Sachsen-Anhalts Bauern gegen staatliche Regulierung des Milchmarkts
- Ein Milchbauer aus dem Jerichower Land hält den Vorschlag des freiwilligen Lieferverzichts für einen Schnellschuss.
- Laut dem Bauernverband Sachsen-Anhalt wird es in Deutschland keine einheitliche staatliche Regelung für den Milchpreis geben.
- Statt in den Milchmarkt einzugreifen, sollte die Politik lieber bürokratische Hürden abbauen und Investitionen fördern.
Sonniger Vormittag und blauer Himmel, die Tore des Kuhstalls der Agrargenossenschaft Tuchheim im Jerichower Land sind weit geöffnet. 250 Kühe gucken entweder neugierig auf den Besuch, fressen, schlafen oder stellen sich an, um gemolken zu werden.
Es ist ein Roboterstall, erklärt Geschäftsführer Sören Rawolle, und "das Modernste, was wir zurzeit haben. Hier ist alle Technik verbaut, die es so gibt – vom Melkroboter über Stallroboter, die den Mist schieben, und einen Fütterungsroboter, der jede Stunde das Futter ranschiebt."
Das System habe sich bewährt. Ein Neubau für die anderen Kühe mit weiteren Melkrobotern ist geplant. Insgesamt gibt es hier rund 1.100 schwarz- und braungefleckte Holstein-Friesians. "Die besten Milchkühe, die es überhaupt gibt", so Rawolle. 43 Liter Milch pro Kuh und Tag sind hier der Standard.
Milcherzeugung im Moment nicht kostendeckend
Für jeden Liter Milch bekommt Rawolle um die 39 Cent. Noch im vorigen Sommer waren es 55. Kostendeckend sei das nicht, sagt er – schon gar nicht mit Blick auf die aktuellen Energiepreise.
Von der Forderung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, weniger zu liefern und das mit Prämien auszugleichen, hält der Chef der Tuchheimer Agrargenossenschaft nichts. "Wir können ja die Milch bei einer Kuh nicht abstellen. Das würde also bedeuten, wir würden übermäßig viele Kühe verkaufen. Das hätte dann wiederum die Wirkung auf dem Fleischmarkt, weil mehr geschlachtet werden würden, sodass ich da überhaupt keinen Hebel sehe."
Aus seiner Sicht ein Schnellschuss: "Wir kommen aus vier tollen Jahren. Jetzt sind wir mal zwei, drei Monate tatsächlich so tief abgerutscht, aber mit der Perspektive, dass es auch in kürzester Zeit wieder besser wird. Insofern würde ich das als viel zu früh ansehen."
Bauernverband Sachsen-Anhalt lehnt staatliche Marktregulierung ab
Der Vorstand des Bauernverbands Sachsen-Anhalt, Olaf Feuerborn, kann einer politischen Marktregulierung ebenfalls wenig abgewinnen: "Wenn die Milch in der Preiskrise ist, fangen wir wieder neu an, zu diskutieren, ob wir eine Marktstabilisierung hinkriegen, in dem wir Mengen aus dem Markt nehmen oder feste Abnahmeverträge haben müssten."
Diese Diskussion sei hinfällig. Jeder Betrieb könne frei entscheiden, ob er einen Teil der erzeugten Milch über Vertrag, über eine Erzeugergemeinschaft oder auf dem freien Markt verkauft. "Das ist unternehmerisches Handeln und damit sind alle sehr zufrieden", so Feuerborn.
Konkret erwartet Feuerborn: "Wir werden uns am freien Markt orientieren. Es wird keine einheitliche Regelung in Deutschland geben."
Milchbauer: Weniger Bürokratie statt Eingriffe in den Markt
Zurück nach Tuchheim ins Jerichower Land mit seinem satten Grün: Hier, sagt Rawolle und blickt in die Weite, muss man einfach Milch machen. "Es wäre schade, wenn das weiter zusammenbricht. Das Fiener Bruch, wo wir hier sind, ist 4.000 Hektar groß – reines Grünland. Es gibt jetzt noch zwei Betriebe, vor zehn Jahren waren wir noch sieben."
Die Politik könne Milchbauern durchaus helfen, sagt Rawolle. Aber eher mit Bürokratieabbau, Investitionen, mehr Tempo bei Genehmigungen – dass man einfach wirtschaftlicher werde.
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