Große Mehrheit sorgt sich um Weltlage und sieht in USA keinen Verbündeten
- Drei Viertel sehen die USA nicht als Verbündeten von Deutschland.
- Frauen schauen besorgter auf die Weltlage.
- Europa soll sicherheitspolitisch unabhängiger werden. Es herrscht aber Uneinigkeit bei möglichen Maßnahmen.
Die Münchner Sicherheitskonferenz soll ab Freitag Lösungsansätze für die vielen internationalen Konflikte finden. Fortschritte sind dringend nötig – so die Meinung der MDRfragt-Community.
Neun von zehn Befragten sorgen sich um die Weltlage. Viele befürchten weitere gewaltsame Konflikte auf der Welt. Zwei Drittel der Teilnehmenden haben sogar Angst um Deutschlands Sicherheit. An der Umfrage beteiligten sich mehr als 23.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen‑Anhalt und Thüringen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKIn den Rückmeldungen der Befragten wiederholen sich drei Argumente vielfach. Erstens hängt in den Augen vieler die Entwicklung der Weltlage sehr eng mit den Entscheidungen und Äußerungen von Donald Trump und Wladimir Putin zusammen. Nicole (45) aus dem Landkreis Meißen schreibt stellvertretend für viele: "Mir wird bange, wenn einzelne Personen wie Trump und Putin so viel Macht haben und keinen Hehl daraus machen, dass sie sich nehmen werden, was sie haben wollen, und dabei jedes geltende Recht ignorieren."
Die Welt wird neu aufgeteilt und Europa schaut mehr oder weniger zu.
Zweitens betonen viele Befragte, dass sie eine Neuordnung der Welt mit einem Aufstieg autoritärer Regierungen wahrnehmen. "Die Welt wird neu aufgeteilt und Europa schaut mehr oder weniger zu", findet etwa Henry (62) aus dem Landkreis Bautzen.
Drittens sind viele darüber enttäuscht, wie Deutschland und Europa auf die vielen Krisen reagieren. "Deutschland heizt die Lage noch an durch immer weitere Waffenlieferungen, anstatt auf Verhandlung zu setzen", schreibt Walburga (39) aus Leipzig. Tanja (31) aus Dresden kommentiert: "Ich habe nicht das Gefühl, dass die Politik in guten und kompetenten Händen ist, weder in Deutschland noch in anderen Ländern."
USA werden nicht als Verbündeter eingestuft
Auf den Streit um Grönland blicken die Teilnehmenden spürbar anders als auf andere internationale Krisen. US-Präsident Donald Trump möchte Grönland zum US-amerikanischen Staatsgebiet machen und droht mit einer Annexion. Die Befragten fordern hier mehrheitlich, dass Deutschland klarer Position beziehen müsse.
Dagegen überwiegt bei den Krisen in Gaza, Iran, Sudan, Taiwan, Ukraine und Venezuela die Meinung, Deutschland solle zurückhaltender agieren oder seine aktuelle Außenpolitik beibehalten.
Die US-amerikanische Außenpolitik unter Donald Trump trägt laut vielen Kommentaren der MDRfragt-Teilnehmer maßgeblich zur wahrgenommenen globalen Unsicherheit bei. Drei Viertel der Befragten sehen in den USA keinen Verbündeten von Deutschland.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKSo schreibt Ines (56) aus Leipzig zum Beispiel: "Die USA haben keine Verbündeten, nur Interessen." Zudem meint Jürgen (59) aus dem Burgenlandkreis: "Die USA betreiben eine Diplomatie der Erpressung und die meisten Politiker in Europa machen einen Kniefall." Bernd (72) aus Saalfeld-Rudolstadt kommentiert: "Ich bin der festen Überzeugung, dass uns Amerika im Ernstfall eines Angriffs derzeit nicht unterstützen würde."
Drei Viertel befürchten sogar, dass die USA unter Präsident Trump weitere Länder angreifen könnten. Viele teilen die Meinung von Anja (64) aus Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie schreibt: "Trump ist unberechenbar. Ich traue ihm alles zu." Daniela (49) aus dem Vogtlandkreis blickt mit zunehmender Sorge auf die USA: "Als Sie das zum letzten Mal gefragt hatten, dachte ich noch, Trump würde keine anderen Länder angreifen. Nach der Sache in Venezuela und seiner Nachricht an Norwegen, dass er sich dem Frieden nicht mehr verpflichtet fühlt, mache ich mir nun mehr Sorgen."
