Noch sieht der Plattenbau in der Friedrich-Engels-Straße wenig einladend aus: Die grauen Wände sind mit Graffiti beschmiert, einige Fensterscheiben sind zersprungen. Man sieht dem Gebäude an, dass es schon seit Jahren leer steht. Doch ein Paar aus Schönau-Berzdorf ist fest entschlossen, das Gebäude aus den 1970er-Jahren neu zu beleben.

Daniel und Kathrin Heidrich haben das Mehrfamilienhaus mit rund 5.200 Quadratmetern Wohnfläche gekauft. Ein Bild auf ihrer Website, zeigt wie es bald aussehen soll: Ein modernes Gebäude ist dort zu sehen, dessen Dach und Außenwände mit schwarzen Photovoltaik-Modulen versehen sind. "Nur die Nordseite wird nicht mit PV-Modulen verkleidet", erklärt Kathrin Heidrich.

Plattenbau wurde für halbe Million Euro versteigert

Eigentlich hatten die beiden die Platte bei einer Versteigerung 2024 kaufen wollen, erzählt Daniel Heidrich. Doch bei 480.000 Euro seien sie ausgestiegen. Den Zuschlag habe ein Immobilien-Unternehmen aus Frankfurt am Main für rund eine halbe Million Euro bekommen. Dem kauften sie das Haus später ab. Für wie viel wollen sie nicht sagen. Nur so viel verrät der 41-Jährige: "Es ist deutlich mehr, als das, was wir in der Auktion geboten haben, weil wir das Objekt unbedingt haben wollten".

"Wir waren so vom Konzept überzeugt, dass wir gesagt haben, wir müssen das machen", erzählt der Heizungsbauermeister. Das Konzept sieht vor, dass das Haus "sehr gut gedämmt" wird und ein Großteil des benötigten Stroms aus der hauseigenenen Photovoltaikanlage kommt.

Damit das funktioniert, müsse das Objekt mehrere Bedingungen erfüllen: "Die Ausrichtung muss stimmen und es darf keine Verschattung da sein." Das habe bei dem Gebäude alles gepasst. Geheizt werden soll mit Infrarotpaneelen an der Decke. Wartungsaufwand und Kosten seien dadurch geringer als bei anderen Heizungen. Zudem könne die Infrarotheizung von der PV-Anlage gespeist werden.

Ungefähr so soll das Haus aussehen, wenn es fertig ist. Die schwarzen Platten an den Außenwänden sind Photovoltaik-Module. Bildrechte: DKH INVEST GmbH

"Autarkiehaus" mit "Energieflatrate"

"Unten im Keller sind dann große Elektrospeicher, die den Strom zwischenspeichern", erklärt Heidrich. Auch werde es einen zentralen Boiler geben, der sich ebenfalls aus der PV-Anlage speist und Warmwasser für die Mieter bereithält. Somit könne rund 60 Prozent des Energiebedarfs des Hauses von der PV-Anlage auf dem Dach produziert werden. Kathrin und Daniel Heidrich nennen das Haus, das aus dem alten Plattenbau entstehen soll, deshalb "Autarkiehaus".

Der Vorteil sei, dass man sich unabhängig mache, von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas und ihren Preisschwankungen. Die aktuellen Öl- und Gaspreise würden ja zeigen, dass man das tun sollte. So gebe es keine böse Überraschung bei der Nebenkostenabrechnung. Denn die soll es für die künftigen Mieter im Görlitzer Autarkiehaus gar nicht geben. Stattdessen zahlen sie eine pauschale Miete, bei der alle Betriebskosten inklusive Strom und Warmwasser enthalten sind - unabhängig vom Verbrauch. Die beiden schreiben auf ihrer Website deshalb auch von einer "Energieflatrate".

Lädt das nicht zur Energieverschwendung ein? "Wir gehen mal nicht davon aus, dass jemand im Winter heizt und dabei stundenlang das Fenster offen lässt", sagt Daniel Heidrich. Das würde aber auch nicht funktionieren, weil sich die Heizung bei offenem Fenster automatisch abschalte. "Eine sehr hoch angesetzte Obergrenze" für den Verbrauch solle es aber schon geben - "damit beispielsweise niemand den Wasserhahn durchgängig laufen lässt."

Daniel Heidrich vermisst einen der Räume in dem bereits entkerneten Teil des Plattenbaus. Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

Gesamtkosten für das Projekt und Finanzierung

Die Kosten für das Projekt "liegen irgendwo im siebenstelligen Bereich", sagt Heidrich. Für die Finanzierung hat das Unternehmer-Paar einen Kredit aufgenommen. Der Heizungsbauermeister hat eine eigene Sanitär- und Heizungsbaufirma. Seine Frau Kathrin Heidrich ist Immobilienkauffrau. Gemeinsam hätten die beiden schon mehrere Immobilien und auch schon Erfahrung im Bauen. "Wir konnten mehrere Banken dafür gewinnen", erzählt Heidrich. Sie hätten sich dann für die Sächsische Aufbaubank (SAB) entschieden.

Die finanzielle Verpflichtung und das Risiko tragen die beiden mit Selbstvertrauen und einer gewissen Gelassenheit - so scheint es. "Wir haben ja schon mehrere Objekte zusammen saniert und ich weiß, das, was er macht, hat auch Hand und Fuß. Da kann ich mich drauf verlassen", sagt Kathrin Heidrich über ihren Mann. Der erzählt, schon die eine oder andere schlaflose Nacht wegen der Doppelbelastung - eigene Firma und Baustelle - gehabt zu haben. "Aber es macht noch Spaß und ich bin sehr positiv", fügt er hinzu.

"Nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen"

Er ist für alles rund ums Bauen in dem Projekt verantwortlich, sie für die Buchhaltung, Vermietung und Verwaltung. "Ich glaube an das Konzept, ich glaube an das Projekt", sagt Kathrin Heidrich. Obwohl sie noch keine Anzeigen geschaltet hätten, hätten sich schon 50 Miet-Interessenten gemeldet. Natürlich sei es nicht einfach, "alles unter einen Hut zu bekommen: Arbeit, Familie, die Sanierung". Ihr Mann arbeite "von früh bis abends", sie selbst manchmal von 5 bis 7 Uhr vor ihrer eigentlichen Arbeitszeit und bevor sie die Kinder in Kita und Schule bringt, arbeite dann wieder, um nachmittags für die Familie da zu sein.

Bis Ende 2027 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. "Hinten wird noch komplett entkernt und vorne wird schon die erste Trockenbauwand gestellt", sagt Daniel Heidrich. Aus den ursprünglich 90 Dreizimmerwohnungen sollen 75 Wohnungen mit Größen zwischen zwei und fünf Zimmern werden. Bis 2028 soll das gesamte Gebäude fertig saniert sein.

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