Zukunft des Theaters: Neues Haus statt sanierter Ostmoderne?
- Das sanierungsbedürftige Schauspielhaus Chemnitz ist seit 2021 geschlossen.
- Die Stadtverwaltung spricht sich für einen Neubau aus.
- Das alte Schauspielhaus ist ein wichtiger Bau der Ostmoderne.
Noch ist die Zukunft des Chemnitzer Schauspielhauses ungewiss – doch der Entscheidungsprozess für einen Standort schreitet weiter voran. Zwei Optionen werden aktuell diskutiert: Eine Sanierung des traditionsreichen Schauspielhauses an der Zieschestraße, einem klassischen Bau der Ostmoderne aus DDR-Zeiten. Oder ein Neubau beim derzeitigen Interim Spinnbau, der seit Schließung des Schauspielhauses 2021 wegen gravierender baulicher Mängel genutzt wird; er befindet sich auf der Industriebrache des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus.
Aktuell die Ausweichspielstätte für das Schauspiel Chemnitz: Der Spinnbau.Bildrechte: Theater ChemnitzStadt Chemnitz will Neubau realisieren
Die Stadtverwaltung von Chemnitz favorisiert den Spinnbau als neuen Standort. Dort können bestehende Flächen als Proberäume, Fundus oder Verwaltungsräume genutzt werden, zusätzlich ist auch der Neubau eines Bühnenhauses vorgesehen. Baubürgermeister Thomas Kütter betont bei MDR KULTUR: "Die langfristige Sicherung der Dauerspielstätte am Standort Spinnbau ist genau das Richtige und wurde deshalb vertiefender betrachtet." Diese Variante will er auch dem Stadtrat empfehlen, dem bis zur Sommerpause ein Vorschlag zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
Für den Entscheidungsprozess und Vergleich der Standorte hat die Stadtverwaltung das internationale Beratungsbüro Drees & Sommer hinzugezogen. Neben Standort- und Gebäudequalitäten hat dieses auch wirtschaftliche Aspekte geprüft. Mitarbeiter Roland Müsig, ehemaliger Hochbauamtsleiter in Dresden und maßgeblich am Umbau des dortigen Kulturpalastes beteiligt, sagt: "Der Nutzwert des Konzeptes Spinnbau ist größer. Die Schwächen der Zieschestraße haben wir identifiziert und die wollen wir ja abbauen."
Eine Projektskizze zeigt den Neubau des Schauspielhauses (gelb und orange) am Spinnbau-Komplex (grau).Bildrechte: Projektskizze GMHNach Angaben der Stadt würden sich die Kosten für eine Sanierung des Schauspielhauses am alten Standort einschließlich eines Erweiterungsbaus für Figurentheater und Studiobühne auf circa 69 Millionen Euro belaufen. Der Neubau eines Schauspielhauses am Theaterquartier Spinnbau, inklusive Nutzung des bereits vorhandenen Figurentheaters und der Studiobühne würde Kosten in Höhe von etwa 56 Millionen Euro verursachen.
Standort Spinnbau biete viele Vorteile
Für die Interimsspielstätte Spinnbau als neuen Standort sprechen die großzügigen Ausbau- und Gestaltungsmöglichkeiten und vor allem eine Integration der Werkstätten. Christoph Dittrich, Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz wünscht sich, dass "alles, was in einem solchen Haus vereint ist, verzahnt miteinander arbeitet." Die aktuelle Verstreuung dieser Funktionalitäten über verschiedene Orte sei eine riesige Herausforderung. Derzeit müssen wegen der weit außerhalb in Hartau gelegenen Werkstätten des Fünfspartentheaters Kulissen und Ausstattung monatlich kilometerweit durch Chemnitz gefahren werden.
Christoph Dittrich ist seit 2013 Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan WoitasAuch die Belegschaft des Schauspiels steht dem Neubau einer Schauspielstätte und der Einrichtung eines Kulturquartiers mit Einbeziehung der Werkstätten im Spinnbau positiv gegenüber. Clemens Kersten, Sprecher der großen Mehrheit der Belegschaft, betont: "Endlich wächst zusammen, was zusammen gehört. Das ist wie eine Familienzusammenführung. Wenn dann noch die Verwaltung und die Leitung dazukommt, wird's richtig schön."
Prägender Bau der Ostmoderne
Doch es gibt auch Stimmen, die sich für die Sanierung des alten Schauspielhauses aussprechen. Der Bau im Stil der Ostmoderne wurde 1980 errichtet und galt als einer der modernsten Theaterbauten der DDR. Auch die Stadt verweist auf die architektur- und stadthistorische Bedeutung des Schauspiels: "Viele Chemnitzer:innen verbinden persönliche Erlebnisse mit dem Haus am Standort Zieschestraße." Diese Tradition und Qualität gelte es zu bewahren und in die Zukunft mitzunehmen.
Das alte Schauspielhaus von Chemnitz war einst der modernste Theaterbau der DDR.Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik SchmidtEine Initiative der älteren Generation ehemaliger Karl-Marx-Städter spricht sich deutlich dafür aus, das Schauspielhaus vom besten Nachkriegsarchitekten an seinem alten Ort zu erhalten. Einer von ihnen ist Michael Backhaus. Er plädiert: "Stück für Stück das alte Gebäude sanieren und nutzen."
Quelle: MDR KULTUR (Michael Bartsch), Pressemitteilung Stadt Chemnitz
Redaktionelle Bearbeitung: lig, bh
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