Projekt in Zwickau hilft Schulschwänzern
- Besonders Mobbing führt häufig dazu, dass Kinder und Jugendliche den Schulbesuch verweigern.
- Die Zahl der Schulverweigerer ist in Sachsen auf einem Rekordhoch.
- Das Zwickauer Projekt will die Jugendlichen wieder in den Schulbetrieb an anderen Schule eingliedern.
Eine Art Dart-Pfeile und kleine Bälle fliegen durch den Klassenraum. Mit Klett ausgestattet sollen sie auf einer Dartscheibe aus Stoff landen. Vier Jugendliche werfen nacheinander und rechnen mit den geworfenen Zahlen weiter. Ihr Lehrer hilft.
Mobbing und Ausgrenzung führt oft zu Schulverweigerung
Alle vier haben die Schule verweigert und lernen jetzt hier in einem kleinen Klassenraum des "Start off"-Projekts in Zwickau. So auch die 13-jährige Marie: "Ich geh‘ nicht mehr zur Schule, weil ich ganz stark gemobbt wurde. Mir wurde die Brotbüchse leer gegessen, meine Jacke in den Müll geschmissen, 'Marie-Seuche' gespielt. Die Lehrer haben nichts gemacht, die haben einfach nur mit denen geredet und es wurde schlimmer."
So schlimm, dass Marie nicht mehr zur Schule geht. Die Geschichten der anderen klingen ähnlich. Enzo war schon an vielen Schulen, wurde nirgendwo akzeptiert. Und für Sandra gab es keine Schule, an die sie wechseln konnte. Schulangst hat zugenommen, wie die Mitarbeiterinnen des Projekts beobachten.
Corona-Pandemie hat Situation verschlechtert
Selina Bettenwoorth sieht eine Veränderung nach der Corona-Pandemie, während der die Kinder zu Hause lernen mussten: "Früher war es mehr dieses 'Ich hab keinen Bock und ich geh' heute einfach mal nicht'. Heute ist es viel mehr auch der Leistungsdruck an den Schulen, dass sie es teilweise gar nicht mehr schaffen und die Lehrer es gar nicht mitbekommen. Sehr viel auch Schulangst, Sozialangst und dass sehr viele Schüler deswegen auch verweigern und Angst haben in die Schule zu gehen."
Bußgelder nur bedingt sinnvoll – Prävention im Fokus
Der Freistaat Sachsen verordnet Bußgelder, wenn Schüler zu lange unentschuldigt fehlen. Im Land ist die Zahl der Ordnungswidrigkeitsverfahren im letzten Schuljahr auf ein Rekordhoch gestiegen. Es gebe aber auch mehr Schüler – sagte Sachsens Bildungsminister Clemens Anfang März dem MDR. Er plane, die Strafen zu verschärfen und in Prävention zu investieren.
Es brauche mehr Unterstützung in den Schulen, ist Juliane Ratz überzeugt. Sie ist die Vorsitzende der Zwickauer Dietz-Stiftung, die das "Start off"-Projekt verantwortet: "Bußgelder sind sicher ein gutes Mittel, wenn die Eltern den Schulbesuch nicht unterstützen oder ein Mitgrund sind. Wenn es jetzt aber die mentalen Herausforderungen oder sozial-emotionale Defizite sind, bin ich nicht sicher, ob es da richtig ansetzt."
Projekt kümmert sich um Wiedereinstieg ins Schulsystem
Gerade Schulsozialarbeit sei ein ganz essenzieller Part, sagt Juliane Ratz. Dort müsse man frühzeitig anzusetzen und es gar nicht erst so weit kommen lassen, dass die Kinder verweigern. Die Nachfrage ist hoch beim "Start off"-Projekt in Zwickau – es gibt mehr Bedarf als Plätze.
Die 13-jährige Marie fühlt sich wohl und kommt gern her. Bald will sie es wieder in einer richtigen Schule probieren – auf keinen Fall in ihrer alten. Das Projekt kümmert sich auch um den langsamen Wiedereinstieg, immer auf einer neuen Schule. Vier von fünf Jugendlichen können laut Dietz-Stiftung erfolgreich vermittelt werden.
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