Der Wiederaufbau in Pödelwitz hat begonnen: "Es kommen junge Leute dazu"
- Der Verein "Pödelwitz hat Zukunft" hat Zulauf von jungen Leuten.
- Aktuell fließt alle Kraft in die Renovierung des "Vielseithofs" im Dorf.
- Doch viele Häuser verfallen, weil die Mibrag sie nicht freigibt.
Arbeitseinsatz in Pödelwitz – rund 80 Prozent der Häuser im Dorf stehen leer und verlassen da. Kontrastprogramm an diesem winterlichen Samstag auf dem Hof am nördlichen Dorfrand: es wird gesägt, gebaut, aufgeräumt. Franzi Knauer wirft Holz auf die Ladefläche eines alten Fahrzeugs.
In Pödelwitz ist immer viel zu tun.Bildrechte: Britta Veltzke"Wir sammeln hier das Holz von der eingestürzten Scheune. Das ist im Prinzip der ganze Dachstuhl. Den bringen wir vor in den Stall, um den Aufzusägen und dann halt einfach Feuerholz zum Heizen zu haben."
Die 32 Jahre alte Franzi Knauer ist hier aufgewachsen und hilft heute beim "Wupp-Tag", den Arbeitseinsätzen des Vereins "Pödelwitz hat Zukunft". Sein Ziel ist es, das neue Domizil herzurichten. Im Gegensatz zu den meisten Gebäuden gehörte der Hof nicht dem Kohle-Unternehmen Mibrag. Mit Schenkungen und günstigen Krediten konnte er gekauft werden.
Es ist gerade eine richtig schöne Kraft.
Das sorgt für viel Bewegung, berichtet auch Nora Mittelstädt vom Verein: "Es kommen jetzt auch einfach junge Leute dazu. Es ist gerade eine richtig schöne Kraft. Während letztes Jahr die Arbeit oft auf wenigen Schultern lag, verteilt es sich jetzt einfach viel mehr."
In ihrem Verein setzen sich die Alteingesessenen und Zugezogenen dafür ein, dass das Dorf wieder auflebt. Besonders für die Neuen in Pödelwitz, wie Nora Mittelstädt, die vor zwei Jahren hergezogen ist, bedeutet der Hof viel.
Selbst angebautes Obst und Gemüse soll die Bewohner versorgen und verkauft werden. Der Hof biete dafür gute Voraussetzungen, erklärt Mittelstädt: "Hier sind alte Fleischereiräume. Hier könnten mal die Büros hinkommen, da könnte die Landwirtschaft ihr Gemüse sortieren und kühl lagern. Tatsächlich haben wir da jetzt auch schon ein Apfel-Lager."
Eine Gruppe Freiwilliger befreit den künftigen Acker hinter der eingestürzten Scheune gerade von Gestrüpp: "Hier war alles zugewachsen mit Brombeeren und die räumen das hier einfach schon seit Monaten frei." Ob sich der Boden überhaupt für Gemüseanbau eignet, ist aber fraglich: "Es werden auf jeden Fall noch Bodenproben genommen. Und dann wird entschieden."
Der Ausbau des Vielseithofs geht voran
Bislang hatten die Mitstreiter im Sommer wie im Winter nur eine provisorische Behausung im Pfarrgarten. Der Hof, den sie Vielseithof getauft haben, ist ihre neue Keimzelle. Im Kleinen wollen sie hier zeigen, was sie für das ganze Dorf vorhaben: eine Gemeinschaft gründen mit Menschen mit und ohne Behinderung, die hier zusammen arbeiten, essen, leben.
Häuser verfallen – Mibrag gibt sie nicht frei
Keine hundert Meter entfernt, beginnt der Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Aktuell geplantes Förderende: 2035. Die Vereinsmitglieder hoffen, dass das Kohle-Unternehmen die Häuser weit vorher freigibt. Sie verfallen zusehends. Die Mibrag aber will abwarten, bis die Entwicklungsgesellschaft Steg ein Gesamtkonzept für die Region erarbeitet hat.
So steckt der Verein jetzt erstmal alle Kraft in den Vielseithof. Inzwischen geht es auf die Mittagszeit zu. "Jetzt gibt es Essen. Müssen wir noch irgendwas dazu sagen? Eigentlich piep, piep, piep." Nach dem Essen erfragt Nora Mittelstädt den aktuellen Arbeitsfortschritt. "Wurden schon zwei Anzucht-Tische gebaut? Nein? Dann macht ihr das am Nachmittag noch weiter." Dann geht’s zurück zum Vielseithof. Zurück an die Arbeit.
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