"In Sommermonaten unwirtschaftlich" – Mibrag drosselt Kohlekraftwerk schon jetzt
- Die Mibrag wird das Kohlekraftwerk Wählitz wohl schon vor 2038 abschalten, weil es sich nicht mehr rechnet.
- Im Tagebau Profen wird man dann Solarenergie zur Stromversorgung nutzen.
- Energie aus Kohle zu verkaufen ist jetzt schon schwierig.
Bastian Zimmer, Planungschef der Mibrag, fährt durch das Mitteldeutsche Braunkohlerevier. Am Tagebau Profen vorbei geht es Richtung Hohenmölsen. In der Ferne steht das türkisfarbene Kraftwerk Wählitz.
"Ja, wir versorgen das Kraftwerk Wählitz mit Braunkohle aus unseren Tagebauen. Und das Kraftwerk Wählitz liefert uns den Strom zurück, den wir brauchen, um unsere Geräte zu betreiben. Aber das Kraftwerk Wählitz ist eben darüber hinaus auch sehr wichtig für die Stadt Hohenmölsen, weil ein sehr wichtiger Teil der Wärmeerzeugung für die Stadt aus diesem Kraftwerk kommt."
Das Kraftwerk liefert über ein kilometerlanges Rohrnetz Fernwärme in die Häuser. Noch – denn mit dem Kohleausstieg wird auch Wählitz abgeschaltet. Die Wärme muss dann woanders erzeugt werden.
Wie künftig Fernwärme aus Strom erzeugt wird
Das Industriekraftwerk Wählitz liefert Strom für den Tagebau Profen und Fernwärme für Hohenmölsen.Bildrechte: Ralf Geißler/MDRWo, das kann Bastian Zimmer heute zeigen. Am Kraftwerk wartet schon sein Kollege Jan Helge Niebisch: "Also wir haben heute jetzt den großen Trafo zugeschaltet, von einer 30 Kilovolt auf eine 10 Kilovolt Ebene."
Die beiden laufen zu einem unscheinbaren Gebäude. Im Kesselhaus wird künftig Fernwärme aus Strom erzeugt. Fachleute sprechen von Power-to-Heat: "Also der Strom, der aus den erneuerbaren Energien gewonnen wird, wird runtertransformiert und der Strom geht dann im Endeffekt über Elektronen direkt ins Wasser."
Ist im Prinzip wie so ein Wasserkocher.
Das klingt kompliziert. Aber eigentlich, ergänzt Zimmer, ist es ganz einfach: "Ist im Prinzip wie so ein Wasserkocher."
An der neuen Anlage wird Dämmung montiert. Ab April kann der "Wasserkocher" Hohenmölsen wärmen. Früher als gesetzlich nötig. Denn das Kohlekraftwerk Wählitz muss erst 2038 vom Netz, doch die Mibrag drosselt es schon jetzt immer wieder, weil Wärme und Strom aus Kohle über die CO2-Preise immer teurer werden:
"Und deswegen kommen wir zunehmend in eine Situation, wo der Betrieb dieses Kraftwerks in den Sommermonaten unwirtschaftlich ist. Und deswegen suchen wir auch Alternativen, um das Kraftwerk rausnehmen zu können, abfahren zu können."
Mibrag fördert Kohle oft mit Ökostrom
Wenn das Industriekraftwerk abgeschaltet wird, muss allerdings der Strom für die Bagger und Förderanlagen im Tagebau von woanders kommen. Die Mibrag hat dafür zwei Solarfelder gebaut. Ein Kuriosum der Energiewende: Das Unternehmen fördert Kohle oft mit Ökostrom.
Das ist schon ein besonderer Moment auch für diesen Tagebau, der ja immerhin 75 Jahre sich hier durchs Revier bewegt hat.
Zimmer fährt zum Abbaufeld Domsen. Der Wind pfeift über die Abbruchkante. Sie bildet künftig das nördliche Ende des Tagebaus Profen. Der Flächenverbrauch ist beendet. "Das ist schon ein besonderer Moment auch für diesen Tagebau, der ja immerhin 75 Jahre sich hier durchs Revier bewegt hat."
Elf Millionen Tonnen Kohle wurden hier 2025 gefördert.Bildrechte: Ralf Geißler/MDR
Gebaggert wird künftig nur noch in die Tiefe. Das reicht aus, um bis zum Kohleausstieg die Kraftwerke Wählitz und Schkopau zu versorgen.
"Es gibt ja auch noch Gaskraftwerke, es gibt Steinkohlekraftwerke, es gibt auch noch die französischen Kernkraftwerke und auch die bemühen sich in den Markt und auch die produzieren Energie und das hat sich im letzten Jahr nicht zu unseren Gunsten entwickelt."
Der CO2-Preis auf den Kohlestrom steigt kontinuierlich. Kohlekraftwerke werden deshalb immer seltener abgerufen. Insgesamt hat die Mibrag vergangenes Jahr rund elf Millionen Tonnen Kohle gefördert – die Hälfte der Menge von ihrem umsatzstärksten Jahr 2003.
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