• Der Safer Internet Day soll das Bewusstsein für digitale Risiken schärfen.
  • Experten warnen, dass KI-Nutzung bei Jugendlichen sowohl Lernrisiken als auch emotionale Abhängigkeiten und soziale Defizite fördern kann.
  • Es wird über eine Altersgrenze für soziale Medien diskutiert, doch in Deutschland wird stattdessen eine strengere Plattformregulierung gefordert.

Der weltweite Safer Internet Day steht in diesem Jahr unter dem Motto "KI and me. In künstlicher Beziehung". Die Aktion, die auf eine europäische Initiative zurückgeht, soll das Bewusstsein für digitale Risiken schärfen – und gerade der Umgang junger Menschen mit künstlicher Intelligenz rückt dabei stärker denn je in den Fokus.

Experten warnen vor KI

Der Medienexperte Martin Heine betont im Interview mit MDR AKTUELL die Risiken, wenn Jugendliche KI unkritisch nutzen. "Man gibt eigene Daten und Unterlagen preis – und KI nutzt sie dann für sich", sagt er. Zudem bestehe die Gefahr, dass junge Menschen "das Lernen verlernen können, wenn die KI all das übernimmt, was die Schüler eigentlich selbst erledigen sollten". Deshalb brauche es Medienkompetenzvermittlung als Daueraufgabe, nicht nur am Aktionstag.

Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger warnt vor einer wachsenden emotionalen Bindung von Jugendlichen an KI-Systeme. Viele junge Nutzerinnen und Nutzer nähmen Chatbots inzwischen als soziale Partner wahr. Langfristig könnten soziale Fähigkeiten verkümmern oder es könnten problematische Empfehlungen entstehen – bis hin zu kriminellen Handlungen. Rüdiger fordert deshalb verpflichtende digitale Bildung ab der ersten Schulklasse: Die Gesellschaft habe Kinder "nicht hinreichend auf die sozialen Medien vorbereitet. Jetzt müssen wir sie auf das KI-Zeitalter vorbereiten".

Debatte um Social-Media-Altersgrenze neu entfacht

Parallel zur KI-Diskussion wurde am Safer Internet Day erneut über eine mögliche Altersgrenze für soziale Medien diskutiert. Mehrere Länder – darunter Australien, Frankreich und Spanien – haben bereits Verbote für unter 16-Jährige beschlossen oder auf den Weg gebracht. Auch Cyberkriminologe Rüdiger unterstützt diese Debatte grundsätzlich und verweist auf Risiken wie Cybergrooming, Suchtverhalten und belastende Inhalte.

In Deutschland stehen jedoch viele Stimmen einem pauschalen Verbot skeptisch gegenüber. SPD-Vize Alexander Schweitzer betont, soziale Medien seien heute "ein selbstverständlicher Teil von Kommunikation, Lernen und Teilhabe". Verbote gingen am Kern der Probleme vorbei, argumentieren auch SPD-Politikerin Carmen Wegge und CDU-Digitalpolitiker Philipp Amthor, der zugleich die Chancen für demokratischen Austausch hervorhebt.

Statt Verboten plädieren viele Fachleute für stärkere Regulierung der Plattformen. Juso-Chef Philipp Türmer fordert eine strikte Durchsetzung des europäischen Digital Services Act, da Geschäftsmodelle auf Aufmerksamkeit – und damit oft auf Risiken – basierten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert außerdem Algorithmen, die Kinder "in ihren Bann ziehen" könnten. Die Bundesregierung hat eine Expertenkommission eingesetzt, die bis 2026 Vorschläge für eine gesetzliche Regelung der Social-Media-Nutzung junger Menschen vorlegen soll.

MDR/AFP/dpa (jst)

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