• Das Buch beruht auf der wahren Geschichte der jungen Pianistin Christina, die 1961 in Leipzig geboren wurde.
  • Die Protagonistin ist Teil der Nachwuchs-Elite der DDR und leidet unter dem großem Erwartungsdruck.
  • Helene Bukowskis Roman ist eine persönliche und mitfühlende Hommage an ein kurzes, vielversprechendes Leben.

"Wer möchte nicht im Leben bleiben": Ursprünglich war dieses Lied 1959 für einen DEFA-Film entstanden. Nun hat sich Helene Bukowski den Titel für einen ergreifenden Roman geborgt. In dem folgt sie den Spuren von Christina, einer jungen hochtalentierten Pianistin, die es tatsächlich einmal gegeben hat. Dass wir erst mit diesem Buch von ihr erfahren, hat mit ihrem frühen Tod zu tun.

Roman folgt Spuren einer Leipziger Pianistin

Aber der Reihe nach: Geboren wird Christina 1961 in Leipzig, bevor sie mit den Eltern erst nach Neustrelitz und dann nach Neubrandenburg zieht. Der Vater, selbst Opernsänger und Musiklehrer, weckt in ihr die Begeisterung fürs Klavierspiel, das sich bald als Berufung erweist.

Helene Bukowski nutzt Dokumente, Briefe und Fotos, die ihr vor einigen Jahren übergeben wurden, um von Christinas Leben zu erzählen. Dabei setzt sie sich immer wieder zu ihr in Beziehung, füllt Leerstellen mit möglichen Szenen und thematisiert die Schattenseiten einer Kindheit im Zeichen der Musik.

Bukowski ist mit ihrem Roman "Wer möchte nicht im Leben bleiben" für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.Bildrechte: Ullstein

Druck und Drill im Fördersystem der DDR

Bald gerät Christina ins Visier des gut durchorganisierten Fördersystem der DDR. Sie wird zur "Spezi", also zur Spezialschule für Musik in Berlin delegiert. Dort teilt sie sich ein karges Zimmer mit drei anderen Mädchen, geht morgens zur Schule und nachmittags in den Übungsraum. Ein Leben, das wenig Raum lässt für Interessen jenseits der Musik oder gar für jugendlichen Übermut.

Helene Bukowski beschreibt mit klaren Sätzen eine junge sensible Frau, die bald erste Klavierwettbewerbe gewinnt, scheinbar mühelos die schwierigsten Stücke einübt und sich ebenso mühelos unterzuordnen scheint. Erst in Moskau, wohin sie nach der Berliner Spezi ebenfalls delegiert wirst, kann sie sich vom Erwartungsdruck des Vaters und der Lehrer etwas lösen. Langsam wird sie erwachsen, verliebt sich zum ersten Mal, leider unglücklich, findet jedoch kein Ventil für ihre im Zaum gehaltenen Gefühle.

Seelische Krisen einer jungen Frau

Nach sechs Jahren Moskau kehrt Christina zurück in die DDR. Doch hier findet sie keinen Halt mehr, weder beruflich noch privat. Nicht einmal einen richtigen Ort zum Üben kann man ihr bereitstellen, dabei soll sie doch junge Musiker unterrichten und wieder an Musikwettbewerben teilnehmen.

Das Buch erzählt von der großen Einsamkeit einer jungen Musikerin in der DDR.Bildrechte: imago images/Cavan Images

Zudem leidet sie unter starken monatlichen Zyklusbeschwerden, die sie auch psychisch belasten. Diesen Beschwerden gibt Helene Bukowski einen Namen: Chris. Sie erkennt Chris unter anderem auf den Fotos, die eigentlich Werbung machen sollen für eine großes Klaviertalent.

Hommage an ein kurzes vielversprechendes Leben

Dieser Tod ist selbst gewählt. Christina stirbt mit nur 24 Jahren. Helene Bukowskis Roman ist eine sehr persönliche Hommage an dieses kurze vielversprechende Leben. Vor allem ihr feiner, fast zärtlicher Tonfall überzeugt, ist er doch in keinem Moment voyeuristisch, sondern immer voller Mitgefühl.

Obwohl oder gerade weil die Autorin Christinas Leben angemessen fiktionalisiert, bleibt es einem nach der Lektüre noch lange im Gedächtnis. Und auch das titelgebende Lied vergisst man so schnell nicht mehr.

Angaben zum Buch

"Wer möchte nicht im Leben bleiben" von Helene Bukowski
Claassen Verlag, 384 Seiten
24 Euro
ISBN: 978-3-5461-0158-5

Redaktionelle Bearbeitung: vp

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