Kulturstaatsminister Weimer sagt Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises ab
- Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse findet nicht statt.
- Zuvor waren drei Buchhandlungen aufgrund von "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen" von der Nominiertenliste gestrichen worden.
- Kulturstaatsminister Weimer kündigte eine öffentliche Dialogveranstaltung an.
Nach dem Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Kandidatenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Verleihung abgesagt. Die aktuelle Debatte um den Vorgang drohe den Sinn der Veranstaltung "zunehmend zu überlagern", teilte ein Sprecher Weimers in Berlin mit. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheine "in einem solchen Kontext kaum noch möglich". Die Bekanntgabe der Preise erfolge in anderer Form.
Buchhändlerinnen und -händler kritisieren die Entscheidung Weimers. "Der Buchhandlungspreis ist für uns nicht einfach nur eine Subventionsspritze", sagte die Buchhändlerin Theresa Donner im Gespräch mit MDR KULTUR. Vielmehr seien die Auszeichnung und die Preisverleihung "eine Ehrung und eine Anerkennung für die Arbeit, die wir sechs Tage die Woche tun." Theresa Donner ist Inhaberin der Buchhandlung "heiter bis wolkig" in Halle. Ihre Buchhandlung wurde 2021 mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.
Theresa Donner betreibt die Buchhandlung "heiter bis wolkig" in Halle.Bildrechte: privatKulturstaatsminister Weimer in der Kritik
Weimer hatte drei Buchhandlungen, die von der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis vorgesehen waren, nachträglich aus der Liste der Ausgezeichneten gestrichen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderte anschließend von Weimer und der Bundesregierung eine Offenlegung der Gründe. "Die Kunst- und Meinungsfreiheit sind für die Arbeit der Buchhandlungen und unsere gesamte Gesellschaft von größter Bedeutung", erklärte der Börsenverein.
Konkret geht es um die drei Buchhandlungen "The Golden Shop" in Bremen, "Rote Straße" in Göttingen und "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin. Als Grund für deren Streichung von der Nominiertenliste wurden "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" genannt. Weimers Entscheidung hatte für massive Kritik gesorgt. Im Raum steht, der Ausschluss könnte unter Rückgriff auf ein regierungsinternes Verfahren erfolgt sein, das staatliche Finanzierung mutmaßlich extremistischer Vereinigungen und Veranstaltungen möglichst verhindern soll.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat mit seiner Entscheidung, drei Buchhandlungen von der Nominiertenliste zu streichen, für Empörung gesorgt.Bildrechte: picture alliance / dts-AgenturÖffentliche Dialogveranstaltung geplant
Die Verleihung des Preises war für Donnerstag, den 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse geplant. Nach der Absage würden die ausgewählten Buchhandlungen Preisgeld und Urkunde "auf direktem Weg erhalten", hieß es nun. "Wir werden zudem zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise einladen", heißt es in der Mitteilung vom Kulturstaatsminister.
Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert.
Quellen: AFP, epd, dpa
Redaktionelle Bearbeitung: ngh
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