Umwelthilfe: Heizungsgesetz gefährdet Klimaziele und treibt Heizkosten in die Höhe
- Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor gefährdeten Klimazielen und steigenden Heizkosten.
- Der Verband Haus und Grund begrüßt flexiblere Investitionen.
- Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima lobt weniger Bürokratie beim Heizungseinbau.
- Der Bundesverband der Energieberater warnt vor Kostenfallen durch wegfallende Beratung.
Eines der Kernstücke des alten Heizungsgesetzes war die 65-Prozent-Regel. Die besagt, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Im neuen Heizungsgesetz wird diese Regelung abgeschafft.
Paula Brandmeyer von der Deutschen Umwelthilfe sagt, dass die Klimaziele im Gebäudesektor so nicht mehr erreicht werden könnten: "Die Planungssicherheit, die wir uns alle erhofft hatten, gibt es nicht. Das, was die Bundesregierung jetzt macht, ist, dass sie die Hausbesitzer geradezu ermutigt, neue Gas- und Ölheizungen einzubauen." Und das ist laut Brandmeyer eine "Sackgasse".
Statt auf erneuerbare Energien wie Sonne oder Erdwärme setzten Union und SPD auf klimafreundliche Brennstoffe wie zum Beispiel Bio-Gas. Die Pläne für das neue Gesetz sehen vor, dass die Heizungen ab 2029 zu mindestens zehn Prozent mit diesen Brennstoffen betrieben werden sollen. Ein weiterer Anstieg dieser Quote soll noch festgelegt werden.
Weil etwa Bio-Gas selten und gefragt und deshalb teuer sind, befürchtet Brandmeyer, dass die Heizkosten in Zukunft deutlich steigen könnten. Denn diese Stoffe würden eigentlich für die Dekarbonisierung der Industrie gebraucht und seien nicht für den Gebäudesektor gedacht. "Weil wir gerade im Gebäudesektor mit der Wärmepumpe eine Alternative haben, die günstiger ist und die Technologie ist, die uns die Klimaziele dort erreichen lässt."
Eigentümer sind erleichtert
Der Verband Haus und Grund, der vor allem die Interessen von Immobilieneigentümern vertritt, sieht das anders. Präsident Kai Warnecke ist überzeugt, dass durch die Änderungen am Heizungsgesetz ein praxistauglicher Klimaschutz möglich wird. Er bezeichnet die Pläne der Bundesregierung als "sehr positiv" für die Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer.
Das Gesetz setzt laut Warnecke an der richtigen Stelle an: "Die wesentlichen Änderungen betreffen genau die Bereiche, die die Modernisierung eher erschwert, als erleichtert haben. Wir haben jetzt die Möglichkeit, das Geld, das vorhanden ist, zielgerichtet zu investieren – und zwar genau passend zum Gebäude und zur künftigen Energieversorgung." Das sei der Beginn einer vernünftigen Energiewende.
Weniger Bürokratie beim Heizungseinbau
Und was sagen die, die die Heizungen am Ende einbauen? Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima, ist froh, dass nun endlich die Eckpunkte des neuen Gesetzes bekannt sind und damit klarer ist, was in Zukunft möglich sein wird.
Föst freut sich, dass es nun unbürokratischer werden soll. "Oder zumindest sieht es so aus, als würde es unbürokratischer werden. Wir müssen nicht mehr so viel dokumentieren und es ist nicht mehr so komplex. Das ist viel Wert." Außerdem befürwortet er, dass die Förderung beim Heizungstausch bis 2029 gut finanziert ist.
Keine verpflichtende Beratung mehr
Mit dem neuen Gesetz soll auch die verpflichtende Beratung vor dem Einbau einer neuen Heizung abgeschafft werden. Stefan Bolln, Vorsitzender des Bundesverbands der Energieberater, sieht dadurch große Nachteile für die Endverbraucher: "Die Beratung in der Praxis muss trotzdem stattfinden, sonst tappen Verbraucher gerade in den schlechtesten Gebäuden in eine Kostenfalle, die in ein paar Jahren auftreten wird. Weil, je mehr Bio-Gas man braucht, desto mehr wird man produzieren müssen und umso teuer wird es."
Bolln setzt darauf, dass sich im Gesetzgebungsverfahren noch einiges an den bisher bekannten Plänen ändert. Viel Zeit für Beratungen bleibt aber nicht. Denn das Ziel der Regierung ist, dass das Gesetz bereits im Juli in Kraft tritt.
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