• Ohne Erweiterungsbau kann die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig spätestens in vier Jahren keine neuen Medien mehr einlagern – per Gesetz muss sie das aber.
  • Um die Medien langfristig erhalten zu können, muss der Bau strenge Anforderungen bei klimatischen Bedingungen, Technik und Brandschutz erfüllen.
  • Die bisherigen Planungskosten für den Erweiterungsbau bewegen sich im üblichen Rahmen vergleichbarer Großprojekte.

20 Millionen Objekte lagern aktuell im Archiv der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. "Physische Medien" heißen die im Fachjargon – also Bücher, Zeitungen, Zeitschriften bis hin zu CDs. Es sind Medien, die zum einen im deutschen Buchhandel publiziert worden sind, zum anderen Publikationen von Vereinen oder Institutionen.

Archiv spätestens in vier Jahren komplett voll

Seit 1913 werden in Leipzig solche Medien archiviert, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Schon in absehbarer Zeit wird der Platz dafür nicht mehr ausreichen, sagt Johannes Neuer, der Direktor der Nationalbibliothek. "Jetzt haben wir hier in Leipzig nur noch drei bis vier Jahre Platz, bevor wir überhaupt keine neuen Medien mehr unterbringen können. Das ist natürlich ein Problem."

Per Gesetz ist die Nationalbibliothek verpflichtet, je zwei Expemplare für die Nachwelt aufzubewahren über alles, was in und über Deutschland sowie in deutscher Sprache publiziert wurde. Pro Jahr kämen so rund drei Kilometer an neuen Medien hinzu, erklärt Neuer. Deshalb sei der Erweiterungsbau dringend nötig.

Aufwendige Bauplanung für hochsensible Bestände

Die Planungen und Vorarbeiten für die Erweiterung haben laut Neuer schon 2018 begonnen. Denn: Ein Archivgebäude ist ein Sonderbau. "Er ist im Prinzip eine große Kiste und wir müssen besondere klimatische Bedingungen in dem Gebäude herstellen. Papier ist einem Alterungsprozess ausgesetzt und diesen können wir verlangsamen, wenn wir die Medien bei etwa 18 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 - plus minus fünf - Prozent aufbewahren", so Neuer.

Entsprechend umfangreich ist die Planung für so ein Gebäude. Zunächst sind Statik und Hochbau wichtig, denn die Objekte werden in großen Rollregalen gelagert. Darüber hinaus gehören zur Planung Elektro- und Klimaanlagen sowie Heizung, Lüftung und Sanitär. Hinzu kommt der Brandschutz, damit möglichst keine Brände entstehen und Fluchtwege vorhanden sind.

Planungskosten im vorgesehenen Rahmen

Die Fachaufsicht für den Bau der Deutschen Nationalbibliothek führt das sächsische Finanzministerium. Zu den bisher entstanden Planungskosten teilt das Ministerium auf Anfrage schriftlich mit: "Für Gebäude mit derartiger Nutzung und komplexen Anforderungen sind Planungskosten von sieben bis zehn Prozent für die bisher erbrachten Planungsleistungen notwendig und entsprechen den Durchschnittswerten der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure."

Bei rund 100 Millionen Euro geplanten Gesamtkosten bewegen sich die bisherigen Ausgaben damit im Rahmen. In diesem Rahmen gab es auch vor zwei Jahren den Architekten-Wettbewerb. Der Zuschlag ging an ein Dresdner Architekturbüro.

Finanzierung weiterhin in der Schwebe

Angesichts dieser jahrelangen Vorarbeiten sei es umso entsetzlicher gewesen, dass Kulturstaatsminister Weimer dem Anbau zunächst eine Absage erteilte, sagt Direktor Johannes Neuer. "Weil in den letzten acht Jahren so viel Energie, Ideenreichtum und auch so viel Kraft in diese Planung geflossen ist. Das stößt alle, die in dem Projekt involviert sind, vor den Kopf. Wir sind noch nicht am Ziel, denn die Finanzierung steht noch aus."

Aber immerhin gäbe es durch das Einlenken Weimers einen Etappensieg, so Neuer. Die Planungsunterlagen werden nun vom sächsischen Finanzministerium als Fachaufsicht geprüft. Danach können sie in die Haushaltsplanung des Bundes einfließen. Gibt es keine weiteren Störmanöver, kann der Bau im kommenden Jahr beginnen.

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