• Für die animierte Fortsetzung von "Stranger Things" ersetzte Netflix die deutschen Synchronsprecher, weil sie eine KI-Rechteklausel nicht unterschreiben wollten.
  • Verbände raten von der KI-Rechteabtretung ab und fordern von Netflix Neuverhandlungen.
  • Trotz einer Vereinbarung zur gesonderten KI-Zustimmung fordern Synchronsprecher klarere und verbindlichere Verträge.

Die animierte Fortsetzung der Erfolgs-Serie "Stranger Things" geht im April bei Netflix an den Start – allerdings mit neuen Synchronstimmen. Die bisherigen Sprecherinnen und Sprecher der deutschen Fassung weigern sich eine neue Klausel zu unterschreiben und wurden kurzerhand ausgetauscht. Die sogenannte Rechteabtretung erlaubt es Netflix, mit den Synchronstimmen Künstliche Intelligenz zu trainieren.

Gerrit Schmidt-Voß, Vorstand im Synchronverband und unter anderem die deutsche Stimme von Leonardo DiCaprio, hat nicht unterschrieben. Er begründet das damit, dass aus seiner Sicht nicht ausreichend transparent gemacht werde, was genau mit den erhobenen Daten geschehen solle. Zwar räume Netflix ein, KI lediglich für interne Zwecke oder kleinere Korrekturen bei Synchronarbeiten einsetzen zu wollen. Gleichzeitig sehe er jedoch Gefahren: "Wenn man mit einer KI eine Stimme nachformen kann, ist die lange Sicht, dass auf irgendeiner Art und Weise unsere menschliche Arbeit ersetzt werden soll."

Verband: Sprecher sollen nicht unterzeichnen

Sowohl der Synchronverband als auch der größere Verband deutscher Sprecher (VDS) rät seinen Mitgliedern davon ab, die Rechteabtretung zu unterzeichnen. Ein vom VDS in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten listet erhebliche Mängel auf. VDS-Vorständin Anna-Sophia Lumpe sagt, etwa 800 Betroffene hätten nicht unterschrieben, rund 200 hingegen schon. Netflix habe ein informelles Gespräch Ende des Monats in Aussicht gestellt.

Der VDS wird laut Anna-Sophia Lumpe weiterhin fordern, dass Netflix neu verhandeln muss und die Rechteabtretungsvereinbarung für mehrere Monate ausgesetzt wird, damit die Sprecherinnen und Sprecher wieder arbeiten können: "Denn es ist nicht so, dass sie nicht für Netflix arbeiten möchten. Sie möchten respektiert werden und Verträge auf Augenhöhe abschließen. Das ist kein Vertrag auf Augenhöhe, sondern ein Vertrag, der das Gefälle der Macht ausnutzt."

Streit um Vereinbarung

Anna-Sophia Lumpe, die selbst Schauspielerin ist, kritisiert auch eine Vereinbarung, die der Schauspielerverband BFFS mit Netflix geschlossen hat. Till Völger, BFFS-Vorstand und Rechtsanwalt, erläutert, dass in der Zusatzvereinbarung im Kern festgehalten worden sei, dass Netflix verpflichtet werde, bei der Erstellung von KI-Stimmen – egal ob es sich um Klone oder synthetische Stimmen handele – sämtliche betroffenen Kolleginnen und Kollegen jeweils gesondert und ausdrücklich um ihre Zustimmung zu bitten, sofern solche Stimmen auf Grundlage ihrer Aufnahmen erzeugt werden sollen.

Besonders wichtig sei dabei: "Dass diese Zustimmung gesondert erfolgen muss. Das heißt, es darf nicht in irgendeinem Produktionsvertrag als Klausel 21 – oder was auch immer – hinten reingemogelt werden", erklärt Völger.

Auf diese Vereinbarung verweist auch Netflix. Auf Anfrage betont ein Netflix-Sprecher, die aktuellen Diskussionen und Reaktionen nehme man ernst. Ziel sei es, die langjährige Partnerschaft fortzuführen. Den deutschen Synchronsprechern reicht das nicht. Sie wollen vertraglich klare Zusagen darüber, in welcher Form und welchem Umfang ihre Stimmen verwendet werden und wie das honoriert wird. Ausgang des Streits: offen.

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