Frauen sind besorgter
Es fällt auf, dass Frauen und Männer die internationale und nationale Sicherheitslage in der Befragung unterschiedlich einschätzen. 92 Prozent der weiblichen Befragten sorgen sich um die Weltlage. Bei den männlichen Befragten sind es nur 82 Prozent. Noch deutlicher fällt die Differenz beim Blick auf Deutschland aus: 70 Prozent der weiblichen Befragten und nur 54 Prozent der männlichen Befragten sorgen sich um die Sicherheit Deutschlands. Die USA stufen Männer doppelt so häufig als Verbündeten ein im Vergleich zu Frauen.
In der nachfolgenden Grafik können Sie über das grau hinterlegte Feld links oben zwischen verschiedenen Fragen auswählen:
Europa soll unabhängiger werden – nur wie?
Aus der als unsicher wahrgenommenen Weltlage zieht eine wachsende Mehrheit den Schluss, dass sich Europa stärker um die eigene Sicherheit kümmern müsse, statt sich auf die NATO zu verlassen. Diese Meinung stieg von 70 Prozent im Februar 2024 auf nun 79 Prozent im Februar 2026.
Allerdings fallen die Rückmeldungen der MDRfragt Mitglieder in Mitteldeutschland bei der Abfrage konkreter Maßnahmen weniger eindeutig aus. Nur eine knappe Mehrheit von 59 Prozent befürwortet eine eigene EU-Armee. Zum Vergleich ganz anders fällt die Meinung in Norddeutschland aus: Dort wünschen sich 75 Prozent der Befragten eine EU-Armee, so das Ergebnis von NDRfragt, dem Meinungsbarometer für Schleswig‑Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg‑Vorpommern und Niedersachsen.
Auch eine weitere potenzielle Maßnahme, höhere deutsche Rüstungsausgaben, stößt in Mitteldeutschland auf geteiltes Echo. Eine knappe Mehrheit befürwortet mehr Investitionen in Waffen und Militärtechnik.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKNachfolgend eine Auswahl an Kommentaren für und gegen höhere Rüstungsausgaben in Deutschland:
Befürworter der Aufrüstung kritisieren vielfach, dass die Bundeswehr in ihrem jetzigen Zustand nicht die Sicherheit Deutschlands gewährleisten könne. Viele fordern auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Viele Kritiker glauben hingegen, dass Diplomatie und Abrüstung bessere Strategien seien. Eine wahrgenommene Militarisierung des Alltags macht vielen Angst. Einige kritisieren auch, dass Rüstungsinvestitionen der Wirtschaft nicht nachhaltig nützen würden.
Über diese Befragung
Die Befragung: "Krieg und Machtverschiebung – Wie blicken Sie auf die Welt?" lief vom 29. Januar bis 2. Februar 2026. Insgesamt haben 23.332 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitgemacht.
Bei MDRfragt können sich alle anmelden und beteiligen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wohnen, denn: Wir wollen die Vielfalt der Argumente kennenlernen und abbilden. Die Kommentare der Befragten erlauben, die Gründe für die jeweiligen Positionen und das Meinungsspektrum sichtbar zu machen.
Da sich jede und jeder beteiligen kann, der möchte, sind die Ergebnisse von MDRfragt nicht repräsentativ. Die Ergebnisse von MDRfragt werden nach bewährten wissenschaftlichen Kriterien und Methoden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad gewichtet, um sie an die tatsächliche Verteilung in der mitteldeutschen Bevölkerung anzupassen.
Damit wird die Aussagekraft der Ergebnisse erhöht und es ergibt sich ein valides und einordnendes Stimmungsbild aus Mitteldeutschland. MDRfragt wissenschaftlich beraten und begleitet. Dabei geht es um die Weiterentwicklung des Angebotes ebenso wie über die Überprüfung der Aussagekraft, beispielsweise durch regelmäßige Validitätstests.
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