• Eigentlich hätte der Energiepark Bad Lauchstädt schon 2025 grünen Wasserstoff liefern sollen, wenn da nicht die Bürokratie wäre.
  • Die Module aus Bad Lauchstädt werden der Raffinerie Leuna grünen Wasserstoff liefern.
  • Doch damit ist das Projekt eines der letzten noch laufenden – wegen künstlicher Verteuerung.

Vor einem Jahr stand Cornelia Müller-Pagel im Energiepark Bad Lauchstädt. Die Bagger liefen, die Projektleiterin war zuversichtlich: Noch 2025 sollte der Energiepark grünen Wasserstoff liefern. Nur eine Frage blieb damals offen: "Wenn das dieses Jahr fertig wird, was machen Sie denn dann?" Darauf sagte Müller-Pagel: "Was ich dann mache? Ich freue mich." Das war damals. Doch so richtig freuen konnte sie sich noch nicht. 

Heute steigt Cornelia Müller-Pagel die Treppe zur Besucherplattform des Energieparks hoch. Die Sonne scheint, Wind weht: perfektes Ökostromwetter. Aber der Elektrolyseur, das Herzstück des Energieparks, läuft nicht. Er ist nicht fertig geworden – und Cornelia Müller-Pagel wirkt zerknirscht.

Bürokratiechaos trifft Pilotprojekt

"Was uns zum Beispiel sehr viel Zeit gekostet hat, ist die Veränderung des Montageablaufs. Wir sind davon ausgegangen, dass wir parallel alle drei Module montieren können. Dann stellte sich heraus, dass das aufgrund der Reinheitsanforderungen nicht geht. Und das allein hat über zwölf Wochen Verzögerung in den Zeitplan reingebracht", erklärt Müller-Pagel.

Hinzu kamen typische Baustellenprobleme: bürokratische Hürden, fehlende Fachleute. Und dann ist das hier ein Pilotprojekt. Wenn es irgendwo hakt, gibt es keine Standardlösungen. Immerhin: Die Inbetriebnahme hat begonnen.

Grüner Wasserstoff für Leuna

"Oh mein Gott. Es ist dunkel. Nicht stolpern Herr Geißler." Müller-Pagel führt in die Elektrolyse-Halle, in der gerade das Licht getestet wird. In schummriger Atmosphäre steht viel Technik. In der Mitte: die massiven Metall-Module des Elektrolyseurs. Deren Aufbau leitet Christopher Schoop: "Also, wir haben im Prinzip gerade drei Ausbaustufen. Modul eins, wo wir gerade dran vorbeigelaufen sind, wo es so dunkel war. Da führen wir gerade die Inbetriebsetzung durch. Heute nicht, heute machen wir ein paar Umschaltungen an der Beleuchtung. Bei Modul eins ist alles fertig so weit."

Während der Inbetriebnahme wird in kleinen Mengen bereits grüner Wasserstoff erzeugt. Diesen kauft künftig die Total Raffinerie in Leuna. Gleichwohl: Das Projekt gehört zu den wenigen, die in Deutschland noch laufen. Viele andere wurden abgesagt, erklärt Müller-Pagel: "Das hat mich ehrlicherweise sehr betrübt. Weil man die Gründe ja kennt. Also man kennt viele Projekte, das sind gute Projekte. Ähnlich wie unsere von der Grundanlage."

Kosten bremsen Wasserstoffprojekte aus – trotz hohen Nachfrage

Der Hauptgrund vieler Absagen: die Kosten. Die Herstellung von grünem Wasserstoff ist teuer. Doch Cornelia Müller-Pagel argumentiert: Es müsse gar nicht so teuer sein. "Wir haben mit den Raffinerien potenzielle Kunden. Das Problem ist: Es ist zu teuer aufgrund von Regulierung. Es muss die Regulierung runtergehen. Es darf keine künstliche Verteuerung des Produkts da sein. Infrastruktur ist da, Nachfrage bei den Raffinerien ist da, weitere Nachfrageanreize aus der Politik wären gut und wünschenswert."

Mit weniger Regulierung ließen sich die Kosten um bis zu 50 Prozent senken, sagt Müller-Pagel. Der Energiepark Bad Lauchstädt profitiert zudem bis 2029 von einer Befreiung bei den Netzentgelten und erhält umfangreiche Fördermittel. Deshalb ist es hier eher möglich, ein marktfähiges Produkt herzustellen. Noch in diesem Jahr soll der Regelbetrieb tatsächlich starten – und dann kann Müller‑Pagel endlich auf der Besucherplattform sitzen und sich freuen.

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