Generation Z: Warum junge Männer konservativer denken
- Eine Umfrage zeigt, dass Gen-Z-Männer weltweit traditionellere Geschlechterrollen vertreten als ältere Generationen.
- Der Soziologe Grimm führt die konservativen Einstellungen auf Druck, Identitätskonflikte, Medien und Konkurrenzdenken zurück.
- Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld.
Eine aktuelle internationale Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt: Junge Männer der Generation Z – geboren zwischen 1997 und 2012 – vertreten in vielen Ländern deutlich traditionellere Auffassungen zur Geschlechterrolle als ältere Generationen. Fast jeder dritte Gen-Z-Mann ist der Ansicht, dass eine Ehefrau ihrem Mann immer gehorchen sollte, während dieser Wert bei männlichen Babyboomern nur bei 13 Prozent liegt.
Robert Grimm, promovierter Soziologe und Leiter der Abteilung für Politforschung bei Ipsos Deutschland, bezeichnete diese Unterschiede im Interview mit MDR AKTUELL als "erschreckend" und betonte: "Das ist für mich eine der Haupterkenntnisse dieser Studie, dass die jüngere Generation eher dazu tendiert, sich gegen die Gleichstellung von Männern und Frauen zu verschreiben, als die ältere Generation."
Identitätsprobleme junger Männer
Grimm führt die konservativeren Einstellungen junger Männer nicht nur auf traditionelle Rollenbilder zurück, sondern auch auf gesellschaftlichen Druck und Identitätsprobleme. Junge Männer stünden in einem Spannungsfeld, in dem Männlichkeit kritisch diskutiert werde, zugleich aber auch Erwartungen wie Wehrdienst und beruflicher Erfolg bestünden. "Ich glaube, dass sich da so manch einer in einem Wertespannungsfeld befindet, das nicht so leicht zu navigieren ist!", erläuterte Grimm.
Auch soziale Medien spielten eine Rolle bei der Verfestigung rückständiger Rollenbilder. Digitale Plattformen würden "zugespitzte Botschaften belohnen", von Männlichkeits-Influencern bis zu feministischen Gegennarrativen. Junge Menschen seien diesen Einflüssen besonders ausgesetzt, was die Meinungsmuster innerhalb der Gen Z verstärken könne.
Die Ergebnisse zeigen zudem eine Diskrepanz zwischen persönlicher Überzeugung und wahrgenommener gesellschaftlicher Norm. So glauben viele Gen-Z-Männer, dass die Gleichstellung bereits weit genug fortgeschritten sei oder Männer nun sogar diskriminiert würden. Grimm erklärt dies teilweise mit Wettbewerbssituationen: Junge Männer fühlten sich in Konkurrenz zu Frauen um Arbeitsplätze und Status, wodurch die vermeintliche Logik "Wenn Frauen profitieren, verliere ich" verstärkt werde.
Generationsunterschiede auch in Deutschland
Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland unterstützt jedoch faire Arbeitsteilung bei Kindererziehung, Haushalt und Einkommen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. Grimm betont im MDR AKTUELL-Interview, dass Deutschland in Fragen der Gleichstellung zwar teils fortschrittlich sei, aber auch hier Unterschiede zwischen den Generationen sichtbar bleiben.
Grimm resümiert im Gespräch mit MDR AKTUELL: Die Generation Z stehe unter einem "erhöhten Maskulinitäts- und Rollendruck" – ein Faktor, der sich direkt auf ihre Einstellungen zu Gleichstellung und Rollenverteilung auswirkt.
MDR/dpa (jst)
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