"Haben alle für drei gearbeitet und das ist der Dank?": Mitarbeiter im Congress Hotel Chemnitz frustriert
Mit dem Aus des Congress Hotels in Chemnitz will sich Angela Grigoryan nicht abfinden. Die Rezeptionistin in Teilzeit findet: "Das ist ein Hotel mit einer langen, interessanten Geschichte. Es hat es nicht verdient, dass es so plötzlich kurzfristig zumacht. Das hat sich keiner so vorgestellt, weder die Chemnitzer noch die Mitarbeiter."
Die 33-Jährige studierte Linguistin aus Armenien fand vor 2,5 Jahren im Hotel ihre erste Arbeit in Deutschland. "Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt im Team. Meine Kollegen und mein Management waren sehr zuvorkommend, sehr lieb, sehr hilfsbereit."
Überraschendes Aus trifft Team unvorbereitet
Dass die Betreibergesellschaft Maya Hotel Operations das markante Hotel kurzfristig Ende Januar schloss, habe alle überrascht, sagt Angela Grigoryan. "Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht, besonders letztes Jahr als Chemnitz Kulturhauptstadt war. Es war wahnsinnig viel los, mit vielen Reisegruppen, vielen individuellen Reisenden." Jetzt wüssten die 40 Beschäftigten nicht, wie es weitergeht. "Was genau passiert, wissen wir auch nicht. Kündigungen haben wir noch nicht."
Deutlicher wird die Auszubildende im 3. Lehrjahr, Angelina Nitsche. "Drei Monate vor der Prüfung sagen sie, wir machen zu und müssen uns etwas Neues suchen. Das war schon schockierend." Einen Arbeitsplatzwechsel hatte die angehende Hotelfachfrau vor Ende ihrer Lehre nicht geplant. Die Stimmung unter den 40 Kollegen beschreibt sie so: "Der Großteil ist frustriert. Wir haben uns letztes Jahr wirklich den Arsch abgearbeitet. So viele Überstunden für alle. Gefühlt haben wir alle für drei gearbeitet. Und der Dank ist, dass wir zumachen?" Der Grund für die Schließung seien Brandschutzvorkehrungen, die nicht den Standards entsprächen und viel investiert werden müsste.
So viele Überstunden für alle. Gefühlt haben wir alle für drei gearbeitet. Und der Dank ist, dass wir zumachen?
Angelina Nitsche sucht einen Betrieb, wo sie ihre Ausbildung als Hotelfachfrau abschließen kann. Drei Monate vor den Abschlussprüfungen wollte sie sich eigentlich aufs Lernen konzentrieren. "Schon blöd", sagt sie.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKLeere Schichten und wachsende Unsicherheit
Angela Grigoryans und Angelina Nitsches Kollegin Lisa von der Rezeption hatte Ende Januar die letzten Hotelgäste ausgecheckt. Ihre Gefühlslage beschreibt sie als "seltsam". Keine Gäste mehr, kein Hotelbetrieb und dennoch kommen alle regelmäßig zu ihren Schichten, während es außer Wegwerfen nichts zu tun gibt. "Untereinander ist alles angespannt. Wir wissen nicht, wo der Anfang und wo das Ende ist."
Wir wissen nicht, wo der Anfang und wo das Ende ist.
Auch eine andere Angestellte, die ihren Namen nicht nennen möchte, beschreibt MDR SACHSEN die Lage als "zermürbend, unbefriedigend und komisch". Die Beschäftigten hätten sich ja nicht für den Hotelberuf entschieden, um zu sitzen, zu warten und Dinge zu schreddern. "Wir klammern uns an den Gedanken, dass die Hoffnung zuletzt stirbt."
Belegschaft geht auf potenzielle Betreiber zu
Daher sei die Belegschaft auch an die Öffentlichkeit mit einer besonderen Bewerbung gegangen. Unter dem Titel "Kult-Hotel mit Dream-Team sucht neuen Betreiber mit Herz und Vision" hatte das 40-köpfige Team Bewerbungsunterlagen an 15 Hotelbetreibergesellschaften verschickt.
Darin schreiben sie: "Zusammen haben wir viel Herzblut in diesen Ort gesteckt und dafür gesorgt, dass sich auch prominente Gäste wie Katarina Witt hier wie zu Hause fühlen. Deshalb sind wir uns sicher: Das Congress Hotel hat noch viel Potential - und wir sind bereit, es zu heben".
Unklare Infolage belastet Beschäftigte zusätzlich
Alle hofften auf eine neue Chance mit einem neuen Betreiber, sagen die drei Frauen. "Es stehen ja auch Existenzen dahinter. Viele haben Familie, Kinder. Es ist für alle ein wertvoller Job." Das Team habe immer, aber gerade im vergangenen Jahr der Kulturhauptstadt funktioniert und viel geschafft. "Von der Führungsebene fühlen wir uns teilweise im Stich gelassen. Wir bekommen ganz schwer konkrete Informationen. Es ist immer ein Hinhalten."
Nach ihren Informationen werde gerade mit dem Betriebsrat ein Sozialplan ausgehandelt. Erst wenn der stehe, sollen Kündigungen ausgesprochen werden. Zwischen "Hoffen und Bangen macht sich auch Resignation breit", sagt die Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennt, leise.
Azubi Angelina Nitsche hatte am Mittwoch ein Bewerbungsgespräch, damit sie ihre Ausbildung beenden kann. Sie hofft, dass sie einen neuen Betrieb findet. "Das ist alles blöd, unpraktisch. Ich wollte mich eigentlich auf die Prüfungen konzentrieren und lernen. Ich hab' auch vor zwei Monaten erst eine zweijährige Mietbindung unterschrieben."
Blick auf die markante Fassade des Congress Hotels, das 1974 eröffnete. An vielen Stellen zeigt sich der Sanierungsbedarf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKHoffen auf Neuanfang
Rezeptionistin Angela Grigoryan hofft sehr, "dass wir neue Betreiber für dieses tolle Hotel und tolle Team finden. Dass es weitergeht mit dem gleichen Team." Manche seien seit 40 Jahren im Haus, hätten im Congress Hotel schon ihre Ausbildung absolviert. "Es ist nicht nur ein Job, nicht einfach eine Schließung eines Hotels. Es ist etwas Emotionales."
MDR (kk/abe/lpr)
Weiterführende Links
- 22. Januar 2026Licht aus im Congress-Hotel: Viele Chemnitzer geschocktmit Video
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