein neues System, mit dem die Entwicklung der Großwetterlagen verfolgt werden kann. In dieser ersten Untersuchung zeigten sich bereits Trends. So konnte für den Zeitraum 1961 bis 2020 eine "signifikante Zunahme der Tage mit Großwetterlage Brücke Mitteleuropa" festgestellt werden, genau der Wetterlage, die wir jetzt erlebt haben.

dpa/flo/gp

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