• Der Chemiepark Leuna ist wegen der bestehenden Infrastruktur und Offenheit für Neuansiedlungen nach wie vor ein attraktiver Standort.
  • Trotz der Investitionen bleibt die Lage in Leuna angespannt, weil bestehende Betriebe unter Energiepreisen und Wettbewerbsdruck leiden.
  • Ob der insolvente Kunststoffhersteller Domo gerettet werden kann, könnte sich noch in dieser Woche entscheiden.

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Deutschlands größtem Chemiepark. Die Firma MicroHarvest will in Leuna eine Fermentationsanlage bauen.

Sie soll aus Resten der Zuckerproduktion ein Proteinpulver herstellen, das für Lebensmittel oder Tierfutter genutzt werden kann, erklärt Geschäftsführer Jonathan Roberz. Bis zu 50 Tonnen Proteinpulver will MicroHarvest täglich produzieren. Das Verfahren wurde zuvor in Lissabon getestet.

Dass Leuna am Ende den Zuschlag bekommen hat, liegt an der Landwirtschaft ringsherum und an der Infrastruktur, sagt Roberz. "Und der letzte Aspekt ist: Leuna ist ein Ort, wo Technologie gewollt ist. Das ist wirklich eine Region, die Industrie mag und Ansiedlungen will und da progressiv nach vorne geht, während man in vielen anderen Regionen deutlich mehr Diskussion hat."

Milliardeninvestitionen in neue Anlagen

Und so bauen mitten in der Krise auch andere in Leuna: Die finnische UPM‑Gruppe hat für 1,3 Milliarden Euro eine Bioraffinerie errichtet. Sie wird derzeit schrittweise hochgefahren, sagt UPM‑Sprecher Martin Ledwon: "Konkret werden wir aus Buchenholz, das wir aus Durchforstung oder Reststoffströmen aus den Sägewerken erhalten, zwei Arten von Chemikalien herstellen."

Zum einen werden laut Ledwon Füllstoffe hergestellt, die in allen möglichen Gummi-Applikationen zum Einsatz kommen. "Also von Schläuchen über Autoreifen bis hin zu schwarzen Plastikprodukten werden diese Spezialchemikalien eingesetzt." Außerdem produziert die Anlage künftig Glykole für die Plastikproduktion.

Nicht weit davon entfernt entsteht eine Produktionsstätte der Firma Topas. Sie soll kommendes Jahr glasklare Kunststoffe unter anderem für Medizintechnik liefern.

Neue Jobs trotz weiter angespannter Gesamtsituation

Alle Investitionen zusammen bringen mehrere hundert Arbeitsplätze. Das klingt nach Aufbruch. Tatsächlich wurden die großen Projekte jedoch lange vor der aktuellen Wirtschaftskrise beschlossen. Die Probleme sind trotzdem da, sagt Chemiepark-Manager Christof Günther. Hohe Energiepreise, asiatische Konkurrenz – das mache vor allem etablierten Firmen zu schaffen.

Doch die seien gerade der Grund, warum neue Investoren kommen: "Es ist kein Zufall, dass die neuen Anlagen eben nicht auf der grünen Wiese entstehen, sondern an einem etablierten Chemiestandort wie in Leuna. Eben weil der Bestand, die starke Chemie, die wir schon haben, dazu führt, dass wir für neue Anwendungen und Verfahren besonders attraktiv sind", so Günther.

Rettung von Domo weiter offen

Günthers Befürchtung: Wenn das Alte stirbt, kann das Neue nicht wachsen, verliert das System des gegenseitigen Austauschs von Vorprodukten an Effizienz.

Zuletzt stand der alteingesessene Kunststoffhersteller Domo vor dem Aus. Nach der Insolvenz ist das Land mit Millionen eingesprungen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Günther glaubt weiter an eine Rettung: "Das sind leistungsfähige Anlagen. Und die stellen Produkte her, die benötigt werden. Die werden in Deutschland, in Europa und auch weltweit benötigt. Und die Anlagen aus sich heraus, die sind wettbewerbsfähig."

Noch in dieser Woche könnte eine Sitzung von Domo-Gesellschaftern und Insolvenzverwalter klären, ob das Unternehmen tatsächlich gerettet werden kann – und ob es eine weitere gute Nachricht aus Leuna gibt.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke