Studie: Luft in ostdeutschen Städten fast so gut wie auf dem Land
Während einiger kalter Wochen im Februar 2017 war dicke Luft in der Leipziger Eisenbahnstraße. Die Messstation des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) fand zahlreiche Partikel, die aus der Verbrennung von Kohle und Holz stammten, von Abgasen aus dem Verkehr von Dieselmotoren mit fehlerhafter Abgasreinigung. Allerdings: Als die Forschenden diese Daten mit denen der Messstation Melpitz bei Torgau verglichen, stellten sie fest: 91 Prozent der Belastung waren praktisch identisch. Es gab nur eine leichte Verzögerung: Im Dorf kam die schlechte Luft zuerst an, danach zog sie weiter in Richtung Stadt. Das zeigt die nun im Fachblatt ACS ES&T Air veröffentlichte Studie.
Feinstaub aus Südosteuropa: Warum Leipzigs Luftverschmutzung oft von weit her kommt
Hartmut Herrmann, Atmosphärenphysiker beim Tropos, ist von den Ergebnissen nicht überrascht. Vielmehr setzen sie eine langjährige Entwicklung fort. "Aus dem Osten kommen sehr oft Aerosole aus der Kohle- und der Holzverbrennung", sagt er. Stammte dieser Smog vor zwanzig Jahren häufig noch aus Polen und Tschechien, wurden dort die meisten Anlagen inzwischen modernisiert. Die europäischen Regeln zur Luftreinhaltung greifen. Inzwischen kommt der Feinstaub dagegen vor allem vom Balkan. "In Südosteuropa heizten viele Menschen noch mit Kohle und sie nutzen Kohleboiler, für die Warmwassererzeugung", sagt er.
Vom schlechten Wind ist in der Regel nur der Südosten von Deutschland betroffen. Die westlichen Bundesländer erreicht der Feinstaub meistens nicht mehr. Bei zukünftigen Messungen in Leipzig erwartet Herrmann aber weitere Besserung. Denn inzwischen verbessern sich die Bedingungen auch in Ländern wie Rumänien oder Bulgarien.
Deutlich weniger Emissionen als früher: Wie Leipzigs Luft sauberer wurde
Im Grunde erzählen die Daten eine Erfolgsgeschichte. "Die lokalen Partikelquellen aus Leipzig sind sehr viel kleiner geworden", sagt er. Vor 25 Jahren sei das noch völlig anders gewesen. Damals habe man in der Stadtmitte oder an der Eisenbahnstraße viele Spuren von Autos gemessen, etwa von Dieselmotoren ohne Nachbehandlung oder Benzinern ohne Katalysator. "Seitdem haben sich die Werte deutlich verbessert, mindestens um das Zwanzigfache“, sagt er.
Der Trend gilt auch für Deutschland im Ganzen. Wie das Umweltbundesamt kürzlich mitgeteilt hat, haben sie die Maßnahmen zur Luftreinhaltung ausgezahlt. Im vergangenen Jahr wurden demnach alle Grenzwerte der europäischen Luftqualitätsrichtlinien eingehalten.
Holzöfen als neues Problem: Warum Gemütlichkeitsfeuer heute zur Luftbelastung beitragen
Hat Deutschland also alle Hausaufgaben erledigt? Nicht ganz, sagt Herrmann. Denn sogenannte Gemütlichkeitsfeuer, also Holzöfen, die sich mancher Hausbesitzer noch als Luxus gönnt, stellen inzwischen einen deutlichen Beitrag zur Luftverschmutzung dar. "Besonders im Winter und bei Inversionswetterlagen sehen wir da gewichtige Beiträge zur Feinstaubbelastung", sagt der Forscher.
Das Problem ist aus seiner Sicht ein lösbares. Wer auf den Ofen nicht verzichten will, könnte etwa einen Keramikfilter einsetzen. "So ein Filter, den man einmal im Jahr tauscht, kostet ungefähr 400 bis 500 Euro. Das wäre ein vertretbarer Aufwand", sagt er.
Und auch ansonsten sind die guten Noten kein Grund, sich auszuruhen. Denn bis 2030 werden die Grenzwerte strenger. Experten sehen bei Stickoxiden und Feinstaub noch weiteres Verbesserungspotenzial.
Links/Studien
- Atabakhsh, Samira et al.(2025): Effect of Long-Range Transported Aerosol on Urban Air Quality in Eastern Germany, ACS EST Air
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