Zecken-Winterpause war einmal. Die Spinnentiere sind mittlerweile ganzjährig aktiv, erobern sogar kühlere Berglagen und verbreiten das FSME-Virus, das die Hirnhautentzündung Frühsommer-Meningoenzephalitis verursacht, in ganz Deutschland. "Wir müssen davon ausgehen, dass ganz Deutschland inzwischen ein FSME-Risikogebiet ist", so die Parasitologin Ute Mackenstedt. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken steige auch die Zahl der Personen, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (FSME) erkranken, so die Professorin an der Uni Hohenheim. Dort wurden heute (17.2.26) die vorläufigen Zahlen für das vergangene Jahr vorgestellt.

Verlauf der gemeldeten FSME-Fälle von 2001 bis 2025.Bildrechte: Universität HohenheimRobert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0

"Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 im vergangenen Jahr übertroffen haben werden", berichtete Gerhard Dobler. Der Mikrobiologe leitet Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME. Aktuell gebe es 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025, so Dobler. "Hinzu kommen noch 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft werden. Im Jahr 2024 gab es 695 gesicherte Erkrankungen – und das galt damals schon als eines der Rekordjahre."

In den kommenden Jahren werden die Werte voraussichtlich weiter steigen, so Mackenstedt. "In der Vergangenheit hatten wir gewisse Zyklen: Das heißt, auf ein Jahr mit besonders vielen Erkrankungsfällen folgten ein bis zwei Jahre mit geringeren Fallzahlen. Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen Fallzahlen von 400 bis 500 Krankheitsmeldungen." Dafür gebe es verschiedene Gründe, ein Treiber sei jedoch der Klimawandel: "Die wärmeren Temperaturen lassen Zecken in kühlere Regionen im Norden und im Gebirge vordrängen. In manchen Jahren sind sie selbst im Winter aktiv. Vor allem aber überleben viel mehr Zecken die wenigen Frosttage, so dass wir bereits im Frühjahr einen ersten Peak an FSME-Meldungen haben", so die Parasitologin.

Das Robert Koch-Institut hatte erst im Februar 2025 drei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland ausgewiesen. Darunter ist auch der Landkreis Elbe-Elster im südlichen Brandenburg. Sachsen, das südöstliche Thüringen sowie Dessau-Roßlau und Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt waren bereits Risikogebiete für die von Zecken übertragene Krankheit. Zecken-Experten Dobler hätte gern wie seine Kollegin Mackenstedt eine andere Einteilung. Auch nach seiner Einschätzung sollte ganz Deutschland als Risikogebiet und die bisherigen Risikogebiete als Hochrisikogebiete bezeichnet werden.

gp/pm

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