Eben noch ein Klumpen und plötzlich ein elegant geschwungener Krug. Es sieht zwar aus, als wäre es ein Klacks mit dem Klecks, aber Gundula Müller hat schon viele an der Töpferscheibe verzweifeln sehen. "Das sieht immer so leicht aus. Man denkt, och, Finger dranhalten, dann bin ich fertig." Dabei müssten Lehrlinge diesen ersten Handgriff, das in die Mitte drücken des Tones, in den ersten drei Wochen der Ausbildung üben, bis sie ihn könnten.

Die Kohrener Töpfermeisterin mag diese Momente, wenn Laien spürten, welche Fingerfertigkeit im Handwerk steckt. Gundula Müller: "Es geht ja mehr darum zu fühlen, herauszufinden, wie ist das mit dem Ton, den Fingern, dem Wasser?"

Viel Arbeit und Herz steckt in Töpferware

Zum Tag der offenen Tür lässt sie deshalb nur zu gern ihre Besucher direkt an die Scheibe, denn das Produkt allein erzählt nur ein Kapitel des Berufs. "Zu sehen, wieviel Mühe drin steckt. Wir nehmen ein Produkt 15 bis 20 Mal in die Hand, bis es fertig ist. Das sieht man dem Stück, wenn es im Laden steht, nicht an", meint Töpferin Müller. Viele würden nur den Preis sehen und sagen "oh nööö, so einen Haufen Geld. Aber dass da ganz viel Liebe drin steckt! Es ist immer auch ein Stück von mir."

Töpferware im Laden sieht man manchmal die viele Mühe nicht an, die die Töpfermeisterinnen und Töpfermeister bei der Herstellung hineingesteckt haben. 15 bis 20 Mal nehmen sie ein Stück in die Hände, bis es im Geschäft steht. (Archivfoto)Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das kann Jaqueline Nass nur bestätigen. Ihre Keramikschmiede in Neukirchen, einem Bornaer Ortsteil, sieht längst nicht so aufgeräumt aus, aber auch hier brennt noch Leidenschaft den Ton. "Mir wird oft gesagt, man sieht mein Feuer in meinen Augen." Wenn sich die Handwerkerin erklären soll, dann beschreibt sie sich mit den Worten: "Kleene Person, große Töppe, das ist meins."

Töpferin wirbt für kreativen Beruf und Kollegen

Die Zeugnisse ihrer Kunst sind allgegenwärtig im kleinen Hof und auf der Terasse. Überall stehen Schalen, Becher, und auch kleine Töpfe. Wer zum Tag der offenen Töpferei schon einmal bei Jaqueline Nass war, braucht keine Angst zu haben, wieder dasselbe zu sehen. "Jahr für Jahr, für Jahrzehnte immer nur dasselbe zu machen, ist nicht gut für den Kopf. Dafür ist der Beruf viel zu kreativ", erklärt sie. Und weiter: "Man kann sich doch austoben." Interessierten rät die Neukirchnerin für den Tag der offenen Töpferei: "Stellt Euch eine Route zusammen, besucht verschiedene Kollegen. Wir sind viele. Ihr werdet sehen: Jeder ist für sich besonders."

MDR (kk, D. Hentze)

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