• Laut Deutscher Bahn kann der Halbstundentakt wegen Fahrplanzwängen und Konkurrenzangeboten nicht immer eingehalten werden.
  • Den Halbstundentakt ganztägig anzubieten, hält der Fahrgastverband Pro Bahn für unrentabel.
  • Der Verband kritisiert außerdem, dass die zusätzlichen Fernverkehrs-Verbindungen im Halbstundentakt teilweise zulasten des Nahverkehrs gehen.

Tatsächlich – beim Blick auf den Regelfahrplan, der am Hauptbahnhof von Halle aushängt, wird klar: So ganz geht das Versprechen der Bahn nicht auf.

Auf den Strecken Halle-Berlin und Halle-Erfurt gibt es vereinzelt Lücken im Halbstundentakt. Mal fährt der nächste Zug im Fernverkehr erst etwa eine dreiviertel Stunde nach dem vorangegangenen oder sogar erst eine Stunde danach.

Deutsche Bahn verweist auf Fahrplanzwänge

Das gibt die Deutsche Bahn selbst zu. In einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage von MDR AKTUELL teilt das Unternehmen mit: "Ein exakter Abstand von 30 Minuten ist (…) aus fahrplantechnischen Gründen wie Berücksichtigung wichtiger Anschlussverbindungen, freie Kapazitäten im Netz nicht immer realisierbar."

Dass es manchmal die nächste Verbindung erst innerhalb einer Stunde gibt, hat auch noch einen anderen Grund. In der schriftlichen Antwort der Bahn heißt es weiter: "Ursache hierfür sind Verkehrsleistungen eines Wettbewerbers, die es DB Fernverkehr nicht ermöglichen, in diesen Zeitlagen ein eigenes Angebot bereitzustellen."

Bei dem Wettbewerber handelt es sich um den privaten Anbieter Flixtrain, der in den entsprechenden Zeitachsen den Fernverkehr bedient.

Fahrgastverband: Ganztägiger Halbstundentakt wirtschaftlich nicht rentabel

Für die einzelnen Lücken im Halbstundentakt hat Detlef Neuß Verständnis. Er ist Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn.

"Den ganzen Tag über – zum Beispiel auch am frühen Nachmittag oder nach den Hauptverkehrszeiten – Züge im Halbstundentakt fahren zu lassen, ist betriebswirtschaftlich einfach nicht darstellbar. Das ist nicht rentabel."

Es sei deshalb durchaus verständlich, in diesen Zeitachsen auf den Halbstundentakt zu verzichten und sie für Konkurrenzanbieter offen zu lassen.

Mehr Halbstundentakt im Fernverkehr, dafür weniger Nahverkehr

Trotzdem sieht Neuß von Pro Bahn den neuen Fahrplan auch kritisch. Denn neben mehr Verbindungen im Halbstundentakt fahren anderswo Züge seltener und andere Verbindungen fallen ganz weg.

"Da werden Strecken ausgedünnt, die gut genutzt worden sind – vor allem auch im Nahverkehr. Wenn da eine Verbindung wegfällt, ist das ausgesprochen unangenehm für die Fahrgäste." Im Fernverkehr etwa entfallen viele IC-Verbindungen von Leipzig nach Nürnberg über Jena und Rudolstadt.

In Fällen, wo sich der Betrieb von Strecken nicht mehr lohnt, brauche es mehr finanzielle Unterstützung für die Bahn, fordert Neuß. Dann müssten eben Bund und Länder einspringen.

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